Praxis für Psychotherapie und Hypnosetherapie | ulrich-heister.de

Fühlen Sie sich auch öfter genervt von Leuten, die Ihnen ins Wort fallen? Oder passiert es Ihnen sogar umgekehrt, dass andere Sie auffordern, sie nicht zu unterbrechen? Es gibt Umstände, in denen es nicht leicht ist, ein geordnetes Gespräch zu führen. Warum ist das so? Und geht es auch anders? In diesem Newsletter möchte ich dieses Phänomen genauer beleuchten und einige Tipps für eine funktionierende Gesprächskultur in Beziehungen geben.

Die meisten Gespräche laufen eher unproblematisch ab. Jeder sagt, was er zu sagen hat, ohne Spannung und meist ohne oder nur mit geringer emotionaler Ladung. Manchmal wird das Rederecht auch durch Hierarchien bestimmt. Hier agieren die Gesprächspartner meist vernunftgesteuert innerhalb ihrer Rollen. Wenn gute Freunde in bester Laune miteinander sprechen, fallen sie sich häufig gegenseitig ins Wort und ergänzen einander die Sätze. Das ist dann völlig in Ordnung und hat eher eine verbindende Wirkung.

Bedürfnisse achten

Die Bitte oder Aufforderung nicht zu unterbrechen erfolgt meistens in Streitgesprächen. Menschen wollen vom Gegenüber mit ihren Bedürfnissen gehört werden. Redet der andere, bevor sie ihren Satz beendet haben, fühlen sich missachtet und nicht richtig wahrgenommen. Die Situation kann sich aufschaukeln. Möchten Sie deeskalierend wirken, können Sie dies mit den folgenden Tipps leicht tun. Voraussetzung ist natürlich, dass Ihnen es Ihr Gesprächspartner oder der Anlass wert ist. Sollte dies nicht so sein, können Sie sich getrost fragen, warum Sie überhaupt in der unerwünschten Gesprächssituation verharren.

Wenn Sie jedoch an einer Einigung oder gar, im größeren Zusammenhang, an einer vernünftigen Gesprächskultur in einer Beziehung interessiert sein, hier ein paar praktische Anregungen. Ich habe sie am Beispiel eines Gesprächs innerhalb einer Paar- oder Familienbeziehung entwickelt. Aber auch in beruflichen Zusammenhängen und Sachbeziehungen können einige der Hinweise nützlich sein.

Übertreiben Sie!

Ist das Gespräch emotional sehr geladen? Dann verabreden Sie doch einmal, es zunächst bewusst zu übertreiben. Schreien Sie sich absichtsvoll an und blaffen Sie alles heraus, was Sie zu sagen haben. Auch gleichzeitig. Hierzu ist natürlich vorteilhaft, eine Metaebene einnehmen zu können. Das heißt, sich währenddessen soweit aus der Identifikation mit dem Streit distanzieren zu können, dass Sie das größere Bild des Ereignisses überblicken. Je nachdem, wie vertraut sie miteinander sind und wie gut aufeinander eingespielt, können Sie auch Kraftausdrücke verwenden. Hierbei geht es darum, die eigenen Gefühle auszudrücken und auszuleben. Ist hiernach die Atmosphäre gereinigt, geht es mit einem Gespräch weiter, denn gelöst ist das ursprüngliche Problem bestimmt noch nicht.

Setzen Sie sich gemeinsam hin. Einigen Sie sich darauf, einen Konsens finden zu wollen, sonst lohnt sich der Aufwand nicht. Alle Gesprächspartner sollten daran interessiert sein, wohlwollend miteinander umzugehen. Eine gute Möglichkeit, dies zu signalisieren ist, den anderen in seinen Bedürfnissen wahrzunehmen und auf diese einzugehen. „Ja, ich habe verstanden, dass du dich ignoriert fühlst und mehr Zeit mit mir verbringen möchtest.“ Danach teilen Sie Ihr eigenes Bedürfnis mit.

Sollte es Probleme mit der Redezeit geben, hier zwei Vorschläge: Legen Sie einen Gegenstand in die Mitte. Dies kann ein einfacher Kieselstein oder ein Stück Holz sein. Wer reden möchte, nimmt den Gegenstand auf, er hat das Wort. Der andere schweigt und hört zu. Wer fertig ist, legt den Gegenstand zurück und ein anderer kann ihn nehmen, um zu sprechen. Die Zeit, die der Gegenstand behalten werden kann, kann in gemeinsamer Absprache begrenzt werden.

Eine andere Möglichkeit ist, dass Sie von vornherein die jeweilige Redezeit auf 10 oder 15 Minuten festlegen. Jedem steht diese Zeit abwechselnd zur Verfügung. Sie darf nicht verkürzt oder verlängert werden. Es muss nicht gesprochen werden. Ist alles vor Ablauf der Zeit gesagt, kann die Schweigephase sehr heilsam wirken. Jeder kommt gleich oft an die Reihe.

Meistens geht es nicht um das Thema, sondern um Kommunikation

Gerade innerhalb einer Beziehung liegt der eigentliche Grund des Streites oft nicht in dem Thema, um das es in dem Gespräch gerade geht. Meist liegt das Problem in der Kommunikation selbst. Fühlt sich der andere wahrgenommen und in seinen Bedürfnissen geachtet, entstehen meistens erst gar keine gravierenden Spannungen, welche die Beziehung gefährden oder konstruktive Gespräche nicht zulassen.

Übrigens: Dass es selbst in guten Beziehungen mit einer sehr achtsamen Gesprächskultur hin und wieder zu Streitigkeiten und Missverständnissen kommt, ist völlig in Ordnung. Seien Sie nicht zu streng mit sich selbst, wenn es auch einmal gründlich daneben geht, sondern nehmen Sie es am besten mit Humor!

Mit herzlichem Gruß
Ulrich Heister

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Heute habe ich für Sie eine kleine, aber sehr wirkungsvolle Übung beschrieben und als Audio-Datei gesprochen. Gute Erholung!

