„Update fürs Bewusstsein“

    Mein Vortrag auf dem barcamp.ruhr X kurz zusammengefasst

    Was ist eigentlich das Ich? Was hat das Bewusstsein mit Software zu tun? Wie kann ich meine Realität selbst gestalten, indem ich meine Bewusstseinsinhalte selbst wähle? – Darum ging es in meiner Session auf dem barcamp.ruhr X bot ich die Session „Update fürs Bewusstsein“ an. Die rege Teilnahme und die interessanten Nachfragen nehme ich zum Anlass, die wichtigsten Aussagen kurz zusammenzufassen – zum Nachlesen für die Teilnehmerinnen und  Teilnehmer sowie für alle anderen, die nicht dabei sein konnten.

    Dein Smartphone bekommt regelmäßig Updates – und dein Bewusstsein?

    Kürzlich fiel mir eine Analogie auf: Wir sind es gewohnt, dass die Apps und Programme unserer Devices regelmäßig Updates bekommen, um ihre Sicherheit und Funktionalität zu verbessern.

    Das Gleiche gilt für Menschen: Auch ihr Bewusstsein könnte hin und wieder ein Update gebrauchen, das mag etwas technisch klingen, ist aber durchaus zutreffend.

    https://twitter.com/Johannes/status/845645509293477889

    Vom Paradies zur Trennung: Was ist eigentlich das Ich?

    Um das zu erläutern muss etwas weiter ausholen. Was ist eigentlich dieses Ich? Haben wir es schon immer? Nein. Ein Baby lebt in einem paradiesischen Zustand. Alles ist gut. Körperliche Bedürfnisse werden normalerweise gestillt, sobald es schreit. Es erlebt Einheit. Es hat noch kein Ich, das sich mit dem Erlebten identifizieren könnte. Da ist einfach, was ist, ohne Bewertung oder Identifikation.

    Erst, wenn das Nervensystem komplex genug verschaltet ist geschieht die Selbsterkenntnis, der Gedanke „ich bin“. Dies ereignet sich unwillkürlich und es kann nicht willentlich rückgängig gemacht werden. Anfangs wechselt sich das Empfinden von Einheit mit der Identifikation ab. Aber bald verfestigt sich das Ich-Erleben uns wir bezeichnen alles, was innerhalb Haut ist, als Ich oder meins.
    „Ich habe dies getan.“ „Ich gehe.“ „Ich habe Hände.“ „Ich schäme mich.“

    Die Identifikation mit dem Ich erschafft Trennung. Das Du entsteht. Wir erleben Trennungsschmerz, ein subtiles Gefühl, etwas verloren zu haben. Wir sind aus der Einheit gefallen. Nun gibt es ein Streben nach Sinn und nach einer Lebensaufgabe. „Schau, dass du was aus deinem Leben machst!“ „Sorge dafür, dass du glücklich wirst.“

    Das Ich ist eine Funktion

    Tatsächlich ist das Ich eine Funktion und kein Wesen. Seine Aufgabe ist unser Selbsterhalt, das Stillen von Bedürfnissen und Automatisierung von Abläufen, damit wir nicht immer alles neu lernen müssen. Das Ich besteht aus Überzeugungen, Haltungen, Meinungen, Bewertungen, Erfahrungen, Prägungen und so weiter. Diese habe wir freiwillig oder unter Zwang erworben: „Was ich anpacke gelingt.“ „Ich bin gut in…“ „Bei mir geht alles schief.“ „Ich war meiner Mutter egal.“ „Was ich will interessiert niemanden.“ Eltern, Verwandte, Lehrer, Nachbarn, Freunde werden Vorbilder, ihre Verhaltens- und Denkweisen werden abgeguckt.

    So entstehen hilfreiche und behindernde Bewusstseinsmuster. Sie bestimmen, was wir wahrnehmen, wie wir wahrnehmen, wie wir uns selbst und die Welt wahrnehmen. Sie legen fest, wie wir uns verhalten oder reagieren. Sie bestimmen alles in unserem Leben. Sie entscheiden über Erfolg und Niederlage, Freude und Niedergeschlagenheit, Aktivität und Passivität und über wache oder gedämpfte Wahrnehmung. Was wir erleben, wie wir es bewerten, wie wir mit Erlebnissen umgehen.

    BIOS + Betriebssystem + Apps = Mensch

    In der Analogie zum Computer könnten wir es wie folgt sehen: Unser BIOS entspricht unseren Grundfunktionen, die wir zum Überleben brauchen, wie Nahrungsaufnahme, Atmung, Blutkreislauf, Stoffwechsel, Ausscheidung und dergleichen. Das müssen wir nicht lernen, sie sind uns genetisch mitgegeben. Unser Betriebssystem ist das Ich. Es lernt Informationen aufzunehmen, zu verarbeiten und einzuordnen. Es verwaltet auch unsere Apps beziehungsweise unsere Anwendungsprogramme.

