Beiträge

So klappt eine liebevolle und stabile Beziehung

Wünschst Du Dir eine Beziehung, die viele Jahre oder sogar bis zum Lebensende hält? Was ist wichtig, damit eine Partnerschaft stabil bleibt? Eine Beziehung durchzuhalten kann hart sein. Manchmal scheint es leichter, sich zu trennen und mit jemand anderen neu anzufangen. Doch der Preis, den Du hierbei zahlst kann hoch sein. Dieser Artikel gibt Dir Antworten, was wichtig für eine erfüllende und stabile Beziehung ist. (Er ist der Lesbarkeit wegen in der männlichen Form geschrieben, alle Geschlechter sind jedoch im gleichen Maß angesprochen.)

Warum sollte eine Partnerschaft überhaupt über Jahre halten? Man kann doch den Partner wechseln, wenn es nicht mehr richtig läuft, oder? Klar kann man das. Und für junge Menschen ist es wichtig, mehrere Partner intensiv und intim kennenzulernen. Die Erfahrungen hieraus können dann die späteren Partnerschaften nachhaltig festigen. Irgendwann stellt sich jedoch nach mehreren Beziehungen und Erfahrungen mit verschiedenen Partnern oft Unzufriedenheit ein. Immer wieder müssen wir von vorne anfangen und wir bekommen nicht das, was wir uns eigentlich wünschen. Der Wunsch nach etwas Verbindlichem, etwas, dass uns etwas bedeutet, wird größer.

Bindung erfahren

Ein ganz elementares menschliches Grundbedürfnis ist die Erfahrung von Bindung. Da Menschen soziale Wesen sind, wollen sie nicht allein sein. Wir wollen dazugehören. Natürlich kann eine tiefe Bindung auch über eine intensive Freundschaft erlangt werden, doch das ist eher selten. Die meisten Menschen spüren eine gewisse Sehnsucht danach, sich an einen Partner zu binden.

Das Nervensystem steuert aufgrund seiner evolutionären Ausprägung mit den Hormonen unsere Bedürfnisse. Es ist darauf angelegt, uns als Individuum, aber auch als Menschheit zu bewahren. Daher möchten wir uns paaren. Zum einen natürlich, um die Art zu erhalten. Unsere Entwicklungsgeschichte hat uns aber auch gelehrt, dass wir es  mit anderen zusammen leichter haben, unsere Bedürfnisse zu erfüllen. Diese Grundprägung wirkt in allen von uns. Dabei ist es heute jedoch aufgrund unserer Gesellschaftsstruktur und den wirtschaftlichen Bedingungen so leicht ist wie nie, als Einzelwesen zu überleben.

Der Wunsch nach einer festen Beziehung

Die wirtschaftliche und soziale Freiheit, die wir genießen, ermöglicht jedem seinen eigenen Weg zu finden und die Beziehungsform frei zu wählen, die zu ihr oder ihm passt. Das gibt Raum zu experimentieren und sich selbst zu erproben, was natürlich auch herausfordernd und verwirrend sein kann. Aus dem Bedürfnis nach Stabilität und Sicherheit entwickeln die meisten einen Wunsch nach einer festen Beziehung.

Irgendwann geht es uns einfach auf den Keks immer wieder neu anzufangen. Den anderen immer wieder neu kennenzulernen, die Parameter der Beziehung neu abzustimmen und in immer wieder neue Fettnäpfchen zu treten. Es kommt der Zeitpunkt, da wollen wir es ruhiger angehen. Unser Gehirn mag zudem zu viel Aufregung auf Dauer aus ökonomischen Gründen nicht, denn der Energiebedarf ist dann so hoch, dass es den größten Teil des Blutzuckers verbraucht. Und wir treten irgendwann in eine Lebensphase, in der andere Lebensschauplätze viel Energie fordern, dann soll nicht auch noch die Beziehung anstrengend sein.

Wir möchten Vertrauen, Vertrautheit und größere Tiefe erlangen. Wir möchten uns fallen lassen und uns in die Beziehung hineinentspannen. Sie soll uns stärken und unterstützen, statt aufzuregen und Ressourcen zu kosten. Dazu brauchen wir natürlich einen passenden Menschen. Je mehr Du dabei mit Dir selbst in Verbindung bist, zu Dir selbst stehst und idealisierte romantische Vorstellungen fallen lässt, umso leichter hast Du es, einen Partner zu finden.

Tipp #1: Serien und Spielfilme sind kein gutes Vorbild

Ich beobachte in Sitzungen mit meinen Klientinnen und Klienten oft, dass sie romantische Vorstellungen von Liebe und Beziehung haben, die recht realitätsfern ist. Oft sind sie von Romanen, Serien und Filmen beeinflusst zu sein. Doch wir bewegen uns nicht in dieser Plastikwelt. Eine realistische und funktionierende Beziehung gibt es nur in der Realität. Kopien von Filmszenen und das Nachsprechen von Phrasen funktionieren nicht. Daher lass Deine zuckersüßen Träume und rosaroten Vorstellungen ziehen und schau Dich selbst realistisch an. Du höchstpersönlich bist hier gefragt. Was willst Du wirklich? Wozu bist Du tatsächlich in der Lage? Was bist Du bereit zu geben und aufzugeben? Was sind Deine wahren Bedürfnisse? Vergiss dabei Dinge, die auf Status oder Äußerlichkeiten beruhen. Nur eine innige Beziehung kann auf Dauer halten und die lässt sich nicht auf Fiktion gründen.

Tipp #2: Sei Du selbst, von Anfang an

Viele versuchen zum Anfang einer Beziehung oder zu deren Anbahnung einen besonderen Eindruck zu hinterlassen. Sie brezeln sich auf, verhalten sich anders als sonst und versuchen im besten Licht zu erscheinen. Diese vorgespielten Identitäten lassen sich jedoch nicht über Monate oder gar Jahre aufrechterhalten. Irgendwann scheint Deine wahre Natur durch und wird sichtbar. Das kann leicht zu Enttäuschungen und Konflikte führen und eine baldigen Trennung mit sich bringen. Daher sei von Anfang an Du selbst. Versuche nicht jemanden darzustellen, der Du nicht bist, denn hierbei ist die Gefahr groß, dass Dein Gegenüber nicht der- oder diejenige ist, der/die zu Dir passt. Menschen, die sich echt zeigen, mit ihren Makeln und Schwächen finden eher einen passenden Partner. Niemand ist perfekt. Das braucht natürlich Mut und Selbstehrlichkeit, doch so ziehst Du Menschen an, die Dir entsprechen und mit denen Du eine authentische Beziehung führen kannst.