Sie kennen das: Es sind viele Dinge zu erledigen. Die Termine liegen dicht zusammen. Es läuft nicht so, wie Sie es eigentlich geplant hatten, und schon ist es wieder Abend. Obgleich Sie es sich schon so oft vorgenommen haben, zwischendurch Ruhe-Momente bewusst einzulegen, kamen Sie nicht dazu auch nur einmal innezuhalten und durchzuatmen. Dabei ist es gar nicht so zeitaufwendig, kurz abzuschalten und dabei wirklich intensiv zu regenerieren. Hier zeige ich Ihnen, wie dies leicht und schnell gelingt. Die kleine Übung können Sie praktisch jederzeit ausüben: zu Hause oder auch in einer Pause während der Arbeit. 15 bis 20 Minuten brauchen Sie lediglich dazu. Stellen Sie sich gegebenenfalls einen Wecker oder Timer.

Die Übung

Sorgen Sie dafür, dass Sie ungestört sind. Setzen Sie sich bequem hin und entscheiden Sie sich, sich für die Dauer der Übung nicht zu bewegen. Fixieren Sie mit den Augen einen Punkt vor sich, den Sie bequem anschauen können. Während Sie ihn anschauen, werden Sie bemerken, dass Sie den Punkt sehr scharf sehen und das Umfeld mehr und mehr verschwimmt. Die Müdigkeit in Ihren Augen nimmt zu. Geben Sie, wenn es soweit ist, dieser Müdigkeit nach und lassen Sie die Augen zufallen. Richten Sie Ihre Aufmerksamkeit nach innen. Nichts ist jetzt mehr wichtig.

Die Augen fühlen sich müde, schwer und entspannt an. Lassen Sie zu, dass sich dieses Empfinden von den Augen aus im Gesicht und im ganzen Kopf ausdehnt. Nun lassen Sie es über die Schultern und Arme in Ihre Hände fließen. Spüren Sie die Müdigkeit, Schwere und Entspannung in diesen Bereichen. Jetzt fließen die Müdigkeit, Schwere und Entspannung den Rumpf hinab in die Beine und Füße. Ihr ganzer Körper ist erfüllt von Müdigkeit, Schwere und Entspannung. Genießen Sie es und lassen sie diese Empfindung stärker werden. Verbleiben Sie in diesem Zustand, solange Sie möchten oder bis sich der Timer meldet.

Hier können Sie die Übung als Audio-Datei anhören und bei Bedarf immer wieder abspielen.

Mit herzlichem Gruß
Ulrich Heister

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Kennen Sie das, dass Sie sich in Ihren Gedanken gefangen fühlen und es Ihnen nicht gelingt, sich aus ihnen zu befreien? In diesem Newsletter bekommen Sie eine kleine Übung, mit der das gelingen kann.

Neulich ging ich meine Runde über das Feld, um etwas frische Luft zu tanken. Nach wenigen hundert Metern fiel mir auf, dass ich sehr viel dachte und sich diese Gedanken schwer anfühlten. Sie klebten in meinem Kopf und ich war sehr mit ihnen identifiziert. Zudem fühlte ich mich in mir selbst eingeengt.

Dann kam mir folgende Idee: Ich stellte mir vor, wie ich mich selbst, aus etwa 30 Metern Höhe, über den Feldweg gehen sehe. Ich sah mich als kleines Männchen auf dem Weg zwischen den weiten Feldern. Augenblicklich waren meine Gedanken weg. Klar, denn sie waren ja durch die Vorstellung ersetzt. Komplexe Gedanken und eine komplexe Vorstellungen sind gleichzeitig nur sehr schwer möglich.

Ich fühlte mich gleichzeitig befreit und ausgedehnt. Meine empfundene Selbstwichtigkeit hatte sehr nachgelassen. Alles, was mich belastete bekam einen anderen Stellenwert, denn dieses kleine Wesen dort in der „großen Welt“ konnte keine großen Probleme haben. Dieser Perspektivwechsel tat mir sehr gut. Selbst, nachdem ich wieder in die übliche Sichtweise zurückkehrte, blieb die Erleichterung. Mein Kopf war frei und ich war nicht mehr in den Gedanken gefangen.

Versuchen Sie es selbst einmal aus! Entweder, wenn es Ihnen ähnlich geht wie mir oder nur zum Spaß. Stellen Sie sich vor, Sie sehen sich aus einigem Abstand von außen. Beobachten Sie sich selbst. Dies setzt natürlich eine gewisse Vorstellungsgabe voraus. Doch selbst, wenn es Ihnen nur kurz gelingt, werden Sie feststellen, dass sich Ihre Empfindungen wie Stress, unangenehme Gefühle oder belastende Gedanken relativieren und alles etwas leichter erscheint.

Mit herzlichem Gruß
Ulrich Heister

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Ich habe es unzählige Male irgendwo im Internet gelesen oder von Menschen gehört: Als Gleichnis für große oder bedeutende Veränderungen wir der Begriff „Quantensprung“ herangezogen. Hier zwei Beispiele: „Während sich die Welt in einem Quantensprung entwickelt.“ von Sybille Berg auf Spiegel Online und „Quantensprung: Durchbruch bei Ebolaimpfstoff“ in Die Welt. Etwas später wird klar, warum ich das Thema in diesem Newsletter aufgreife.

Das Wort entstammt der Quantenphysik. Die Quantenphysik befasst sich mit dem Allerkleinsten, nämlich mit Elementarteilchen. Ein Quantensprung ist also ein kleinster, winzigster Sprung, den man sich überhaupt nicht vorstellen kann. Hier ein Beispiel für einen Quantensprung: Ein Material wird erhitzt bis es glüht, wie ein Glühfaden in einer Glühbirne. Durch die thermische Anregung können Elektronen im Atom des Materials ihren Quantenzustand ändern. Sie wechseln von einem energieärmeren zu einem energiehöheren Zustand. Da bleiben Sie aber nicht lange und fallen zurück auf ihr ursprüngliches Niveau. Wohin mit der Energie? Sie wird als ein Photon, als Licht, ausgesandt und beleuchtet Ihr Wohnzimmer. Kurioserweise kommt noch hinzu, dass der Sprung eigentlich gar keiner ist, denn das Elektron verschwindet auf dem einen Energieniveau und taucht auf dem anderen wieder auf, ohne eine Strecke dazwischen zurückzulegen. Und der Sprung kann nur in bestimmten, genau definierten Schritten geschehen. Er kann also nicht beliebig groß sein. Wer also ausdrücken möchte, dass er nur in klein(st)en Schritten vorwärts kommt, verwendet den Begriff richtig.

