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Bewusstseinsimpuls 27 – Die tatsächliche Natur des Ich

Ich behaupte: Wenn alle Menschen über die tatsächliche Natur unseres Ichs Bescheid wüssten, wären die meisten persönlichen und globalen Probleme gelöst.

Wir nehmen ständig Bezug auf uns selbst als „Ich“: „Ich habe das gemacht“ „Ich fühle mich nicht so gut.“ „ Das ist meine Schuld.“ „Das ist mein Bein.“ „Ich lebe.“ „Ich freue mich.“ „Du hast mich verletzt.“ Und so weiter. Dieses „Ich“ ist so selbstverständlich für uns, dass wir es nicht hinterfragen. Es stellt für uns eine felsenfeste Konstante dar. Wir erleben (fast) unser gesamtes Leben aus der Sicht des Ichs: Hier bin ich und dort sind die Umwelt sowie die anderen. Dabei wird in der Regel mit dem Ich das gemeint, was sich innerhalb unserer Haut befindet und dort empfunden wird.

Das Ich wird als solide Wesenheit betrachtet, die mit dem, was um es herum geschieht und mit anderen Menschen in Wechselwirkung steht. Aber wo ist dieses Ich? Ist es unser Körper? Hat es eine spezielle organische Repräsentation in unserem Nervensystem? Ist es unsere Seele? Ist es ein spirituelles Wesen?

Nein, all dies ist es nicht. Es ist gar kein Wesen, sondern eine Funktion unseres Nervensystems, die unser Überleben auf vielfältige Weise sicherstellen soll. Synchronisierte Gehirnbereiche mit verschiedenen Aufgaben lassen das Ich entstehen. Wird diese Kohärenz durch widersprüchliche Sinneseindrücke, psychogene Substanzen oder Müdigkeit gestört, desintegriert das Ich. Wir sind verwirrt, halluzinieren, schlafen ein oder werden bewusstlos.

Das Ich ermöglicht uns auf der einen Seite ein Selbstbild, ein Weltmodell, eine Vorstellung von Vergangenheit und Zukunft, Beziehungen, Empathie, soziale Strukturen, Kultur und die Planung und Kontrolle unseres Verhaltens. Auf der anderen Seite programmiert es uns. Es begrenzt uns in unserem Verhalten, trennt uns und legt unsere Bewertungen fest. Sein Schutzmechanismus wird oft nicht nur als Zweck, sondern als einzig richtige Verhaltens- und Denkweise interpretiert. Hier liegt die Ursache aller persönlichen, menschlichen und damit auch aller globalen Probleme.

Die grundlegende Aufgabe des Ichs ist die Abgrenzung, um für die eigene Bedürfniserfüllung sorgen zu können und so die eigene Existenz zu sichern. Kommt es bei der Stillung der eigenen Bedürfnisse zur Kollision mit denen der anderen, entfalten sich Konflikte. Das geschieht im Kleinen, in der Paarbeziehung, in der Familie, aber auch im größeren Rahmen, zwischen Kultur- und Glaubensgruppen, bis hin zu den Nationen. Alle Identifikationsmuster tragen das Potenzial in sich, Konflikt mit dem Andersartigen entstehen zu lassen.

Folgendes sollte jedem klar sein: Das Ich ist eine Illusion, ein Gedanke, eine Funktion, eine Vorspiegelung des Nervensystems, und es ist kein Wesen! Wenn Sie durch den Schleier der Selbstbegrenzung hindurchschauen, öffnen Sie sich für die Möglichkeit einer größeren und freieren Realität! Es geht nicht darum, das Ich zu verteufeln, sondern es zu verstehen und seine wahre Natur zu erkennen.

Was ist dann wirklicher als das Ich? Die Einheit. Das Ich kann mit dem Begriff „Einheit“ nur wenig anfangen, denn seine Natur ist die Abgrenzung, bestenfalls hat es eine vage Vorstellung davon. Doch es lässt sich – im positiven Sinne – überlisten. So können wir einen Eindruck dieser grundlegenden Ganzheit gewinnen. Das ist keine spirituelle Spinnerei, sondern unmittelbar und unzweifelhaft erfahrbar.