Tipp #3: Respekt, Akzeptanz und Wertschätzung

Es sollte eigentlich selbstverständlich sein, ist es meiner Beobachtung nach jedoch nicht immer: Sei gegenüber Deinem Partner immer respektvoll. Akzeptiere seine Schwächen und schätze ihn so, wie sie/er ist. Dies sollte die Grundlage eurer Beziehung sein. In einer Beziehung gibt es Krisen oder Streit, da kann das schon mal sehr schwer fallen, dies aufrecht zu erhalten. Es sollte jedoch euer Konsens sein, zu dem Ihr nach oder während einer Auseinandersetzung möglichst schnell wieder zurückfinden könnt.

Aufgrund von antrainierten Verhaltensweisen neigen manche Menschen dazu, Macht und Kontrolle auszuüben, um ihre eigenen Bedürfnisse erfüllt zu bekommen. Auch in Beziehungen. Dabei manipulieren Sie den Partner dazu, Dinge zu tun oder nicht zu tun oder sich in einer gewünschten Weise sich zu verhalten. Das ist tödlich für eine Beziehung und respektlos. Wenn Du das tust, bist Du nicht in der Lage, Deinen Partner so anzunehmen, wie er ist. Du merkst es daran, dass Du ihn oft kritisierst, keine herzliche Verbindung zu ihm fühlst, Dich über seine Wünsche hinwegsetzt oder ihn gar abwertest. Diese Verhaltensweisen solltest Du unbedingt bearbeiten und ablegen.

Tipp #4: Habt keine Geheimnisse voreinander

Jeder Mensch braucht seine Privatsphäre und seinen Freiraum. Auch in einer Beziehung. Es ist wichtig, manchmal die Türe hinter sich zuzumachen und für sich selbst zu sein. Hier können wir Kraft schöpfen, unsere Dinge ordnen und uns selbst definieren. Was in dieser Sphäre geschieht dürfte Dein Partner erfahren, muss er aber nicht. Hast Du jedoch Geheimnisse, von denen Dein Partner auf keinen Fall erfahren darf oder Du denkst, dass es Dich beschämt würde, falls er davon erfährt, dann besteht Handlungsbedarf.

Diese Geheimnisse sind Anteile Deiner Persönlichkeit, die Du verbirgst und die Du der Beziehung vorenthältst. Sie beschädigen so die Verbindung, denn Du klammerst absichtlich Anteile von Dir aus. Das schafft Distanz. Die Beziehung kann jedoch nur dauerhaft funktionieren, wenn Du Dich vorbehaltslos anvertrauen kannst. Das ist ja schließlich Sinn einer Beziehung, einen bedingungslosen Rückhalt und Rückzugsort zu haben, der Dich stärkt und in dem Du schwach und fehlerhaft sein darfst.

Hast Du ein Geheimnis vor Deinem Partner, Deiner Partnerin? Dann solltest Du Deinem Mut zusammen nehmen und Dich offenbaren. Das muss nicht sofort sein. Bereite Dich vor. Wenn Du Ängste hast, die damit verbunden sind, sprich zuerst mit Deinem Partner über diese Ängste. Bereite so auch Deine Partnerin oder Deinen Partner darauf vor. Es kann gut sein, dass das, was Du mitzuteilen hast gar nicht so schlimm empfunden wird. Es kann aber auch sein, dass eure Beziehung einer schweren Prüfung unterzogen wird. Es ist auf jeden Fall besser sich zu offenbaren und das Geheimnis aufzudecken. Du wirst die Last los. Etwas, das euch auf Distanz hält fällt weg und eure Beziehung wird inniger.

Du kannst gegebenenfalls auch überlegen, einen Freud, der euch beiden gleich nah steht, um Hilfe zu bitten. Es gibt auch Beziehungscoachs oder Therapeuten, die helfen können. Besprich mit ihr oder ihm Deine Situation. Am wichtigsten ist es, Deine Bedenken und Ängste zuerst zu klären. Dann setzt ihr euch zu dritt zusammen.

Tipp #5: Redet miteinander

Sprachlosigkeit ist das Schwarze Loch einer Beziehung. Es saugt alles in sich auf, entzieht der Beziehung die Lebendigkeit, bis ihr nur noch nebeneinander her lebt und in Routinen erstickt. Beide wissen nicht mehr, was im anderen vorgeht und das Zusammensein basiert nur noch auf Vermutungen. Miteinander zu reden bedeutet, dass Du mitteilst, was Du erlebt hast, wie Du Dich fühlst, was Dir wichtig ist, was Du Dir wünschst, was Deine Bedürfnisse sind, worüber Du nachdenkst und was Dich beschäftigt. Aber auch: den anderen zu fragen, wie es ihm geht, wie er sich fühlt und so weiter. Du wirst staunen, wie gut das auf eure Beziehung wirkt. Benutzt auch häufig das Wort „wir“. Untersuchungen haben gezeigt, dass das die Verbundenheit stärkt.

Regelmäßige Paargespräche können extrem hilfreich sein. Dazu reserviert ihr euch wöchentlich einen festen Termin, um absichtsvoll miteinander zu reden. Dabei gibt es bestimmte Regeln zu beachten. Wie das genau geht kannst Du hier nachlesen.