Das erinnert mich an die Affen in diesem Experiment. In einem Gehege, in dem eine Gruppe von Affen lebt, wird an der Decke eine Banane aufgehängt. Sie ist nur über eine Leiter zu erreichen. Wenn nun ein Affe versucht, die Leiter zu erklimmen, um an die Banane zu kommen, bekommt die ganze Gruppe von Affen eine kalte Dusche aus einer Sprinkleranlage. Nach dieser Erfahrung, die sich möglicherweise wiederholte, wurden die Affen, die versuchten die Leiter zu besteigen, von den anderen energisch daran gehindert. Nun wurden, nach und nach, die Affen durch neue ersetzt, die diesen Mechanismus nicht kannten. Natürlich versuchten die neuen Affen die Banane zu holen und natürlich wurden sie von den anderen daran gehindert. Diese Konditionierung wurde sogar noch aufrechterhalten, wenn kein Affe der ursprünglichen Gruppe, die nass gemacht wurde, mehr in dem Gehege lebte.

Was hat das alles mit Bewusstsein zu tun und warum steht das in diesem Newsletter? Das Affenexperiment ist eine schöne Metapher für Konditionierung. Es ist ein Gedankenexperiment und hat so nie stattgefunden, trotzdem ist es im Internet sehr populär. Wir lieben nette Geschichten und schenken ihnen gerne Glauben, so wie wir den Quantensprung gerne für etwas Großartiges halten wollen. Blieben Sie neugierig und überprüfen Sie, was andere Ihnen weismachen wollen.

Mit herzlichem Gruß
Ulrich Heister

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Dankbarkeit statt Defizit

Drei Wochen und ein Tag nach Jahresbeginn. Egal, ob Sie zu denen gehören, die sich regelrechte Listen anlegen, oder ob Sie nur zum neuen Jahr insgeheim überlegen, was in Zukunft besser laufen sollte: Was ist aus Ihren guten Vorsätzen geworden? Sind sie vielleicht längst im Alltag irgendwie ein bisschen oder sogar ganz in Vergessenheit geraten? Das könnte daran liegen, dass solche typischen guten Vorsätze tatsächlich gar nicht so gut für uns sind. Denn sie bestärken vor allem das Gefühl von Defiziten: „Ich rauche zu viel.“ „Ich esse nicht diszipliniert genug.“ „Ich tue immer noch nicht alles, um beruflich durchzustarten.“ Dass wir scheinbar immer wieder gegen unsere eigene Absicht handeln, hat übrigens auch Gründe. Diesem Thema widme ich mich am kommenden Dienstag im Bewusstseinsblog.

Doch der Widerstand gegen eine Situation oder eine Empfindung ist paradoxerweise so ziemlich die sicherste Methode um sie regelrecht zu verfestigen und auf Dauer zu behalten.

Wie wäre es, wenn Sie stattdessen an diesem Wochenende einmal eine Liste mit den Dingen machen, für die Sie wirklich dankbar sind? Das muss gar nicht lang und aufwändig sein: einfach in Gedanken oder auf Papier einige Stichworte festhalten und in jedes davon einmal so richtig hineinfühlen. Fühlt sich gut an, oder?

Wer weiß, vielleicht entwickeln sich aus dieser Fülle und dieser Stärkung heraus plötzlich Veränderungen und Erfolge ganz ohne Anstrengung? Viel Spaß beim Dankbar-Sein!

Mit herzlichem Gruß
Ulrich Heister

Selbstfindung

Junge Menschen sind meistens damit beschäftigt, Indoktrinationen von ihren prägenden Vorbildern zu folgen oder ihnen Widerstand zu leisten. Sie schwanken zwischen Rollen, die sie angenommen haben und der Erfüllung von Erwartungen. Meistens haben sie noch gar nicht herausgefunden, was sie selbst wollen, sondern machen mit dem weiter, was ihnen beigebracht wurde. Sie starten einen Beruf, gründen eine Familie und folgen den Werten, die ihnen mitgegeben wurden.

Dann, irgendwann im Leben fragt sich ein Mensch, wer er eigentlich ist und warum er tut, was er tut. Das kann relativ früh geschehen, meistens ereignet sich dies jedoch eher um die Lebensmitte herum. Häufig ist eine Krise der Auslöser. Es hat sich eine oft eine unbefriedigende Routine eingestellt, die Ausrichtung auf die früheren Ziele ist verloren gegangen oder man weiß nicht mehr, wofür man sich die ganze Zeit abmüht.

Viele versuchen ihr Leben in neue Bahnen zu lenken und suchen sich neue Lebenspartner, versuchen etwas völlig Neues oder schaffen sich Dinge an, von denen sie früher geträumt haben. Nun können sie es sich ja leisten. Andere besuchen Selbstfindungsseminare oder besuchen einen Therapeuten, was natürlich grundsätzlich keine schlechte Idee ist. Welcher Weg auch immer eingeschlagen wird, irgendwann stellt sich die Erkenntnis ein, dass Dinge und Veränderungen im Außen ganz nett sein können oder das Seminare und Sitzungen die Lebensqualität steigern können. Die Leere im Innern aber können sie nicht füllen.

Wer jetzt mutig ist und einen Schritt weitergeht macht eine überwältigende Entdeckung: Die Leere ist der natürliche Zustand des Seins. Das widerspricht meist völlig dem bisher Gelernten. Alle Anstrengungen dienten bisher dazu, ein Ich zu definieren und aus seinem Leben etwas zu machen. Tatsächlich ist es so, dass das Selbst, nach dem man sich auf die Suche gemacht hat, gar nicht existiert. Manch einem macht diese Feststellung Angst und macht einen großen Bogen um sie.