Das Ich ist immer in diese Ganzheit eingebettet. Wer Kontakt mit ihr hat, wird einen größeren Frieden in sich selbst finden und Abgrenzung, Konflikte und Hass zunehmend als lächerlich erkennen. Eine lebenslange Ich-Identifikation lässt sich nicht sofort aufweichen. Die Verschaltungen in unserem Gehirn sind fest verankert. Interessanterweise steigt das Empfinden von Einheit, je mehr Neuronen in unserem Gehirn mit einer Frequenz von 40 Hz synchron schwingen. Auch hierfür gibt es also eine neuronale Entsprechung.  In diesem Artikel habe ich einen Weg beschrieben, sich der Ganzheit anzunähern.

Mit herzlichem Gruß
Ulrich Heister


Vortrag

Warum, verdammt, lieben wir nicht einfach?

Kürzlich fragte ich mich: Warum lieben wir nicht einfach? Menschen haben ein Grundbedürfnis zu lieben und selbst geliebt zu werden. Aber gerade die vielbesprochenen Hasskommentare im Internet sowie die besorgten Bürger auf der Straße und an den (virtuellen) Stammtischen zeigen, dass das vielleicht gar nicht so einfach ist. Aber was ist nur geschehen, dass die Kluft zwischen Bedürfnis und realem Leben so groß ist? Stellen vielleicht die stark abgrenzenden und beleidigenden Äußerungen sogar einen Versuch dar, über Umwege doch zu bekommen, was man braucht?

Am Mittwoch, den 26. April 2017, halte ich diesen Vortrag auf dem Twittwoch Ruhr. Ich freue mich, Sie dort zu sehen!

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„Mein Partner bemüht sich nicht um unsere Beziehung! Was kann ich tun?“

Was können Sie tun, wenn Sie feststellen, dass Ihre Partnerschaft weit hinter Ihren Wünschen zurückbleibt oder Sie gar eine handfeste Krise durchmachen und der Partner keinerlei Interesse zeigt, sich konstruktiv mit der Situation zu befassen?


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Mentale Revolution – Video 9: Mentale Revolution bedeutet Freiheit im Bewusstsein und Erleben der Ganzheit

 

Mentale Revolution befreit von einschränkenden Mustern und zeigt die Vollkommenheit des Daseins

Selbstverantwortung zu übernehmen (Video 7), eigene Muster ändern zu können (Video 6), das Ich als veränderbare Identität anzusehen (Video 3 und 4) und Ganzheit jenseits der Person erkennen zu können (Video 8) sind die Grundpfeiler der Mentalen Revolution. Daraus lassen sich drei grundlegende Paradigmen ableiten, in denen Menschen leben. Jeder kann einem dieser Paradigmen zugeordnet werden.

Im ersten Paradigma leben die Menschen, die vollkommen mit sich als Person identifiziert sind. Das sind fast alle. Sie fühlen sich in der Regel ziemlich unfrei und sind in ihre Rollen verwickelt. Sie bemühen sich, etwas aus ihrem Leben zu machen, denn mit dem Ich entsteht auch das Konzept von Zeit. Und die muss genutzt werden. Sie vermuten, dass es etwas Größeres als sie selbst als Individuum gibt. Mit Hilfe von Religionen, Spiritualität, Ideologien und Philosophien versuchen sie es zu verstehen, was nicht gelingen kann, da der Verstand nur ein sehr kleiner Teil dessen ist, was sie zu verstehen versuchen.

Viel weniger Menschen leben im zweiten Paradigma und nutzen die Prinzipien des Bewusstseins für sich. Sie sind auch mit sich als Person identifiziert, aber sie wissen, dass die Person ein Konzept ist, das grundsätzlich frei definiert und gestaltet werden kann. Sie fühlen sich in der Regel frei und selbstbestimmt. Sie wissen, dass ihre Bewusstseinsinhalte ihre erlebte Realität bestimmen. Sie kennen Methoden, beides nach ihren Wünschen zu verändern. Sie übernehmen Selbstverantwortung und entscheiden selbst, wie sie sich fühlen wollen. Sie lassen sich nicht von ihrer Vergangenheit dominieren, da sie schmerzhafte Erlebnisse aufgearbeitet haben.