Tipp #6: Berührt euch und schaut euch in die Augen

Im Laufe einer Beziehung und im Trubel es Alltages kann es leicht geschehen, dass Berührungen seltener werden. Dabei sind Berührungen so wichtig! Bei liebevollem Körperkontakt wird das Hormon Oxytocin ausgeschüttet, das in uns ein Gefühl der Verbundenheit und Fürsorglichkeit erzeugt. Das gleiche geschieht auch, wenn ihr euch länger, liebevoll in die Augen schaut. Also berührt euch oft, kuschelt miteinander, umarmt euch auch bei der Begrüßung und Verabschiedung, streichelt euch und seid nett zueinander. Schaut euch in die Augen!

Tipp #7: Erschafft eine gemeinsame Ausrichtung

Als Paar ist es sehr gut eine gemeinsame Ausrichtung zu haben, die über „wir wollen zusammen sein“ hinausgeht. Natürlich ist eine Paarbeziehung ein Projekt, das einige Arbeit erfordert. Vor allem, wenn ihr euch gar nicht darüber klar seid, was ihr eigentlich wollt. Habt ihr schon einmal bewusst eure Vorstellungen über eure Beziehung abgeglichen? Gemeinsame Ziele stärken eine Beziehung enorm. Wie ihr eine solche Ausrichtung erschaffen könnt, erfahrt ihr in diesem Artikel.

Tipp #8: Immer wieder für die Beziehung entscheiden

Sich füreinander als Lebenspartner zu entscheiden oder gar bis zum Lebensende zusammen sein zu wollen, ist ein großes Vorhaben. Das ist kein Selbstläufer. Im Laufe der Jahren ereignen sich viele Veränderungen: persönliche, gesellschaftliche, berufliche und wirtschaftliche. Änderungen von Interessen und Wichtigkeiten, persönliche Entwicklungen, das Durchlaufen verschiedener Lebensphasen, Kinder, körperliche Veränderungen, einschneidende Ereignisse, Erfahrungen und Begegnungen, Krankheiten und so weiter stellen ziemliche Anforderungen an eure Beziehung.

Die Ereignisse und Veränderungen müssen aktiv in die Beziehung integriert werden. Gerade, wenn sie eher einen Partner betreffen, solltet ihr darüber reden. Wenn einer die Wandlungen des anderen nicht nachvollziehen kann, alleine, weil er keine Kenntnis davon hat, entsteht leicht eine Distanz, möglicherweise unbeabsichtigt. Werden solche Dinge absichtlich nicht geteilt, entstehen Geheimnisse, die, wie beschrieben, üble Wirkungen auf die Beziehung haben. Beide Partner müssen übereinander informiert blieben.

Es ist gut, wenn jede Veränderung und Entwicklung von beiden Partnern getragen wird. Gleichgültig, ob es kleine oder große Veränderungen sind, es steht immer wieder die Frage im Raum, wie sie sich auf die Beziehung auswirken und ob die Beziehung gar unter den neuen Bedingungen weitergeführt werden kann. Du musst Dich immer wieder neu für die Beziehung entscheiden. Dabei werdet Ihr euch immer wieder neu und in einer größeren Tiefe kennenlernen.

Tipp #9: Arbeitet an euch

Je persönlicher, tiefer und intimer eine Beziehung wird, desto tiefere Muster werden in Dir getriggert. Ich meine hierbei Muster, die definieren, wie Du fühlst, denkst, reagierst und handelst. Sie stammen in der Regel aus Deiner Vergangenheit und funktionieren manchmal gut, manchmal sind sie einfach nicht mehr passend. Das merkst Du daran, dass es Dir nicht gut geht. Du Dich verletzt fühlst oder überfordert, unsicher, verwirrt, orientierungslos, wütend, traurig und so weiter. Natürlich treten diese Gefühle immer wieder mal auf. Sie lösen sich in der Regel auf, wenn die Ursache geklärt ist.

Doch wenn Du beobachtest, dass die Gefühle immer wieder auftreten, ihr immer wieder in Bezug auf dieselbe Sache in Konflikt geratet oder mit einem bestimmten Thema nicht weiterkommt, dann kannst Du davon ausgehen, dass ein persönliches Muster beziehungsweise ein Verhaltensprogramm in Dir aktiv ist, das aus Deiner oder eurer Vergangenheit stammt und nicht mehr zu eurem aktuellen Leben passt. Bearbeitet ihr diese Muster, Verhaltens- oder Denkweisen, lösen sie sich auf und ihr erlebt in eurer Beziehung eine Verbundenheit, Lebendigkeit und Tiefe, die ihr bis dahin nicht gekannt habt. Holt euch gegebenenfalls Hilfe dazu.

Tipp #10: Scheitern der Beziehung als Option annehmen

Mit der Beziehung zu scheitern, ist immer eine Möglichkeit. Ich kenne einige Paare, die das nicht wahrhaben wollen und ein Scheitern als persönliches Versagen ansehen. Manche sagen, ich kann mich doch nicht scheiden lassen, ich habe doch ein Versprechen abgegeben, das ich nicht brechen darf. Der Anspruch, sich niemals zu trennen, kann eine Beziehung ersticken und sie in einem Panzer erstarren lassen. Dieser Panzer besteht in der Regel aus Angst und hat zur Folge, dass sich die Partner zu sehr anpassen. Sie trauen sich nicht mehr mitzuteilen, was sie tatsächlich bewegt und was los ist.

Man möchte den anderen ja nicht verärgern oder nicht immer wieder in dieselben Konflikte provozieren (siehe oben). Quellen der Unzufriedenheit entstehen, da grundsätzliche Themen nicht angesprochen und geklärt werden. Es stellt sich eine lauwarme Umgangsform ein, die bestenfalls Raum für ein seichtes Nebeneinander lässt. Routine bestimmt den Alltag, von Lebendigkeit und Begeisterung füreinander keine Spur. Reinigende Gewitter bleiben aus. Für den Fall, dass sich ein Partner nicht mehr um die Beziehung kümmert, habe ich diesen Artikel geschrieben.