Die Leere ist keine Bedrohung, sondern maximale Freiheit. In sie hinein kann die Person sich definieren. Das hat sie bisher auch schon immer gemacht, nur eben meistens aufgrund der Ideen und Wünsche der anderen. Die Frage ist also nicht „Wer bin ich?“ sondern „Was will ich sein?“

Die Zeit „zwischen“ den Jahren ist hervorragend dazu geeignet, sich diese Frage zu stellen. Setzen Sie sich hin und schreiben Sie auf, wie alle Ihre Lebensbereiche aussehen sollen. Allein das Aufschreiben setzt etwas in Gang. Wenn eine Entscheidung ansteht, erkennen Sie leichter, was richtig ist und sie können Ihre Energien auf ihre Ziele ausrichten.  Viel Spaß dabei!

Dieser Newsletter ist der letzte in diesem Jahr. Der nächste erscheint am 22. Januar. Ich wünsche Ihnen schöne Feiertage und für 2016 alles Gute!

Mit herzlichem Gruß
Ulrich Heister

Un-Sinnsprüche – Folge 3, Verletzungen

Im Internet sind immer wieder Sprüche zu lesen, von denen ich denke, dass sie das Gegenteil dessen erzeugen, was sie eigentlich intendieren. Hier wieder einmal solch ein Exemplar: „What’s hurt me has only made me stronger. Thanks for the lesson!“ Zu Deutsch: „Was mich verletzt hat, hat mich nur stärker gemacht. Danke für die Lektion.” Fallen Sie auf solche Aussagen nicht herein und mach Sie sich bitte nicht zu Eigen. Ja, wir werden von Zeit zu Zeit verletzt, doch die Konsequenz, die der unbekannte Autor daraus abgeleitet hat, wird ihm mehr schaden als nutzen.

Zuerst kann zu diesem Spruch festgestellt werden, dass sich der Betroffene selbst zum Opfer gemacht hat. Ihm ist, aus seiner Sicht, eine Ungerechtigkeit erfahren. Er entscheidet sich mit Verletzung darauf zu reagieren. Sie wissen, als geneigter Leser, dass es auch andere Möglichkeiten gibt. In diesem Artikel können Sie das nachlesen. Verletzt fühlen wir uns, wenn wir keine bessere Strategie für eine solche Situation haben. Es wurde ein Muster in uns angesprochen, dass noch nicht bearbeitet und aufgelöst wurde. Ein konstruktiver Umgang wäre, sich diese Muster anzugucken und aufzulösen. Dann braucht man nicht mehr verletzt zu reagieren.

Das Erlebnis hat ihn „stärker gemacht“. Was das wohl heißt? Auf mich wirkt es, als wenn er sich in sich zurückgezogen und seine Identitäten eher verfestigt hat. Wenn er sich wieder einem ähnlichen Ereignis gegenüber sieht, wird er wahrscheinlich noch empfindlicher und  heftiger reagieren. Und er macht sich vor, dass er nun besser damit umgehen kann, da er ja stärker ist. „Das lasse ich nicht mehr mit mir machen!“ Ich glaube nicht dass er damit glücklicher wird, denn seine bisherigen Begrenzungen bleiben nicht nur bestehen, sondern ziehen sich noch enger zusammen.

Der ironische Dank am Ende ist nichts, als eine heuchlerische Demonstration von vermeintlicher Überlegenheit. Er zeigt eher Verbitterung, als dass irgendetwas gelernt worden wäre. Hätte er nämlich etwas gelernt, wäre es ihm nicht wichtig stärker, sondern offener zu werden. Sollte es Ihr Wunsch sein, wirklich souverän mit Angriffen umzugehen, ist Offenheit der einzige Weg. Voraussetzung dafür ist, dass keine persönlichen Muster mehr existieren, die mit der Attacke resonieren könnten. Sie geht dann durch Sie hindurch, wie ein Lichtstrahl durch Luft.

Mit herzlichem Gruß
Ulrich Heister

Sich gut zu fühlen, heißt nichts zu fühlen

Menschen fühlen sich am liebsten gut. Was heißt eigentlich gut? Meistens werden sogenannte negative Gefühle (Wut, Ärger, Verzweiflung, Trauer, Niedergeschlagenheit) gemieden und positive Gefühle (Freude, Glück, Dankbarkeit, Verbindung, Zuversicht) angestrebt. Der Nachteil dieser Neigung ist, dass die Gefühle bedingt sind. Das heißt, dass die gewünschten Zustände Bedingungen unterliegen. Daher ist eine Person, die ja in einer polaren Welt lebt, immer diesem Streben unterworfen. Sie muss ständig Bemühungen unternehmen, unerwünschte Zustände abzustellen und gewünschte Zustände zu erreichen. Diese ständige Anstrengung ist wahnsinnig belastend und benötigt fast alle Ressourcen eines Menschen.

Geht es auch anders? Ja, natürlich. Dazu ist anzuerkennen, dass der größte Teil dieser Gut-Schlecht-Polarität im Leben von den eigenen Bewertungen abhängt. Diese entspringen unseren persönlichen Mustern. Und diese sind veränderbar oder gar entfernbar. Je weniger persönliche Muster ein Mensch mit sich herumträgt, umso weniger Bewertungen und Vorstellungen von Richtig und Falsch hat er. Das ist eine große Befreiung, denn das was ist, darf sein, wie es ist.

Ich erlebe in Sitzungen oft, dass die Klienten, die gerade ein Muster aufgelöst haben, nicht nur ein Gefühl der Erleichterung erleben, sondern sich häufig in dem neu gewonnenen Zustand unsicher fühlen. Es hat sich ein Komplex aufgelöst, der sie meist schon lange Zeit belastet hat. Nun ist da nichts mehr, eine gewisse Leere. Das ist neu und ungewohnt. Doch so fühlt sich wirkliches Gutfühlen an: nichts zu fühlen. In diesem Raum erst kann sich die grundlose Daseinsfreude entfalten. Das gleiche gilt übrigens auch für den Körper: Ein gesunder Körper ist einer, den man praktisch nicht wahrnimmt.

Mit herzlichem Gruß
Ulrich Heister

Immer dieser Stress mit der Harmonie

In weniger als einem Monat ist wieder Weihnachten. Wie der Einzelne auch immer zu dem Fest stehen mag, es ist jedoch für die meisten Menschen eine Zeit, sich mit seiner Familie oder den ihm nahestehenden Menschen zu treffen. Viele wünschen sich eine harmonische Zeit und knüpfen hohe Erwartungen an diese Tage, zumal man sich möglicherweise länger nicht gesehen hat.