    Dies sind die verschiedenen Identitäten, die wir ausbilden und die für bestimmte Lebensbereiche zuständig sind. Wie wir als Sohn oder Tochter sind, als Vater oder Mutter, als Arbeitnehmer oder Unternehmer, als Autofahrer oder Fußgänger, als Lebenspartner oder Liebhaber, als Vereinsmitglied oder Freund. Wir haben unzählige sehr fein ausgebildete Identitäten, die genannten sind sehr allgemein.

    Deine Muster sind selbst gewählt – und du kannst sie ändern

    Alle diese Bewusstseinsmuster sind selbst gewählt, wenn auch nicht immer freiwillig, aber dies ist der Grund, warum wir sie alle selbst ändern können. Manche kennen wir, manche sind nicht bewusst und müssen erst entdeckt werden. Kein Problem: Wir brauchen uns nur selbst im Leben zu beobachten und wir erkennen, wann unbewusste Muster aktiviert werden. Dies ist meistens der Fall, wenn wir und in irgendeiner Weise unwohl fühlen.

    Heute gibt es viele sehr wirkungsvolle Methoden, die Muster aufzulösen, unter denen wir leiden. Sie sind allerdings nur wirkungsvoll, wenn die mentale, emotionale und neuronale Ebene gleichzeitig angesprochen werden. Das ist auch der Grund dafür, warum Vorsätze nicht funktionieren. Sie werden meist nur von der mentalen Ebene her getroffen. Muster, die diesen Vorsätzen nicht entsprechen, werden dabei nicht berücksichtigt und sabotieren, ohne, dass wir es wollen, unsere Vorhaben. Werden diese störenden Muster dauerhaft gelöscht, können wir die eigenen Ziele leicht erreichen. Probleme können so gelöst und Krisen bewältigt werden.


    Beispiel: Wie ein Muster entsteht und aufgelöst werden kann

    Ein Beispiel: Marc hatte einen Onkel, der ihm sehr autoritär erschien. Er fand bald heraus, dass es besser war, sich still zu verhalten und sich zurückzunehmen, wenn er mit diesem Onkel zu tun hatte. Dieses Verhaltensmuster prägte sich ein: „Habe ich mit autoritären Menschen zu tun bin ich still und halte mich zurück.“ Mit dem Onkel hat es so gut funktioniert doch als Erwachsener hat er dieses Muster immer noch. Das Problem ist nun, dass er autoritär wirkenden Menschen, wie seinem Chef, nicht auf Augenhöhe begegnen kann und seinen Standpunkt ihnen gegenüber nicht vertreten kann. Er kann seine Ideen und seinen Wert für das Unternehmen nicht angemessen kommunizieren. Wenn in einer Sitzung die Auslöser (autoritär wirkender Mensch und mögliche andere) entkoppelt werden, wird diese Verhaltensmuster nicht mehr aktiviert. An ihrer Stelle kann eine neue Verhaltensweise etabliert werden, die dazu führt, dass er sich in solchen Situationen gut und sicher fühlt.

    In einer Hypnosetherapiesitzung geschieht dies in einer tiefen körperlichen Entspannung, während der Geist sehr wach und präsent ist. Dieser Zustand aktiviert die Neuroplastizität, die es ermöglicht, neurologische Vernetzungen zu lösen und neu anzuordnen. So lassen sich in der Regel Probleme, Schwierigkeiten und Krisen, in allen Lebensbereichen schnell und wirkungsvoll beheben.


    Haben Sie noch Fragen? Dann nutzen Sie bitte die Kommentare. Ich gehe gerne darauf ein.

    (Das Beitragsbild ist von Dr. Barbara Volkwein, vielen Dank dafür.)

    Ulrich Heister

    Ulrich Heister

    Ich arbeite mit Menschen, die etwas verändern wollen: in ihrem eigenen Leben, in ihren Beziehungen oder am Arbeitsplatz. Sie wollen gesünder, glücklicher und erfüllter leben. Mich begeistert die Aufgabe, für meine Klientinnen und Klienten einen Raum zu öffnen: einen liebevollen, wertschätzenden Freiraum, in dem sie sich entwickeln, sich selbst erfahren und ihr Leben mit Leichtigkeit und Freude in die Hand nehmen.

    Seit 1995 bin ich in eigener Praxis tätig, und meine Schwerpunkte sind die Psychotherapie, die Psychosomatik und die Hypnosetherapie. In diesen mehr als 20 Jahren habe ich zahlreiche Zusatzausbildungen und Fortbildungen absolviert. In meiner Sprechstunde begleite ich Klienten in Einzelsitzungen, biete aber auch Kurse an. Darüber hinaus lehre ich an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und unterstütze Führungskräfte und Teams in Unternehmen mit Coaching sowie zielgerichteten Workshops.

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    Ihr Ulrich Heister
    Ulrich Heister