Sehr wenige Menschen leben im dritten Paradigma. Ihnen ist die Identifikation mit sich selbst als Person abhandengekommen. Das war keine bewusste Entscheidung. Genauso, wie das Entstehen der Person, des Ich, nicht von ihnen selbst entscheiden wurde. Sowohl die Identifikation, wie auch die Desidentifikation von der Person sind Phänomene, das unser Nervensystem spontan hervorbringt. Das Verschwinden der Selbstidentifikation wird in der Regel als Befreiung erlebt. Dabei erscheint das Dasein als Ganzheit, in der es keine Person mehr gibt und niemanden der je etwas entscheiden hätte. Es ist klar, dass nie jemand geboren wurde oder nie jemand gestorben ist. Das gesamte Dasein ist ein Feld von informierter Energie, in dem scheinbar getrennte Erscheinungen auftauchen und wieder verschwinden. Diese Beschreibung mag kalt und steril wirken. Ist sie aber nicht, denn wir einen Eindruck von dieser Ganzheit haben, sprechen wir von Liebe.

Mentale Revolution bedeutet, die Enge der Person hinter sich zu lassen und ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Je mehr persönliche (also einschränkende) Muster wir auflösen, je weniger wir uns eigenen oder fremden Überzeugungsstrukturen unterwerfen, desto transparenter wird die Person und umso mehr wird die Ganzheit sicht- und spürbar. Es ist die Integration des scheinbaren Ich und Nicht-Ich.

Mentale Revolution – Video 8: Jenseits der Person liegt die Befreiung

 

Eine neue Perspektive befreit aus der Begrenzung der Person

Dieses Video nähert sich mit einem Experiment dem Dasein jenseits der persönlichen Identifikation an. Es ist auch im Artikel Annäherung nachzulesen. Dieses Experiment wendet sich nicht an Ihre Vernunft. Sie hilft hier nicht weiter. Wenn Sie sich jedoch auf das unmittelbare Erleben einlassen und ihre Gedanken einmal bei Seite lassen (der Verstand ist eh nur ein sehr kleiner Teil Ihrer Existenz), bietet sich Ihnen die Gelegenheit, eine bedeutende Entdeckung zu machen.

Wir nähern uns dem an, was die Mystiker „Erleuchtung“ nennen. Erleuchtung hat jedoch nichts mit einer persönlichen Erfahrung zu tun, sondern mit dem Gewahrsein der Ganzheit. Hier gibt es keine Person mehr. Manch einem mag das esoterisch oder spirituell erscheinen. Ist es jedoch gar nicht. Es ist eine Sichtweise, die jedem immer offensteht. Sie braucht kein Etikett, denn sie offenbart unser natürliches Wesen, das normalerweise von der Identifikation mit dem Ich überdeckt ist.

Schauen Sie sich das Video an und machen Sie bei dem Experiment mit. Entdecken Sie eine neue Perspektive jenseits der Person, den Klaren Raum. Auch, wenn Ihr Eindruck nur kurz war, haben Sie das Klare Sehen erfahren. Es wird gesehen oder nicht. Es gibt hier kein Zwischending. Der Klare Raum, den Sie wahrnehmen, kann anfangs klein sein. Wenn Sie ihn weiter untersuchen, werden Sie feststellen, dass er ohne Grenzen ist. Er enthält alles, was ist: Ihren Körper, Ihre Gedanken, Ihre Gefühle, andere Menschen, Tiere, Bäume und alle Gegenstände.

Dies ist der Ursprung Ihrer Existenz, aller Existenz. Entscheiden Sie selbst, was es für Sie bedeutet. Das Klare Sehen macht eigene Muster transparenter, gibt inneren Frieden und lässt vielleicht sogar die Gedanken zur Ruhe kommen, in die wir uns so leicht verwickeln. Schalten sie immer wieder in allen Situationen das Klare Sehen ein. Sie werden feststellen, dass alles etwas leichter ist.

Mentale Revolution – Video 2: Das Ich braucht Probleme – daher haben Sie sie

 

Kenntnis über die Natur des Ichs bringt Klarheit

Was ist das ich? Wie entsteht es? Wann macht es uns Probleme und was ist der Grund dafür? Was ist die Lösung für das Ich-Dilemma?