Hinzu kommt ein von fast allen gefühlter Stress. Was soll ich nur schenken? Was soll ich nur anziehen? Schon wieder bleiben die Vorbereitungen an mir hängen! Blöd, dass sich die Kinder wünschen, dass der Ex kommt. Und so weiter. Ein guter Nährboden für familiäre oder andere sozialen Spannungen, die schon seit Monaten oder Jahren vor sich hin gären, um endlich zu einem ordentlichen Streit zu werden.

Sollte es dazu kommen, streiten Sie sich! Nutzen Sie die Gelegenheit, um Spannungen abzubauen, Unausgesprochenes loszuwerden und Falsches richtig zu stellen. Aber beachten Sie Regeln: Ihre Absicht sollte konstruktiv sein und zu einer Verbesserung der Umstände beitragen. Formulieren Sie Ich-Botschaften, machen Sie keine Vorwürfe und seien Sie authentisch. Es sollte Ihnen nicht darum gehen Recht zu haben. Achten Sie darauf, nicht in Ihren Emotionen hängen zu bleiben und seien Sie fair. Stellen Sie Ihren Standpunkt dar und hören Sie sich den der anderen an. Schön, wenn Sie einen Konsens finden. Wenn nicht, können die verschiedenen Standpunkte auch nebeneinander stehen bleiben. Versuchen Sie Verständnis für den anderen zu haben und seine Perspektive nachzuvollziehen.

Alte Probleme können sich so leicht in Luft auflösen, erschütterte Beziehungen gekittet und Kriegsbeile begraben werden. Meistens reicht es einmal drüber geredet zu haben. Vielleicht kann die Weihnachtszeit auf diesem Wege wieder etwas mehr Frieden bringen. Schöne Feiertage!

Mit herzlichem Gruß
Ulrich Heister

Un-Sinnsprüche – Folge 2, Das Univerum ist mit mir!

Kürzlich begegnete ich folgendem Spruch: „Your meditation is supported by the entire universe“.  Auf Deutsch: „Ihre Meditation wird durch das gesamte Universum unterstützt“. Es war ein Facebook-Post irgendeiner Meditationsgemeinschaft. Natürlich grafisch aufbereitet mit einem ätherisch anmutendem Buddha im Hintergrund.

Also, ich kann mit solchen Aussagen nichts anfangen. Interessanterweise sind es meistens Menschen, die sich spirituell nennen und meinen für Ganzheit zu stehen, um dann doch Trennung zu predigen. Als gäbe es ein Universum, dass sich zum einen die Mühe macht, alles zu beobachten, was in ihm geschieht und zum anderen wählt, was unterstützenswert ist und was nicht. Was ist das für ein Unsinn!

Zum anderen, liegt in diesem Satz eine große Arroganz und Ignoranz: „Das, was ich tue oder was wir tun oder was alle tun sollten, ist  so viel besser, dass sogar das Universum darauf aufmerksam wird und uns unterstützt!“ Überheblicher geht es kaum.

Es gibt nur eine Ganzheit, ein Sein. Und alles, was in ihm geschieht ist vom Universum unterstützt, denn es findet in diesem Universum statt. Das ist völlig bewertungsfrei. Alles was geschieht, geschieht einfach. Ganz unabhängig davon, ob es einem menschlichen Gehirn gefällt oder nicht. Und auch ganz unabhängig davon, ob ein ziemlich winziges und unbedeutendes Tierchen auf einem Staubkorn in einer Galaxie unter vielen Milliarden  Galaxien irgendeine Bewertung darüber hat, was es tut oder nicht.

Heilung geschieht erst, wenn mit der Realität Frieden geschlossen wird, so wie sie ist.

Und das ist das Wichtigste, wofür es lohnt sich anzustrengen! (Kleiner Scherz.)

Mit herzlichem Gruß
Ulrich Heister

Einfach mal vorne stehen

Stehen Sie manchmal „vorne“ und fühlen sich gar nicht gut dabei? Kommen demnächst Prüfungen auf Sie zu und Sie haben Angst zu versagen? Dann könnte das hier helfen: Ein Kompendium zu Thema Lampenfieber und Prüfungsangst. Es ist das Ergebnis einer Blog-Parade.

Bei einer Blog-Parade schreiben mehrere Blogger zu einem bestimmten Thema einen Blogartikel. Diesmal ging es um Lampenfieber und Prüfungsangst. Entstanden ist ein dickes Kompendium unter Beteiligung von 38 Autorinnen und Autoren. In ihm sind alle Artikel zusammengefasst. Alle Beteiligten beschreiben, wie es möglich ist, die Herausforderung des Momentes, auf den es ankommt, anzunehmen. Sie geben Tipps und Anleitungen. Mit diesem Beitrag habe ich mich an der Blog-Parade beteiligt.

Hier können Sie sich das E-Book als PDF kostenfrei herunterladen.

Viel Spaß bei der Lektüre und viel Erfolg!

Mit herzlichem Gruß
Ulrich Heister

Meditation nicht als Ausnahmezustand

Meditation bedeutet, seine Aufmerksamkeit auf einen bestimmten Aspekt zu richten. Dieser kann ein Gegenstand, ein Körperteil, der Atem, ein Zustand, eine Vorstellung  oder ähnliches sein. Es gibt auch sogenannte dynamische Meditationen. Sie sind in der Regel mit Bewegung verbunden.

Ziel von Meditation kann es sein, die Gedanken zu beruhigen, Gelassenheit zu finden, sich mit bestimmten Aspekten zu verbinden oder sich zu fokussieren.  Das funktioniert in der Regel sehr gut. Je mehr praktiziert wird, desto schneller sind bestimmte Zustände hergestellt, die nach der Meditation eine gewisse Zeit anhalten können.

Bald jedoch stellt sich das Alltagsbewusstsein wieder ein. Die Gedanken fangen wieder an zu rotieren und die ganz normalen Aufgaben wollen erledigt werden. Die Gelassenheit lässt nach und die Meditation verliert ihre Wirkung, da sie ein vorübergehender Ausnahmezustand war.

