Kenntnis über die Natur des Ichs bringt Klarheit

Was ist das ich? Wie entsteht es? Wann macht es uns Probleme und was ist der Grund dafür? Was ist die Lösung für das Ich-Dilemma?

Synonyme  für das Ich sind: Ego, Person, Selbst oder Individuum. Es ist unser Container für Bewusstseinsinhalte. Bewusstseinsinhalte sind gewählte, übernommene oder antrainierte neuronale Muster, wie Überzeugungen, Bewertungen, Ansichten, Haltungen, Prägungen und so weiter.

Die grundlegende Überzeugung fast aller Menschen ist: Ich bin. Sie führt zur Trennung zwischen dem Ich und den Anderen. Die Folge davon sind Leiden und Schmerzen, die oft unbewusst bleiben. Letztendlich strebt jedoch jeder zurück zur Ganzheit, zum inneren Frieden. Fast allen menschlichen Bemühungen liegt diese Motivation zu Grunde. Das Ich hat eigentlich nur die Funktion, durch Automatisierung Abläufe zu vereinfachen und die Selbsterhaltung durch Erfahrung und Kontrolle sicher zu stellen. Ideologien, Religionen, Philosophien und Wissenschaften sind Ansätze, mit denen die Menschen versuchen, die Welt zu begreifen und unter Kontrolle zu bringen.

Starre Identifikation mit dem Ich schafft Probleme. Sie führt zu automatischen Verhaltensweisen. Es kann auch geschehen, dass die Identifikation mit gedanklichen Abstraktionen wichtiger wird, als die tatsächliche Realität. Dieses Phänomen wird meistens als Glaube oder Phantasiewelt bezeichnet. Da  das Ich ein fragiles mentales Gebilde ist, fühlt es sich bedroht und versucht seine Existenz immer wieder zu bestätigen und zu rechtfertigen. Es will dazu gehören, besonders sein und Recht haben.

Die Lösung des Ich-Dilemmas besteht darin, das Ich als das zu erkennen, was es tatsächlich ist. Das Gegenwärtige ist jederzeit vollständig und trägt alle Antworten bereits in sich.

Ulrich Heister