Synonyme  für das Ich sind: Ego, Person, Selbst oder Individuum. Es ist unser Container für Bewusstseinsinhalte. Bewusstseinsinhalte sind gewählte, übernommene oder antrainierte neuronale Muster, wie Überzeugungen, Bewertungen, Ansichten, Haltungen, Prägungen und so weiter.

Die grundlegende Überzeugung fast aller Menschen ist: Ich bin. Sie führt zur Trennung zwischen dem Ich und den Anderen. Die Folge davon sind Leiden und Schmerzen, die oft unbewusst bleiben. Letztendlich strebt jedoch jeder zurück zur Ganzheit, zum inneren Frieden. Fast allen menschlichen Bemühungen liegt diese Motivation zu Grunde. Das Ich hat eigentlich nur die Funktion, durch Automatisierung Abläufe zu vereinfachen und die Selbsterhaltung durch Erfahrung und Kontrolle sicher zu stellen. Ideologien, Religionen, Philosophien und Wissenschaften sind Ansätze, mit denen die Menschen versuchen, die Welt zu begreifen und unter Kontrolle zu bringen.

Starre Identifikation mit dem Ich schafft Probleme. Sie führt zu automatischen Verhaltensweisen. Es kann auch geschehen, dass die Identifikation mit gedanklichen Abstraktionen wichtiger wird, als die tatsächliche Realität. Dieses Phänomen wird meistens als Glaube oder Phantasiewelt bezeichnet. Da  das Ich ein fragiles mentales Gebilde ist, fühlt es sich bedroht und versucht seine Existenz immer wieder zu bestätigen und zu rechtfertigen. Es will dazu gehören, besonders sein und Recht haben.

Die Lösung des Ich-Dilemmas besteht darin, das Ich als das zu erkennen, was es tatsächlich ist. Das Gegenwärtige ist jederzeit vollständig und trägt alle Antworten bereits in sich.

Was ist eigentlich dieses Ich, von dem alle immer reden?

„Ich habe das (nicht) getan.“ „Ich habe darüber nachgedacht.“ „Ich fühle mich nicht so gut.“ „Ich habe einen Fehler gemacht.“ „Das muss ich noch lernen.“ „Ich bin großartig.“ „Ich liebe dich.“ – Wie oft wir wohl an einem Tag das Wort „ich“ sagen? Was ist dieses Ich? Wo ist es zu finden? In diesem Artikel finden Sie die Antwort.

Sie kennen die Antwort

Es gab einmal eine Zeit, da waren Sie nicht Ich. Können Sie sich daran erinnern? Es ist schon etwas her. Sie waren noch sehr klein. Was ist seither geschehen? Wo ist das Ich hergekommen? Die Antwort ist unromantisch und für manch einen bestimmt befremdlich: Ihr Nervensystem ist im Laufe Ihrer persönlichen Entwicklung so komplex geworden, dass es eine Selbstbezüglichkeit herstellen konnte. Es lernte zu dem Bild im Spiegel „Ich“ zu sagen und auf seinen eigenen Namen zu reagieren. Außer Ihrem eigenen Namen lernten Sie die Namen für die Dinge um Sie herum. „Mama“, „Stuhl“, „Blume“, „Essen“ und so weiter. Die realen Erscheinungen wurden mit Abstraktionen assoziiert, also mit Begriffen benannt. Wir brauchen diese Begriffe, um mit anderen sprachlich kommunizieren zu können.

Alle sind auf der Suche

Irgendwann gewöhnten Sie sich daran, Ihren Körper und alles, was in ihm stattfand – wie Empfindungen, Gefühle und Gedanken – mit „Ich“ zu bezeichnen. Und plötzlich waren Sie getrennt. Es gab ab sofort Ich und Nicht-Ich. Das ist die große menschliche Tragödie, der letztlich alle Formen des Leides und alle Probleme entspringen. Sie sind sich selbst in die Falle gegangen. Die Spannung zwischen der objektivierten, kollektiven, kommunizierbaren Realität da draußen und der subjektiven Realität hier drinnen scheint Sie manchmal zerreißen zu wollen. Dabei ist diese Grenze nur imaginär.