Versuchen Sie doch bitte mal folgendes: Machen Sie Ihren Alltag zum Objekt Ihrer Meditation. Das ist auch für diejenigen interessant, die bisher nicht meditiert haben. Richten Sie Ihre Aufmerksamkeit auf Ihre unmittelbare sinnliche Wahrnehmung. Bitte beachten Sie, dass ich damit nicht die Gedanken meine. Natürlich werden Gedanken auftreten, doch geben Sie diesen keine besondere Aufmerksamkeit. Bleiben ausschließlich Sie bei Ihren Sinneseindrücken. Fühlen Sie die Kleidung am Körper, die Fläche, auf der Sie sitzen, den Boden unter Ihren Füßen. Riechen Sie, hören Sie, sehen Sie. Unmittelbar.

Machen Sie den meditativen Zustand zur Normalität. Sie werden erleben, dass Ihre Gedanken nachlassen, Sie wacher und präsenter sind. Damit entziehen Sie Problemen den Nährboden.

Mit herzlichem Gruß
Ulrich Heister

Un-Sinnsprüche – Folge 1, Gutmütigkeit

Neulich las ich auf Facebook folgenden vermeintlichen Sinnspruch: „Je gutmütiger ein Mensch ist, desto öfter wird er verletzt.“

Ich finde, hier versucht jemand, eine Rechtfertigung dafür zu finden, keine Verantwortung für seine Empfindungen zu übernehmen. Aus dem obigen Satz spricht eine deutliche Opfermentalität.

Ist jemand gutmütig, weil er Konflikten ausweicht, ist er nicht in der Lage, seinen Standpunkt zu vertreten. So jemand ist leicht verletzt.

Ist er gutmütig und reflektiert, das heißt, er hat seine Themen geklärt, kann er seinen Standpunkt halten. Dann kann er mit dem, was eventuell eine Verletzung auslösen könnte, so umgehen, dass es ihn nicht verletzt.

Fazit: Jeder ist selbst für das verantwortlich, was ihn verletzt. Wer genug davon hat, sich verletzt zu fühlen, hinterfragt die Wunden seiner Vergangenheit und hört damit auf.

Mit herzlichem Gruß
Ulrich Heister

Mental aufräumen

Ein Trigger ist ein Reiz, der in unserem Innern eine mentale und/oder emotionale Reaktion auslöst. Durch ihn werden automatische Programme ausgelöst, die bestimmte Gedanken, Gefühle oder Verhaltensweisen hervorbringen. Manchmal sind diese Reaktionen angemessen, manchmal nicht. Sie sind auf jeden Fall automatisch. Das schränkt unsere Freiheit ein, mit dieser Situation passend und selbstbestimmt umzugehen. Kennen Sie Menschen, die meistens in Phrasen sprechen? Situationen oder Menschen, die in Ihnen immer wieder eine spezielle Reaktion in Form von Gefühlen oder Verhalten auslösen?

Es gibt einen eindeutigen Indikator, mit dem Sie in Ihrem Alltag erkennen können, wann ein persönliches Muster, das einer genaueren Untersuchung wert ist, in Ihnen getriggert wird: Ihr innerer Frieden. Ist dieser gestört, können Sie davon ausgehen, dass eines Ihrer persönlichen Muster aktiviert wurde. Hier lohnt es sich gründlich hinzuschauen. Machen Sie sich bewusst, was da gerade passiert. verschaffen Sie sich Klarheit darüber, was der Trigger war und welche Reaktion er ausgelöst hat. Durchschauen Sie den Automatismus und entscheiden Sie bewusst, sich beim wiederholten Auftreten des Triggers, sich anders zu verhalten oder sich von diesem Gefühl nicht überwältigen zu lassen. Das  erfordert sicherlich etwas Übung, doch der Aufwand lohnt sich.

Es gibt auch stärkere Muster, die sich nicht so einfach per Entscheidung beeinflussen lassen. Hierzu gibt es Techniken, mit denen es leicht möglich ist, Muster zu ändern, die recht widerspenstig scheinen. Für besonders hartnäckige Fälle stehen Profis zur Verfügung. Bearbeiten Sie Ihre Muster und lösen Sie sie auf, werden Sie beobachten, dass Ihr innerer Friede immer seltener gestört wird und Ihre Gelassenheit zunimmt.

Es geht hier natürlich nicht darum, abgestumpft und gleichgültig zu werden und alles zu akzeptieren, was um Sie herum geschieht. Im Gegenteil: Ihre Unterscheidungsfähigkeit wird gestärkt. Ihre Wahrnehmungsfähigkeit wird differenzierter und schärfer sein. Jedoch werden Ereignisse und Situationen Sie nicht mehr so aufwühlen und Sie werden klarer entscheiden können. Sie werden wissen, was zu tun ist.

Mit herzlichem Gruß
Ulrich Heister

Reaktionismus als Mittel gegen Unsicherheit

In der Natur ist zu beobachten, dass Strukturen und Systeme dazu neigen, ihren Zustand zu bewahren. Veränderungen sind immer mit einem Aufwand an Energie verbunden. Physikalische Massen sind träge und Egos mögen Veränderungen nicht. Lediglich, wenn das Ego einen Vorteil oder eine Verbesserung erkennt, kann es einen Wandel gut heißen.

In der Regel mag sich das Ich jedoch nicht gerne auf Neues einlassen. Es hat ja schließlich in jahrelanger, mühevoller Arbeit mentale Muster geschaffen und eine Umgebung gestaltet, die sich bewährt hat. Es hat seinen Weg gefunden das Leben zu bewältigen. Das Ego ist sogar fähig, sich an Gegebenheiten anzupassen und in ihnen zu bestehen, selbst, wenn diese alles andere als ideal sind und es sich nicht in der Lage sieht, eine Verbesserung aus eigener Kraft herbei zu führen. Das ist eine prima Leistung.

