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Warum Mitgefühl gut für Dich ist – eine Übung

Fühlst Du Dich manchmal getrennt von Dir selbst, von anderen Menschen oder von der Welt? Du empfindest Bezugslosigkeit, wie auf einer einsamen Insel lebend? Das Mitgefühl bleibt auf der Strecke? Wir Menschen haben ein Grundbedürfnis nach Verbindung. Manchmal geht sie uns verloren, wir ziehen uns in uns selbst zurück und wissen nicht, wie wir da wieder raus kommen. In diesem Newsletter erfährst Du, was Du in solchen Situationen tun kannst.

Verbindung ist eine Urerfahrung

Wir alle haben im Mutterleib Verbindung erfahren. Wir sind aus Verbindung entstanden und in den folgenden neun Monaten wuchsen wir in dieser Sphäre heran. Liebevolle und akzeptierende Eltern haben die Verbindung nach der Geburt aufrechterhalten. Das ist jedoch nicht immer so. Das Vertrauen in die Verbindung kann schon vor der Geburt massiv geschädigt werden. Beispielsweise, wenn die Mutter sich innerlich gegen das Kind wehrt, giftige Substanzen zu sich nimmt (Alkohol, Medikamente, Drogen) oder gar einen Abtreibungsversuch unternimmt. Es kann auch schädlich sein, wenn sie selbst zu viel Stress hat oder unter einem nicht aufgearbeiteten Trauma leidet. Die ständige Flutung den Ungeborenen mit Stresshormonen stört die Entwicklung seines eigenen Stressbewältigungssystems. Dadurch kann später die Fähigkeit zu vertrauen oder zur Empathie eingeschränkt sein.

Entmenschlichte Gesellschaft

Auch spätere Erfahrungen im Leben können dazu führen, dass es generell unattraktiv erscheint, mit anderen in Verbindung zu sein. Obwohl die Erfahrung von Verbindung für uns alle so extrem wichtig ist, bekommt sie gesellschaftlich nicht die Bedeutung, die sie verdient. Es ist wichtiger, besonders zu sein und dafür alles zu tun, was nötig ist. Wie Leistung zu zeigen und andere zu beeindrucken. Wir leben in einer Gesellschaft des ständigen Wettbewerbes, in der es darum geht vorne zu sein und andere zu übertrumpfen. Nicht nur im Beruf. Das setzt sich im Privatleben fort, mit den Freunden, in der Familie und in der Beziehung. Das macht einen enormen Druck. Und das alles nur, weil wir geliebt werden wollen, das heißt, Verbindung erleben wollen.

Verbindung wieder herstellen

Was kannst Du denn nun tun, um aus eigener Kraft, von innen heraus wieder Verbindung zu Dir selbst, zu anderen Menschen oder der Welt wieder herzustellen? Die Antwortet lautet: Dein Mitgefühl zu trainieren. Mitgefühl zu haben bedeutet in erster Linie wieder zu fühlen. Das ist ein guter Anfang. Verbindung lässt sich nur über das Fühlen aufbauen. Es ist keine intellektuelle Leistung.

Du hast in Dir ein Hormon, das Dich Verbindung fühlen lässt: Oxytocin. Es wird im Gehirn vom Hypothalamus ausgeschüttet, wenn Du zum Beispiel Blickkontakt hast, wohlmeinende körperliche Berührungen erfährst, Hilfe annimmst oder Hilfe gibst. Schon ist klar, was Du tun kannst: Habe zu den Menschen, mit denen Du zu tun hast, bewussten Blickkontakt. Wenn Du eine Partnerin oder einen Partner hast, tauscht miteinander zärtliche und aufmerksame Berührungen aus. Hierüber kommst Du wieder ins Fühlen. Das Denken tritt in den Hintergrund. Denken verhindert das empfinden von Verbindung generell. Wenn Du bei irgendetwas Hilfe brauchst bitte um Hilfe und wenn Du helfen kannst, dann tue es. Es wird Dein Wohlgefühl steigern. In beiden Fällen.

Mitgefühl trainieren

Mit der folgenden Übung kannst Du leicht Dein Mitgefühl steigern. Das bringt Dich auch Dir selbst näher und Du kannst wieder Frieden mit der Welt herstellen. Die Übung ist sehr einfach und Du kannst sie überall durchführen, wo Menschen sind. Du kannst die Übung aus einiger Distanz machen. Es ist nicht nötig, dass derjenige etwas davon mitbekommt. Wähle einen Menschen aus und richte Deine Aufmerksamkeit auf ihn. Dann tue folgendes:

Mache dir klar, dass dieser Mensch, so wie Du, Zufriedenheit erreichen möchte.

Mache dir klar, dass dieser Mensch, so wie Du, seine eigenen Bedürfnisse erfüllen möchte.

Mache dir klar, dass dieser Mensch, so wie Du, durch Erfahrungen lernt.

Viel Freude dabei!

Mit herzlichem Gruß
Ulrich Heister