Eine vage Erinnerung an den früheren Zustand, in dem Sie mit allem eins und in Frieden waren, schlummert noch in Ihnen. Sie ist nicht bei allen Menschen gleich präsent, doch ist die Sehnsucht nach diesem Zustand bei allen der eigentliche Antrieb. Alle wollen „nach Hause“. Alle machen sich auf ihre Weise auf die Suche. Religionen, Lehren, spirituelle Praktiken, Wissenschaften, Philosophien und Ideologien sollen den Weg weisen. Sie beschäftigen in der Regel jedoch nur den Verstand und stiften Verwirrung. Schauen Sie sich die Welt an!

Was ist, ist alles, was ist

Wo finden wir unseren Ursprung wieder? Wie kommen wir aus diesem Ich-Dilemma wieder heraus? Die Antwort ist einfach: Nehmen Sie alles wahr als das, was es ist. Ein Stuhl ist ein Stuhl. Eine Blume ist eine Blume. Ein Gedanke ist ein Gedanke. Ein Gefühl ist ein Gefühl. Lassen Sie die Geschichten darum herum einfach weg. Das Ich ist ein Ich. Es ist eine Erscheinung unter vielen. Das Wesen des Ichs ist ein Gedanke. Machen Sie sich das klar, auch wenn dieser Gedanke mit Empfindungen verknüpft ist. Auch diese Empfindung ist eben lediglich eine Empfindung. Tatsächlich sind diese Empfindung, dieser Gedanke, dieses Ich, dieser Baum, dieser Stuhl absolut gleichrangige Erscheinungen der Ganzheit, die Sie ja bereits von früher kennen. Tatsächlich existieren kein Innen und kein Außen. In meinem Kurs können Sie dies ganz real erfahren.

Es ist die Ganzheit, die die Bäume wachsen, das Ich entstehen, Wolken ziehen, Sonnen ausbrennen, Katzen schnurren und Menschen handeln lässt. Da ist niemand. Kein Ich. Es ist eine Erfindung des Nervensystems. Es nimmt die Dinge, die einfach so geschehen, für sich nachträglich in Besitz. Es behauptet einfach: „Ich habe das getan, ich habe das geleistet, ich habe das gedacht, ich habe das empfunden.“ Es war niemand anders als das Leben, die Ganzheit selbst. Manch einen mag diese Behauptung ängstigen, doch tatsächlich ist die Ganzheit, das Nicht-Ich, das Zuhause. Seien Sie sich dieser Tatsache gewahr und definieren Sie, als Person, Ihr Leben. Die passenden Techniken gibt es auch in dem Kurs.

Ich bin versucht zu behaupten, dass die Erkenntnis des imaginären Ichs grundlegend notwendig ist, damit die Menschheit wahre Fortschritte machen kann. Ohne sie wird es nie Frieden geben, und kein Leben wird angstfrei sein. Das Ich würde wieder seinen angestammten Platz einnehmen und dem Menschen dienen, statt ihn zu tyrannisieren. Doch dadurch entstünde prompt eine neue Ideologie und die nützt nichts, wie wir ja wissen.

Die Reise eines Kohlenstoffatoms – Oder: Alles ist Eins

Menschen leiden vor allem darunter, dass sie sich getrennt fühlen. Jedes andere Leid und jede Gewalt gegen sich selbst und andere, sind letztendlich eine Folge davon. Ich finde, es ist Zeit für eine Mentale Revolution. Kern dieser Revolution soll das Gewahrwerden des natürlichen Wesens des Menschen sein. Sie würde das Ich an seinen ihm angestammten Platz rücken, das eigene Selbstverständnis grundlegend ändern und dem Einzelnen eine große Erleichterung bringen. Die Veränderungen im Weltbild wären radikaler als die der kopernikanische Wende. Dazu jedoch zu einem späteren Zeitpunkt mehr. In diesem Artikel möchte ich mich damit befassen, warum es so einleuchtend ist, dass es nur eine einzige Ganzheit gibt und die Vorstellung der Trennung frei erfunden ist. Hierzu bedienen wir uns eines Gedankenexperimentes. Später verweise ich auf ein Experiment, das, bei entsprechender Bereitschaft, diese Ganzheit erfahrbar macht.