Wenn die Trennung eine mögliche Option bleibt, bewahrt dies die Lebendigkeit und Offenheit innerhalb der Beziehung. Es besteht für beide Partner die „Gefahr“, dass sich der andere trennt. Oder es wird jedenfalls nicht völlig ausgeschlossen. Dadurch haben beide ein größeres Interesse daran, sich in die Beziehung einzubringen und sich um die Bedürfnisse des anderen zu kümmern. Die Partnerschafft erhält eine größere Dynamik und Lebendigkeit. Die Chance, dass beide erhalten, was sie sich von der Beziehung wünschen, steigt.

Tipp #11: Holt euch Hilfe

Falls ihr aus eigener Kraft mit irgendwelchen Problemen, Konflikten oder Themen in eurer Beziehung nicht weiterkommt, holt euch Hilfe! Manchmal habe ich den Eindruck, es ist für viele schwerer, Hilfe für persönliche Angelegenheiten in Anspruch zu nehmen, als einen Klempner, Arzt, Anwalt oder Steuerberater aufzusuchen. Dabei ist das gerade in diesem Bereich, von dem Deine Lebensfreude und -qualität so wesentlich abhängt, wichtig und effektiv. Es geschieht nicht selten, dass ich nach einer Sitzung ein Bedauern höre, dieses Thema nicht schon früher geklärt zu haben. Der Aufwand ist auch gar nicht so groß, wie viele denken.

Hast Du auch den Anspruch, Deine inneren Probleme selbst lösen zu wollen? Das ist keine sinnvolle Haltung, denn die Probleme bestehen ja gerade deswegen, weil Du keinen funktionierenden Lösungsansatz hast. Es ist konstruktiv und sehr erleichternd, sich an professionelle Helfer zu wenden, denn sie haben wirkungsvolle Werkzeuge und Wege sowie eine Perspektive, die unabhängig ist. Melde Dich, wenn Du mehr Klarheit, Verbindung und Lebendigkeit in Deiner Beziehung wünschst!

Auch interessant:
Warum wir alle traumatisiert sind – auch Du. Ein Ratgeber zur Selbsteinschätzung.
Woher kommt unsere Menschlichkeit? Oder: Warum Hater hassen.
Warum bist Du so? Wie Du Deine Persönlichkeit bewusst ändern kannst

Praxis für Psychotherapie und Hypnosetherapie | ulrich-heister.de

Alleinsein kennt jeder in der einen oder anderen Ausprägung. Meistens ist es vorübergehend, etwa weil gerade niemand Zeit hat, etwas gemeinsam zu unternehmen. Vielleicht fühlen wir uns im Stich gelassen, weil jemand eine Zusage nicht einhält. Manchmal trifft es uns schwerer, weil wir einen geliebten Menschen verloren haben. Es kann aber auch zu einem Dauerzustand werden: Wenn keine Bezugsperson mehr vorhanden ist, sich scheinbar grundlos ein Gefühl von Einsamkeit einstellt oder es schwerfällt Kontakte herzustellen. Dieser Artikel zeigt Wege aus dem Alleinsein.

Die größte Angst

Wir gehen meistens davon aus, dass die größte Angst des Menschen die vor dem Tod ist. Untersuchungen zeigten jedoch, dass dies nicht stimmt. Die größte Angst des Menschen ist es, nicht dazu zu gehören. Das mag überraschen. Es zeigt jedoch auch,  warum eine Strafe so schmerzhaft ist, in deren Folge jemand zurückgewiesen oder ausgegrenzt wird: „Geh auf Dein Zimmer! Wenn du dich wieder benehmen kannst, darfst du wiederkommen.“ „Schrei nicht so rum, geh auf die stille Treppe!“ „Wenn du mit der noch einmal sprichst, verlasse ich dich!“ Eine Androhung von Trennung wird in einer Beziehung relativ häufig als Manipulationsmittel angewendet.

Bis in das Mittelalter war die Verbannung eine schwere Strafe, die angewendet wurde, wenn jemand gegen die Regeln der Gemeinschaft verstoßen hatte. In jener, aber auch in früheren Zeiten war es sehr schwer, ohne Schutz und Versorgung durch die Gemeinschaft zu überleben. Vielleicht trägt diese Prägung aus der menschlichen Vergangenheit mit dazu bei, warum Alleinsein für uns so schwer ist.

Zugehörigkeit ist ein menschliches Grundbedürfnis

Betrachten wir das Wort „Alleinsein“ genau, stellen wir etwas Interessantes fest: Alleinsein heißt eigentlich, mit allem eins zu sein. Das ist letztlich ein sehr angenehmer Zustand, den praktisch jeder Mensch, egal, ob er es weiß oder nicht, anstrebt. Warum das so ist, habe ich in diesem Artikel beschrieben. Wir tragen alle einen Trennungsschmerz in uns, der entstand, als sich unsere Person entwickelte.

Diesen Schmerz möchten wir überwinden und zur Ganzheit zurückfinden. Im Zustand des Alleinseins im wörtlichen Sinne gibt es keinen Anderen, kein Gegenüber, weil es nur eine Einheit gibt, die erfahren wird. Einheit zu erfahren ist identisch mit dem Empfinden von Liebe. Wobei „erfahren“ und „empfinden“ hier eigentlich keine geeigneten Wörter sind, weil hier niemand mehr ist, der erfahren oder empfinden könnte: Die Selbstidentifikation hat sich in der Einheit aufgelöst.

Es stellt sich die Frage, wie es dazu kam, dass dieser eigentlich positive Begriff heute in der Regel ganz anders verwendet wird. Das Gleiche gilt für das Wort „Einsamkeit“. Es beschreibt im eigentlichen Sinne auch den Zustand des Eins-Seins. Beiden Fällen, Einsamkeit in der Einheit und Einsamkeit aufgrund von Isolation, ist gemein, dass kein Anderer vorhanden ist. Im zweiten Fall wird das Nichtvorhandensein eines anderen als Schmerz erfahren, weil Zugehörigkeit ein menschliches Grundbedürfnis ist.