Je mehr es sich mit einer bestehenden Situation identifiziert, gleichgültig ob freiwillig oder gezwungenermaßen, desto weniger will es sie verlassen. Das Bekannte gibt ihm Sicherheit, denn es scheint es kontrollieren zu können. Das Unbekannte wirkt bedrohlich, weil etwas geschehen könnte, zu dem es noch kein Bewältigungsprogramm gibt. Daher ist es für eine Person im allgemeinen angenehmer, sich im Bereich des Bekannten zu bewegen und Fremdes zu meiden. Dieser Mechanismus ist derzeit gut in den gesellschaftlichen Ereignissen unseres Landes zu beobachten.

Konservative und Reaktionäre Gesellschaftsbereiche bilden sich aufgrund der Tendenz des Egos zu Sicherheit, Schutz und Bewahrung. Das ist natürlich hilfreich, denn dies dient letztendlich dazu, dem Individuum die Erfüllung seiner Grundbedürfnisse zu sichern. Häufig jedoch neigen solche Strukturen zur Erstarrung und stellen sich notwendigen Neuerungen und Anpassungen entgegen.

Lebendigkeit findet genau an der Grenzfläche zwischen Bekanntem und Unbekanntem statt. Kennen Sie Phasen in Ihrem Leben, in denen die Routine und Verpflichtungen jede Begeisterung zu ersticken scheint? In denen alles etwas fade wirkt? In diesem Fall befinden Sie sich zu lange im Bereich des Bekannten. Befassen Sie sich mit etwas Unbekanntem und lassen Sie sich absichtsvoll darauf ein.

Mit herzlichem Gruß
Ulrich Heister

Einfach mal NICHT tun, was ich mir vorgenommen habe

Selbstoptimierung und Effektivitätssteigerung sind gegenwärtig sehr angesagt. Trotzdem gibt es Tage, an denen einfach nichts klappt, an denen wir nicht in die Gänge kommen oder an denen alle einfach nur nerven. Schon sitzt der imaginäre Guru auf der Schulter und sagt: „Wende Deine Techniken an, du bestimmst deine eigene Realität!“ „Gerade die Menschen, die dich am meisten nerven, sind deine größten Lehrer!“ „Sei ganz hier und jetzt!“ Und so weiter.

Meiner Erfahrung nach erzeugt das gerade in solchen Momenten oft nur zusätzlichen Druck: Ich muss nicht nur dieses und jenes schaffen, muss nicht nur allen möglichen Ansprüchen genügen. Jetzt soll ich auch noch ganz hier und jetzt sein, um mich aus der Stille heraus zu refokussieren. Und wenn mir das nicht gelingt, habe ich einmal mehr das Gefühl, versagt zu haben.

Techniken zu haben und diese anwenden zu können, ist eine gute Sache. Doch manchmal führt eine ganz simple Übung oft zu deutlicher Entspannung im Alltag: Einfach mal NICHT tun, was ich mir gerade vorgenommen habe – und zwar nicht mit dem selbstabwertenden Gefühl, schon wieder dem inneren Schweinhund nachgegeben zu haben. Sondern bewusst mit Lust und Freude aus dem eigenen Ursprung heraus. Nicht trainieren zu gehen, obwohl es wieder dran wäre. Einen Film gucken, statt den Artikel fertig zu schreiben. Ins Bett legen, obwohl die Sonne scheint. Einen Tee und ein Buch nehmen und die Fenster nicht putzen.

Das kostet nicht nur keinen Aufwand. Solche Nachsicht mit sich selbst führt oft dazu, dass wir auch mit anderen nachsichtiger werden und insgesamt die Dinge leichter, entspannter akzeptieren können. Ganz ohne große Worte über das „Hier und Jetzt“. Denn da sind wir ja ohnehin immer – ob wir es nun wollen oder nicht. Dafür müssen wir uns nicht auch noch anstrengen. Durchhänger anzunehmen verringert den Widerstand gegen das, was getan werden muss. Es dann zu erledigen macht mehr Spaß und bringt bessere Ergebnisse. Probieren Sie es einfach einmal aus. Viel Spaß beim Einfach-mal-nicht-Tun!

Mit herzlichem Gruß
Ulrich Heister

Lebendigkeit

Eine Freundin erzählte, dass sie ohne eigenes Zutun in einen privaten Rechtsstreit geraten sei und wie sehr die Situation sie belaste. Sie habe nach jedem Brief vom gegnerischen Familienanwalt tagelang einen Kloß im Magen, und jede neue Eskalatiosstufe raube ihr etwas mehr Lebensenergie.

Ich fragte sie, ob es ihr in einer solchen akuten Situation wenigstens kurz gelingen könnte, einen Standpunkt einzunehmen, in dem sie die Angriffe und Vorwürfe einfach als Ausdruck von Lebendigkeit betrachtet: so etwas wie ein Schauspiel, das sich in allen seinen Facetten entfaltet. Für kurze Zeit fühlte sie wirkliche Erleichterung. Nach ein paar Wochen berichtete sie, dass ihr diese kurzen Momente immer besser gelängen, und dass sie diese Haltung mittlerweile auf viele andere belastende Lebenssituationen ausdehne. Der Familienstreit sei nun weniger belastend, und allein durch diese Übung habe sich ihre Lebensqualität wieder deutlich verbessert ­ obgleich die Sache selbst noch lange nicht ausgestanden sei.

Es geht nicht darum, Konflikten auszuweichen. Sie können weiter alles tun, was nötig ist. Es geht auch nicht darum, Schwieriges zu verharmlosen. Manche Dinge sind belastend und müssen bearbeitet und gelöst werden, manchmal mit juristischen Mitteln. Manchmal in einer tiefergehenden Therapie. Aber wenn es zwischenzeitlich gelingt, immer einmal herauszutreten aus den Dramen, dann kann das Leben insgesamt immer leichter werden. Vielleicht zeigt sich sogar, dass sich mit weniger innerer Spannung unerwartete Lösungswege aufzeigen.

Übrigens geht es auch nicht darum, sich nicht zu ärgern. Ärgern Sie sich kräftig und intensiv, und nehmen Sie dann sekundenweise den Standpunkt ein, dass dieser eigene Ärger einfach ein Ausdruck von Lebendigkeit ist. Beginnen Sie mit kleinen Ärgernissen und gestatten Sie sich, dass es nicht immer klappt, diese Haltung einzunehmen. Freuen Sie sich, wenn es für Sekundenbruchteile klappt.