Die ewige Reise

Beginnen wir mit unserem Gedankenexperiment und reisen ein paar Millionen Jahre zurück. Irgendwo draußen im Weltall fusioniert eine Sonne Wasserstoff zu Helium und weiter zu schwereren Elementen wie Kohlenstoff. Während ihr Brennstoff zu Neige geht, kollabiert sie zu einem weißen Zwerg und haucht, als eine Supernova, ihr Leben aus. In der riesigen Explosion wird ihr Material in das Weltall hinausgeschleudert. So auch das Kohlenstoffatom, das wir auf seiner Reise begleiten wollen. Es treibt durch den Raum, bis ein größerer Brocken vorbeikommt, der es mit seiner Gravitation einfängt und weiter Richtung Erde transportiert. Nach langer, langer Zeit hier angekommen, verglüht der kleine Meteorit in der Atmosphäre. In der großen Hitze verbindet es sich mit zwei Sauerstoffatomen zu Kohlendioxid. Dieses Molekül dümpelt nun ein paar Jahrtausende um die ganze Welt und gelangt in immer tiefere Luftschichten.

In Bodennähe angekommen passiert es eine Bohnenpflanze. Dieses assimiliert das Kohlendioxidmolekül und befreit unser Kohlenstoffatom vom Sauerstoff, den sie an die Luft abgibt. Das Kohlenstoffatom wird einem unheimlich komplizierten Stoffwechselprozess in ein Eiweißmolekül eingebaut und landet schließlich in der Frucht der Pflanze: in einer der Bohnen. Zur Erntezeit fährt der Bauer mit seiner Maschine über das Feld und pflückt die Bohne mit dem Kohlenstoffatom. Nun kommen Sie ins Spiel, denn Sie kaufen diese Bohne mit vielen anderen zusammen in einer Konservendose. Der Herstellungsprozess konnte dem Eiweißmolekül glücklicherweise nichts anhaben, es befindet sich immer noch an seinem Platz. Ein paar Tage später machen Sie, weil es wieder einmal schnell gehen muss, aus diesen Bohnen einen Salat.

Wir essen Sternenstaub

Wie es der Zufall so will, essen Sie diese spezielle Bohne mit dem Kohlenstoffatom aus der Supernova. Ihr Körper entschließt sich spontan dazu, das Eiweißmolekül in dem es enthalten ist, bei der Bildung einer Plattenepithelzelle zu verwenden (natürlich wieder mittels eines sehr komplizierten Stoffwechselprozess). Diese Plattenepithelzelle befindet sich an ihrer rechten Hand. Ihre Hautzelle teilt sich noch ein paarmal, bis sie in einer der oberen Schichten verhornt. Einige Tage später fällt das Hautschüppchen, mit dem Kohlenstoffatom ab und landet auf ihrem Teppich.

Hier wird es von einer Staubmilbe gefressen. Diese nutzt das Kohlenstoffatom in ihrem Stoffwechsel häufiger und es verbleibt in ihr bis zu ihrem Tod. Irgendwann erwischen Sie diese tote Staubmilbe mit dem Staubsauger. Etwas später, als der Staubsaugerbeutel voll ist, entsorgen Sie ihn in den Restmüll, der schließlich in der Müllverbrennung landet. Hier, vom Feuer erfasst, wird aus unserem Kohlenstoffatom, welches zuletzt in der unseligen Staubmilbe als Bestandteil eines DNS-Moleküls diente, wieder ein Kohlendioxidmolekül, das die Entsorgungsanstalt elegant über den Schornstein verlässt.

Wie es wohl mit unserem Freund weitergeht? Vielleicht wird er vom Wind zu den großen Regenwäldern getragen und dort in einen Baum eingebaut? Oder regnet ins Meer hinab, wo eine Muschel ihre Schale damit bildet? Möglicherweise wandert es in die oberen Atmosphärenschichten, von wo aus es im Kohlendioxidmolekül vom Sonnenwind wieder in den interstellaren Raum getrieben wird? Wer weiß?

Wo beginnt das Leben, wo hört es auf?