Einsamkeit überwinden

Um den Zustand der Einsamkeit zu überwinden gibt es grundsätzlich zwei Wege: Den nach Außen und den nach Innen. Ersterer würde bedeuten, die (gefühlte) Isolation zu verlassen und Kontakt zu anderen Menschen aufzunehmen. Es wäre möglich, Veranstaltungen zu besuchen, wie Ausstellungseröffnungen, Konzerte, Seminare oder Kurse, in denen es leicht ist, Verbindung zu anderen Menschen aufzunehmen. Eine Möglichkeit, mit dem anderen eine Verbindung aufzubauen ist leicht gefunden. Kommt das Gespräch in Gang und ist der andere sympathisch, kann man sich zu weiteren Treffen verabreden, und es entsteht vielleicht eine Freundschaft oder Partnerschaft. Das klappt vielleicht nicht sofort und es ist der Besuch mehrerer Veranstaltungen nötig, bis sich erste Erfolge abzeichnen, aber jede Unternehmung ist eine Möglichkeit zu üben. So könnte der Weg, die Einsamkeit im Außen zu überwinden aussehen – für manche Menschen aber nur theoretisch.

Im Inneren liegt der Schlüssel

Wer sich schon einmal einsam gefühlt hat, weiß, dass es sehr schwer sein kann, diese Schritte nach außen zu unternehmen. Es funktioniert, wenn die Ursache für die Einsamkeit lediglich darin besteht, dass man sich nicht um Begegnungen bemüht hat. Doch meistens liegen die Ursachen tiefer. So kann es sein, dass jemand viele Kontakte hat, zum Beispiel bei der Arbeit oder im Verein, sich aber trotzdem einsam fühlt. Um eine Lösung zu finden, ist es sinnvoll zu untersuchen, was Einsamkeit eigentlich ist.

Einsamkeit ist keine Charaktereigenschaft, kein Makel und sie ist nicht unüberwindlich. Sie ist ein Gefühl. Die Ursachen dieses Gefühls können vielfältig sein. Manche fühlen sich einsam, weil sie keinen Austausch mit anderen Menschen haben. Andere haben Austausch mit anderen, fühlen sich aber einsam, weil sie niemanden haben, mit dem sie über das sprechen können, was sie im Innersten bewegt oder weil sie sich nicht verstanden fühlen. Wieder andere haben viele Freunde, aber keinen Lebenspartner, und fühlen sich deswegen einsam. Es kommt auch vor, dass jemand ein ständiges Grundgefühl der Einsamkeit hat, ohne dass ein Grund dafür bekannt wäre.

Die tatsächlichen Ursachen für ein Gefühl der Einsamkeit liegen fast immer im Innern. Es ist möglich allein zu sein, auch über einen längeren Zeitraum, ohne sich einsam zu fühlen. Einsamkeit resultiert meistens eher aus der Bewertung der eigenen Situation. Die Bewertung resultiert aus einem Mangelgefühl oder einem Vergleich mit Anderen. Einer der sinnvollsten Wege, um die Einsamkeit zu überwinden, ist meiner Meinung nach, Frieden mit sich selbst und der eigenen Situation zu finden, ohne diese nötigerweise zu verändern. Das Gefühl des Alleinseins ist tatsächlich von den äußeren Umständen unabhängig. Natürlich sind wir Menschen soziale Wesen und gehören in eine Gemeinschaft, doch das Leiden unter dem Alleinsein ist am leichtesten zu beenden, indem wir mit uns selbst ins Reine kommen und Erfahrungen aus der Vergangenheit hinter uns lassen.

Frieden finden mit sich selbst

Hier sind einige Gründe für das Alleinsein:

  • Jemand fühlt sich minderwertig.
  • Jemand ist der Meinung nicht liebenswert zu sein.
  • Jemand hat ein ungewöhnliches Verhalten.
  • Jemand hat hohe Ansprüche an sich selbst.
  • Jemand hat hohe Ansprüche an die anderen.
  • Jemand meint, den Ansprüchen andere nicht zu genügen.
  • Jemand mag sich selbst nicht.
  • Jemand empfindet die Welt als feindlich.
  • Jemand hält sich für besser.
  • Es scheint niemanden auf „gleicher Wellenlänge“ zu geben.
  • Jemand fühlt sich unverstanden.
  • Jemand trägt Groll mit sich herum.
  • Jemand ist verletzt worden.
  • Jemand ist enttäuscht worden.
  • Jemand hat bestimmte moralische oder religiöse Vorstellungen.
  • Jemand kann Nähe nicht ertragen.
  • Jemand meint, seinen Freiraum haben zu müssen.
  • Jemand fühlt sich nicht frei, zu tun, was er möchte.

Diese Gründe können sowohl ein generelles Gefühl der Einsamkeit als auch einen Mangel an Bezugspersonen erzeugen. Es zeigt sich deutlich, dass die Ursache in dem Betreffenden selbst liegt. Ja, es mag sein, dass er oder sie von einer anderen Person verletzt oder enttäuscht wurde, aber es ist seine Verantwortung,  wie er oder sie darauf reagiert und daran festhält. So befreien Sie sich vom Gefühl der Einsamkeit: Übernehmen Sie die Verantwortung für Ihre eigenen Erlebnisse und Gefühle.