Mit herzlichem Gruß
Ulrich Heister

Einfach mal nicht persönlich nehmen

Der Partner oder die Partnerin scheint mal wieder stinkig zu sein, der Chef ist kurz angebunden, die Kollegin schnippisch, die Passantin in der Fußgängerzone guckt Sie schief an. Und schon fühlen Sie sich irgendwie unwohl. Hierbei handelt es sich um einen Automatismus, der in den meisten Egos eingebaut ist.

Fast alle Menschen streben danach gemocht zu werden. Das ist ja auch sinnvoll. Als Kind bekommen wir als artiges Kind unsere Wünsche eher von den Eltern erfüllt, als wenn wir bockig oder ungezogen sind. Das hatten wir schnell herausgefunden. Auch dem Erwachsenen ist klar, dass es im Leben leichter läuft und Kontakte schneller geknüpft werden können, wenn er freundlich ist.

Das Ego hat grundsätzlich einen „Ich möchte gemocht werden“-, „Ich möchte Aufmerksamkeit“-Mechanismus. Die Beispiele aus dem ersten Absatz laufen diesem entgegen. Also bezieht das Ich das Verhalten der betreffenden Personen auf sich selbst. Das Ego bezieht ohnehin immer gerne irgendwelche Geschehen in seiner Umgebung auf sich selbst. Dies ist eigentlich ein Schutzmechanismus. Meist führt so etwas zu einem Schuldgefühl oder dem Empfinden, „nicht richtig“ zu sein. Das motiviert uns, Maßnahmen einzuleiten, damit wir wieder gemocht werden. Wir bezwecken also, positive Signale vom Gegenüber zu provozieren.

Ein unseliger Mechanismus, weil er uns in ständiger Abhängigkeit von dem hält, wie andere (vermeintlich) auf uns reagieren und wie sie sich uns gegenüber verhalten. Aber Sie können den Automatismus durchbrechen. Versuchen Sie folgendes: Beziehen Sie das Geschehen um sich herum absichtsvoll nicht auf sich selbst. Wenn der Partner oder die Partnerin Sie anpflaumt, beziehen Sie das nicht auf sich. Wenn der Chef kurz angebunden ist, machen Sie sich klar, dass das nichts mit Ihnen selbst zu tun hat. Erkennen Sie, dass die Passantin in der Fußgängerzone einfach nur schief guckt. Wenn die Kollegin schnippisch ist, hat sie möglicherweise einfach nur einen schlechten Tag. Sehen Sie die Menschen, wie sie sind, ohne damit in Resonanz zu gehen, ohne ihr Verhalten auf sich zu beziehen. Da ist lediglich jemand, der gerade so ist, wie er ist. Das hat nichts mit Ihnen zu tun.

Wenn Sie diese Sichtweise immer wieder üben, wird sie ihnen zunehmend leicht fallen, und Sie werden sehen, dass Sie dies sehr entspannt.

Mit herzlichem Gruß
Ulrich Heister

Ihre Fragen?

Heute gibt es in der Bewusstseins-Notiz einen etwas anderen Denkanstoß: Haben Sie eine Frage aus dem Bereich Bewusstsein, Persönlichkeitsentwicklung, Therapie oder Beratung? Gibt es grundlegende Lebensthemen, für die Sie schon länger nach Antworten suchen?
Dann senden Sie mir diese an mail@ulrich-heister.de. Sie können auch auch das Kontaktformular verwenden, um Ihre Frage einzureichen.
Ich greife die eingesandten Fragestellungen im Bewusstseinsblog, in diesem Newsletter oder in meinem Videoblog auf, das ich in Kürze starte. Es versteht sich, dass ich dabei Ihre persönlichen Informationen vollkommen anonymisiert behandle.
Ich freue mich auf Ihre Einsendungen!

Mit herzlichem Gruß
Ulrich Heister

Stress und Angst spontan reduzieren

Stress, Angst, Hilflosigkeit, Verzweiflung, Minderwertigkeitsgefühle: Wenn wir in einer Situation unerwünschte Empfindungen erleben, dann stehen unerkannte und nicht aufgelöster Muster oder frühere Erlebnisse dahinter. Diese kann man herausfinden und bearbeiten. Allerdings nützt uns das wenig, wenn wir im Vorraum eines wichtigen Vorstellungsgesprächs oder einer Präsentation sitzen; wenn wir in einem privaten Konflikt um Fassung ringen; wenn wir uns mitten in einer sehr unangenehmen Situation finden, in der wir keinen klaren Gedanken fassen können.

Hier bietet eine einfache Übung sofortige Abhilfe, die Sie überall spontan ausführen können:

Die Stirnbeinhöcker-Übung

Setzen Sie sich an einen Tisch, stützen Sie die Ellenbogen auf den Tisch oder eine andere Ablagefläche und legen Sie Zeige- und Mittelfingen beider Hände auf die beiden Stirnbeinhöcker an Ihrer Stirn. Die Abbildung zeigt, wo die Stirnbeinhöcker liegen. Sie können die kleinen Erhebungen leicht tasten.

Nun stellen Sie sich Ihre zukünftige Situation, das Gespräch vor, mit allen Aspekten, die Ihnen ein ungutes Gefühl machen. Fühlen Sie die Empfindungen, die Sie jetzt dazu haben und richten Sie Ihre Aufmerksamkeit gleichzeitig auf die Fingerspitzen, die Ihre Stirn leicht berühren. Bleiben Sie bei einem Gefühl so lange, bis es sich auflöst und Sie ein leichtes Pulsieren in den Fingerspitzen fühlen. Dann gehen Sie zur nächsten Empfindung. Machen Sie das so lange, bis Sie unbelastet an das kommende Gespräch denken können.

Viele meiner Klientinnen und Klienten wenden diese Übung in allen unerwünschten Situationen an. Interessanterweise berichten sie, dass die gleiche Situation beim nächsten Mal oft schon viel weniger belastet ist oder die betreffende unerwünschte Emotion insgesamt immer seltener auftritt.

Probieren Sie es einfach selbst aus! Ich freue mich über Feedback und Erfahrungsberichte.

Mit herzlichem Gruß
Ulrich Heister