Aber worauf es hier ankommt: Wann war dieses Kohlenstoffatom Ihr Kohlenstoffatom? Wann gehörte es Ihnen? Haben Sie es je besessen? Wann war es lebendig, also gehörte es zu einem lebendigen Körper? Als es in Ihren Verdauungstrakt kam? Als es verstoffwechselt wurde? Während es in Ihrer Haut eingebaut war und dort eine Funktion erfüllt hat? Diese Überlegungen beziehen sich hier natürlich hauptsächlich auf dieses eine Kohlenstoffatom. Sie gelten jedoch für jedes Atom in ihrem Körper, dass heiß für ihren gesamten Körper! Auch auf alle Atome um Sie herum, denn diese könnten ja auch mal „Ihre“ werden. Ein Atemzug und das, was eben noch Teil Ihres Nachbarn war, ist nun Ihres.

Hier ist meine Antwort: Dieses Kohlenstoffatom war nie Ihres und es war nie lebendig oder nicht lebendig. Alle Atome, die gegenwärtig zu Ihrem Körper gehören oder die sich irgendwann einmal von ihm Körper gelöst haben, sind immer noch genau so lebendig, wie die, die noch nie Teil Ihres Körpers waren. Das hat zwei Gründe: Zum einen gibt es diese Ich, von dem Sie glauben, dass Sie es sind, nicht. Dazu hier mehr. Und zum anderen gibt es nicht Leben im Universum, sondern ein Universum im Leben. Alles, was in diesem unvorstellbar riesigen Universum existiert, ist eine Erscheinung dieses Lebens! Es ist ein unteilbares Sein.

Die Ganzheit ist erfahrbar

Es gibt keine Grenze zwischen Innen und Außen. Auch nicht zwischen Du und Ich. Falls es Ihnen doch so erscheinen sollte, dann nur deshalb, weil Sie darauf konditioniert sind. Sie mögen jetzt einwenden, dass sich diese Gedanken ja nur auf die materielle Ebene beziehen und der Mensch ja schließlich viel mehr ist. Er hat doch einen eigenen Geist und ein eigenes Bewusstsein! Falls Sie offen für eine neue Erkenntnis sind, könnte Ihnen dieses Experiment hier Klarheit bringen.

Zusammenfassung

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Der normale Mensch sagt: „Mein Wille geschehe – hoffentlich, ansonsten kämpfe ich darum.“ Der Magier sagt: „Mein Wille geschieht – da ich weiß, wie ich Realität gestalten kann.“ Der Befreite sagt: „Es geschehe, was immer wolle – da ich weiß, dass es mich als Person nicht gibt, sondern nur die eine Ganzheit.“ Das ist kurz gesagt, das, was ich bisher in diesem Blog beschrieben habe. Etwas ausführlicher zwar, aber bei weitem nicht so detailliert, wie es hätte sein könnte. Mir ging es in den Artikeln bis hier vor allem darum, einen Überblick zu geben. Sie kennen nun die drei elementaren Paradigmen des menschlichen Daseins, haben Methoden kennen gelernt, mit denen Sie Ihr Leben selbstbestimmt gestalten können und wissen was Sie wirklich sind.

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Folgen

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Ich gehe davon aus, dass Sie den Zustand des Klaren Sehens, den klaren Raum, wie im vorhergehenden Artikel beschrieben, erlebt haben. Haben Sie auch das Experiment mit den geschlossen Augen gemacht und die Unendlichkeit Ihres Gewahrseins erfahren? Haben Sie auch einmal nachts in den Sternenhimmel geschaut und gesehen, dass Ihr Gewahrsein sogar die Sterne beinhaltet? Und darüber hinaus geht? Wie könnten Sie sich all dessen gewahr sein, wenn das Gewahrsein, der klare Raum, der Sie sind, dies nicht beinhalten würde?

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Das dritte Paradigma

Bis hierher habe ich eine kurze, komprimierte Darstellung des ersten und zweiten Paradigmas geliefert. Sie enthält alles, was nötig ist, um das menschliche Sein grundlegend zu verstehen und um sein Dasein und sein Erleben selbst zu bestimmen. Wer damit zufrieden ist, sollte nicht weiter lesen und fleißig die beschriebenen Methoden anwenden, um ein nettes Leben zu haben.

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