Was Sie tun können, um Ihre Situation zu verändern

  1. Aktiv werden. Die erste Möglichkeit ist bereits oben beschrieben. Werden Sie aktiv, gehen Sie raus und lernen Sie Menschen kennen (sofern zu wenige Menschen in Ihrem Leben das Problem sind).
  1. Hindurchfühlen. Erlauben Sie sich selbst, Ihre Einsamkeit zu spüren. Einsamkeit ist ein Gefühl. Es hat aus sich selbst heraus keine Bedeutung. Außer: Gefühle wollen gefühlt werden. In der Regel lösen sie sich auf, wenn sie bis zum Ende gefühlt wurden. Und das geht so: Legen Sie Ihren Widerstand und Ihre Bewertungen so gut wie möglich zur Seite. Fragen Sie sich, was in Ihnen ist, dass Sie einsam sind. Ist da ein Groll, eine Verletzung oder Vorwürfe? Haben sie bestimmte Überzeugungen, die sie ausbremsen? Fühlen Sie sich selbst nicht wert zu bekommen, was Sie sich wünschen? Haben Sie ein Verhalten, das Sie bei anderen anecken lässt? – Lassen Sie sich ganz in das Gefühl des Alleinseins hineinfallen. Fühlen Sie die Traurigkeit, Verzweiflung, Hilflosigkeit oder was sonst damit verbunden ist. Lassen Sie sie raus. Es kommt dann der Moment, indem sich das Gefühl plötzlich auflöst und sich Frieden einstellt. Meisterns ist das verbunden mit einer Erkenntnis. Es ist für manche nicht einfach dies allein zu tun. Vertrauen Sie sich einem Freund oder einer Freundin an.
  1. Werkzeuge nutzen. Sie können auch eine Methode wie diese anwenden, um das Gefühl der Einsamkeit aufzulösen. Tun Sie dies Schritt für Schritt. Seien Sie geduldig mit sich selbst. Seien Sie ehrlich sich selbst gegenüber. Vergeben Sie, hören Sie auf, sich selbst und andere abzuwerten und zu vergleichen. Überprüfen und bereinigen Sie Ihre eigenen Glaubenssätze in Bezug auf die Einsamkeit, denn diese definieren, wie Sie sich selbst erleben.
  1. Hilfe holen. Sollten Sie sich selbst nicht aus der Einsamkeit befreien können, suchen Sie sich professionelle Hilfe. Das gilt generell immer dann, wenn Sie das Gefühl haben, mit einer Situation alleine nicht mehr klarzukommen. Es ist mit Unterstützung eines Therapeuten meistens relativ leicht, die Ursachen der Einsamkeit zu finden und aufzulösen. Ein unabhängiger Standpunkt kann Ihnen neue Perspektiven geben und Sie dabei unterstützen, sich von den Gründen für das Gefühl der Einsamkeit zu befreien.

Sie werden staunen, wie relativ einfach es ist, den Zustand der Einsamkeit hinter sich zu lassen. Menschen, die sich allein fühlen, haben häufig einen Grund dazu. Entziehen Sie vergangenen Erlebnissen oder den Erinnerungen ihre Macht über Sie. Befreien Sie sich in einen Raum des Selbstvertrauens und der Lebendigkeit hinein.

Praxis für Psychotherapie und Hypnosetherapie | ulrich-heister.de

Mit dieser einfachen Methode heilen Sie Störungen und finden zueinander zurück

Unzufriedenheit, Spannungen und Konflikte in einer Paar-Beziehung entstehen meistens aus einem Grund: Die Kommunikation ist gestört. Die Partner reden nicht genug miteinander und teilen einander nur sehr wenig, wenn überhaupt, über eigene Gefühle, Empfindungen  oder Erlebnisse mit. Gerade in schon länger bestehenden Beziehungen kann sich durch den Alltag eine Routine einstellen, die sich lähmend auswirkt. Irgendwann fragen sich die Partner, wo die Gefühle füreinander geblieben sind oder warum sie überhaupt noch zusammen sind. – Dieser Artikel zeigt einen Weg auf, wie Sie Ihre Beziehung lebendig halten oder retten können.

Manche Paare haben es einfach verlernt, liebevoll miteinander zu reden. Es steht so viel Unausgesprochenes zwischen ihnen, dass sie nicht mehr wissen, wo sie anfangen sollen. Es mag so scheinen, das die Partner einander gar nicht mehr kennen. Bestimmte Dinge werden ganz bewusst geheim gehalten; vielleicht, um einen vermeintlichen Vorteil gegenüber dem anderen zu haben, aus Scham oder aus Bequemlichkeit. Möglicherweise werden Abwertung oder Liebesentzug befürchtet, wenn das Geheimnis an das Licht kommt. Solche Heimlichkeiten sind extrem schädlich für eine vertrauensvolle Beziehung. Sie bilden eine Mauer zwischen beiden Partnern und trennen den jeweils anderen ab. Eine verbundene und ehrliche Partnerschaft erfordert, dass Vorbehalte und Störungen offengelegt und ausgesprochen werden.

Möglicherweise fehlt auch einfach nur eine gemeinsam Gesprächskultur, in der beide das Gefühl haben, gehört und angenommen zu werden, statt sich gegenseitig ins Wort zu fallen oder nicht richtig zuzuhören.

Welcher Art die partnerschaftliche Störung auch ist: Hier ist ein Weg, um die Situation zu lösen.

  • Es ist das gemeinsame Ziel, die Verbindung zu stärken und die Beziehung fortzuführen.
  • Deshalb halten sich beide an die Regeln.
  • Beide entscheiden sich dazu, konstruktiv und respektvoll miteinander umzugehen, weil sie die Beziehung heilen wollen.
  • Setzen Sie sich regelmäßig einmal in der Woche zu einem fest vereinbarten Termin, der beiden angenehm ist, zusammen. Dies könnte beispielsweise der Sonntagabend sein.
  • Sorgen Sie dafür, dass Sie ungestört sind, und schaffen Sie eine behagliche Atmosphäre. Telefonanrufe und anderen Ablenkungen werden ignoriert.
  • Stellen Sie eine Uhr auf, die beide sehen können. Beide Partner haben abwechselnd eine Redezeit von 15 Minuten. Wenn Sie sich nicht einigen können, wer anfängt, werfen Sie beim ersten Mal eine Münze. Beim nächsten Mal beginnt der andere.
  • Während der eine Partner spricht, hört der andere offen und aufmerksam zu und erwidert nichts. Er schweigt. Er kommentiert auch nicht mit Mimik oder Gesten. In seiner Redezeit hat er Gelegenheit, auf das Gesagte einzugehen.
  • Seien Sie offen und ehrlich. Sprechen Sie aus, was Sie bedrückt. Sprechen Sie in der Ich-Form. Unterlassen Sie Vorwürfe, Beschuldigungen und Kritik. Sprechen Sie über sich selbst, wie Sie die Situation empfinden und was Sie sich wünschen. Sagen Sie aber auch was Ihnen gefällt und was Sie gut finden. Teilen Sie sich mit.
  • Bleiben Sie zugewandt und nachsichtig füreinander. Gerade am Anfang können sich viele Dinge entladen, und es kann auch einmal emotionaler werden. Jeder ist selbst dafür verantwortlich, nicht in Vorwürfe und Anschuldigungen zu verfallen. Aber es ist auch keine Katastrophe, wenn sich jemand einmal im Ton vergreift. Alles, was offenliegt, kann losgelassen werden und heilen!
  • Nach jeweils genau einer Viertelstunde wird gewechselt. Halten Sie die Zeiten wirklich ein. Jeder bekommt drei Mal eine Redezeit, so dass das gesamte Gespräch eineinhalb Stunden dauert.
  • Die 15 Minuten werden nicht gekürzt, auch nicht, wenn jemand nichts mehr zu sagen hat. Es kann geschwiegen und der Kontakt sollte aufrechterhalten werden.
  • Wenn das Gespräch beendet ist, wird auch das zuletzt Gesagte nicht mehr kommentiert oder besprochen. Sie haben ja in der kommenden Woche wieder einen Termin, und dann hat der andere Partner das letzte Wort!
  • Durch diesen Austausch öffnet sich ein Raum, in dem sich etwas verändern kann und meiner Erfahrung nach auch wird.
  • Behalten Sie die regelmäßigen Gespräche bei, auch wenn Sie aktuell kein Problem haben!

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg und eine tolle Beziehung!

Auch interessant:
„Mein Partner bemüht sich nicht um unsere Beziehung! Was kann ich tun?“
Als Paar einen Plan und eine Vision für das gemeinsame Leben entwickeln

Praxis für Psychotherapie und Hypnosetherapie | ulrich-heister.de

„Wir haben lange nicht mehr zusammengesessen und einander ausdrücklich gesagt, was wir uns wünschen und wie jeder von uns sich die gemeinsame Zukunft vorstellt!“ Als meiner Frau und mir das vor kurzem klar wurde, nahmen wir uns zusammen einen ganzen Sonntagnachmittag frei, um in Ruhe miteinander zu reden und uns als Paar ganz bewusst auszurichten. Meine Frau schrieb dazu ein kleines Posting auf Facebook, das ziemlich viel Resonanz auslöste. Hier finden Sie die (öffentlich lesbare) Statusmeldung. Viele Freunde wollten daraufhin die Methode kennenlernen, nach der wir vorgehen. Hier ist also der Plan zum Plan für Paare.

Was nützt ein gemeinsamer Plan für die Partnerschaft?

Für jeden Menschen ist es meiner Ansicht nach sinnvoll, sich Ziele zu setzen, um dem eigenen Leben eine Richtung zu geben und für sich selbst Klarheit zu finden. Das gilt aber erst recht für Paare.

Wissen Sie, was Ihr Partner von Ihrer Partnerschaft tatsächlich erwartet? Kennen Sie alle seine Pläne? Was bevorzugt er? Haben Sie über alle Ihre Ziele, Wünsche, Pläne und Vorlieben mit Ihrem Partner gesprochen? Natürlich kennen Sie Ihren Partner zu einem gewissen Grad, ein absichtsvolles Gespräch kann sich jedoch sehr transformierend auf Ihre Beziehung auswirken.

Wenn Sie sich zusammensetzen und über Ihre gemeinsame Ausrichtung sprechen, werden Sie staunen, was Sie übereinander noch nicht wussten und was Ihnen noch nicht klar war. Sie werden auch manch eine eigene Annahme über den anderen entdecken, die einfach nicht zutrifft. Nachher werden Sie sagen: „Gut, dass wir darüber gesprochen haben!“

Ein gemeinsamer Plan hat natürlich noch mehr Nutzen. Sie gewinnen eine gemeinsame Ausrichtung. Sie wissen, wohin Sie gemeinsam möchten, und können Ihre Ressourcen wesentlich wirkungsvoller darauf ausrichten. Sie bemerken Gelegenheiten und Chancen viel leichter, und falls Sie von Ihrer Route abweichen, können Sie das schnell erkennen.

Eine gemeinsame Ausrichtung hat auch eine „magische“ Komponente. Sie werden beobachten, dass sich die Verbindung zu Ihrem Partner intensiviert. Die Nähe nimmt zu. Zudem wird sich Ihr Leben wie von selbst diesen Zielen annähern. Allein die Formulierung der gewünschten Lebensziele wird Sie in diese Richtung bringen.

„Weg von“ oder „Hin zu“? – Die zwei Arten von Zielen

Wenn Sie jemanden fragen, was er oder sie sich wünscht, bekommen Sie in der Regel Antworten, die eher beschreiben, was nicht gewünscht oder sogar befürchtet wird: „Ich möchte nicht krank werden.“ „Ich möchte meine Arbeit nicht verlieren.“ „Ich möchte nicht alleine leben.“ „Ich möchte nicht, dass du mich betrügst.“ Und so weiter. Dies sind sogenannte „Weg-von-Ziele“. Nur weil jemand etwas nicht möchte, sind ihm seine tatsächlichen Ziele nicht unbedingt klar. Dieser Mensch ist irgendwo unterwegs und dümpelt durch das Leben, ohne dass er weiß, was er wirklich will. Er weiß nur, was er auf jeden Fall vermeiden will. Ihm fehlt die positive Ausrichtung.

Anders ist das bei den „Hin-zu-Zielen“. Sie geben eine klare (Aus-) Richtung. Der Vorteil von „Hin-zu-Zielen“ ist, dass leichter zu erkennen ist, wenn ein Umweg oder gar ein Abweg droht. Sie haben einen Fixpunkt, an dem Sie sich orientieren können. Solche Ziele könnten sein: „Ich laufe zwei Mal in der Woche 5 Kilometer, um meine Gesundheit zu stärken.“ „Ich qualifiziere mich weiter, um beruflich auf dem neuesten Stand zu sein.“ „Ich erhalte die Beziehung zu meinem Partner lebendig.“ „Ich sorge für meine eigene Klarheit, um Beziehungskrisen meistern zu können.“ Natürlich können Sie das Ziel ändern, sobald Sie erkennen, dass das ursprüngliche nicht mehr stimmt. Dann richten Sie sich auf das neue aus. Auch als Paar sollten Sie sich gemeinsam an Hin-zu-Zielen ausrichten!

Ziele

So können Sie vorgehen

Am besten, Sie planen mindestens zwei bis drei Stunden Zeit ein und sorgen dafür, dass Sie währenddessen ungestört sind. Schaffen Sie sich ein gemeinsames Umfeld, in dem Sie sich beide wohlfühlen. Auch ein gemeinsamer (Kurz-) Urlaub kann sich dafür gut eignen, weil man mal zusammen aus allem heraus ist.

Es gibt zwei Wege, wie Sie Ihre gemeinsame Vision Ihres Lebens finden können:

Möglichkeit 1: Jeder von Ihnen schreibt zuerst zu jedem Lebensbereich selbst die eigenen Vorstellungen auf. Anschließend gleichen Sie diese miteinander ab, um eine Version zu finden, der beide voll zustimmen können. Dieser Weg eignet sich besonders für Paare, die so etwas noch nie gemacht haben.

Möglichkeit 2: Sie entwickeln direkt im Gespräch eine gemeinsame Vision. Einer von Ihnen ist der „Aufschreiber“, der sie notiert. Wenn Sie bereits über Erfahrung in Paargesprächen verfügen, könnte dieser Weg gut klappen.

Ziele, die begeistern, und ein gemeinsamer Satz

Achten Sie bei der Formulierung Ihrer Ausrichtung darauf, dass sie realitätsnah und erreichbar ist. Sollte sich ein Punkt schwer und bedrückend anfühlen, ist dies kein geeignetes Ziel. Sie sollten beide von Ihren Zielen begeistert sein und sie gerne erreichen wollen. Seinen Sie so präzise wie nötig und so offen wie möglich. Stichpunkte genügen, eine Ausformulierung ist nicht erforderlich.

Formulieren Sie zum Abschluss einen gemeinsamen Satz, der den Charakter Ihrer gesamten gemeinsamen Ausrichtung zusammenfasst. Er hilft Ihnen, mit Ihren Zielen in Kontakt zu bleiben. Man könnte diesen Satz auch „Mission Statement“ nennen.

Folgende Lebensbereiche können Sie in Ihre Betrachtung einbeziehen und ergänzen:

  • Partnerschaft und Beziehung
  • Beruf und Geld
  • Fortbildung und Persönlichkeitsentwicklung
  • Wohnen und Lebensumfeld
  • Familie und Freunde
  • Gesundheit und Sport
  • Urlaub und Freizeit
  • Mission-Statement
    (ein Satz oder wenige Sätze)

Wir gehen selbst so vor, dass wir uns für jeden Bereich jeweils ein neues Blatt nehmen und dann stichwortartig eine Liste von gemeinsamen Vorstellungen aufschreiben. Manchmal denken wir erst eine Weile oder helfen einander dabei, über einen Punkt Klarheit zu gewinnen, ehe wir das Teilziel notieren.

… und was ist mit der Umsetzung?

Es ist meine Erfahrung, dass es oft schon reicht, sich klar auf ein Ziel auszurichten, damit man wie von selbst darauf zugeht. Das funktioniert aber natürlich nur, wenn dem nicht zu viele Hindernisse im Weg stehen, etwa in Form behindernder Glaubenssätze. Je mehr Klarheit der einzelne hat und je offener und wertschätzender das Paar miteinander umgeht, desto leichter wird die Umsetzung.

Sicherlich werden Sie einige Punkte finden, bei denen Sie direkt aktiv werden müssen, um das betreffende Ziel zu erreichen. Das sollten Sie dann natürlich auch umsetzen. Besprechen Sie gemeinsam, wie Sie vorgehen wollen und machen Sie gegebenenfalls einen Aktionsplan.

Heben Sie, wenn Sie fertig sind, Ihren gemeinsamen Plan und Ihre Vision an einem angemessenen Ort auf, beide sollten darauf zugreifen können. Später können Sie natürlich einzelne Ziele ändern, ergänzen oder streichen – aber auch dies natürlich nur gemeinsam, und beide müssen mit den Änderungen einverstanden sein. Nehmen Sie nach einigen Monaten Ihre Liste hervor und schauen Sie, was bereits Realität geworden ist. Sie werden vielleicht an der einen oder anderen Stelle erstaunt sein!

Womit Sie rechnen müssen

Dies ist ein intensiver Prozess. Hier können Dinge zu Tage kommen, mit denen Sie nicht gerechnet hätten. Es kann zum Beispiel sein, dass Ihre Vorstellungen stärker voneinander abweichen, als Sie dachten. Sie erkennen, dass Ihr Partner Ansichten hat, die Sie überraschen. Es könnten Dinge zur Sprache kommen, die Ihnen peinlich sind. Oder es ist Ihnen nicht möglich, einen Konsens zu finden, und Sie beginnen miteinander zu streiten.

Seien Sie beide von Beginn an möglichst offen und respektvoll miteinander. Einigen Sie sich vorher darauf, dass Sie mit Dissonanzen konstruktiv umgehen und einander Raum geben. Vermeiden Sie Rechtfertigungen, Angriffe, Vergleiche, Vorwürfe, Aufrechnungen und Rechthaben-Wollen. Denken Sie immer daran, dass es ein gemeinsames Projekt ist. Unterstützen Sie sich gegenseitig. Schätzen Sie den anderen für das, was er Ihnen mitteilt. Seien Sie unterstützend und liebevoll; vor allem natürlich, wenn jemand über etwas für ihn Unangenehmes spricht. Solch eine gemeinsame Ausrichtung ist eine bedeutende Sache. Da kann die Stimmung schon mal sehr ernst werden. Lassen Sie sich nicht zu sehr in diese Ernsthaftigkeit hineinziehen. Haben Sie Spaß mit- und Freude aneinander.

Auch interessant:
„Mein Partner bemüht sich nicht um unsere Beziehung! Was kann ich tun?“
Eine lebendige und vertrauensvolle Paar-Beziehung führen