Warum Mitgefühl gut für Dich ist – eine Übung

Fühlst Du Dich manchmal getrennt von Dir selbst, von anderen Menschen oder von der Welt? Du empfindest Bezugslosigkeit, wie auf einer einsamen Insel lebend? Das Mitgefühl bleibt auf der Strecke? Wir Menschen haben ein Grundbedürfnis nach Verbindung. Manchmal geht sie uns verloren, wir ziehen uns in uns selbst zurück und wissen nicht, wie wir da wieder raus kommen. In diesem Newsletter erfährst Du, was Du in solchen Situationen tun kannst.

Verbindung ist eine Urerfahrung

Wir alle haben im Mutterleib Verbindung erfahren. Wir sind aus Verbindung entstanden und in den folgenden neun Monaten wuchsen wir in dieser Sphäre heran. Liebevolle und akzeptierende Eltern haben die Verbindung nach der Geburt aufrechterhalten. Das ist jedoch nicht immer so. Das Vertrauen in die Verbindung kann schon vor der Geburt massiv geschädigt werden. Beispielsweise, wenn die Mutter sich innerlich gegen das Kind wehrt, giftige Substanzen zu sich nimmt (Alkohol, Medikamente, Drogen) oder gar einen Abtreibungsversuch unternimmt. Es kann auch schädlich sein, wenn sie selbst zu viel Stress hat oder unter einem nicht aufgearbeiteten Trauma leidet. Die ständige Flutung den Ungeborenen mit Stresshormonen stört die Entwicklung seines eigenen Stressbewältigungssystems. Dadurch kann später die Fähigkeit zu vertrauen oder zur Empathie eingeschränkt sein.

Entmenschlichte Gesellschaft

Auch spätere Erfahrungen im Leben können dazu führen, dass es generell unattraktiv erscheint, mit anderen in Verbindung zu sein. Obwohl die Erfahrung von Verbindung für uns alle so extrem wichtig ist, bekommt sie gesellschaftlich nicht die Bedeutung, die sie verdient. Es ist wichtiger, besonders zu sein und dafür alles zu tun, was nötig ist. Wie Leistung zu zeigen und andere zu beeindrucken. Wir leben in einer Gesellschaft des ständigen Wettbewerbes, in der es darum geht vorne zu sein und andere zu übertrumpfen. Nicht nur im Beruf. Das setzt sich im Privatleben fort, mit den Freunden, in der Familie und in der Beziehung. Das macht einen enormen Druck. Und das alles nur, weil wir geliebt werden wollen, das heißt, Verbindung erleben wollen.

Verbindung wieder herstellen

Was kannst Du denn nun tun, um aus eigener Kraft, von innen heraus wieder Verbindung zu Dir selbst, zu anderen Menschen oder der Welt wieder herzustellen? Die Antwortet lautet: Dein Mitgefühl zu trainieren. Mitgefühl zu haben bedeutet in erster Linie wieder zu fühlen. Das ist ein guter Anfang. Verbindung lässt sich nur über das Fühlen aufbauen. Es ist keine intellektuelle Leistung.

Du hast in Dir ein Hormon, das Dich Verbindung fühlen lässt: Oxytocin. Es wird im Gehirn vom Hypothalamus ausgeschüttet, wenn Du zum Beispiel Blickkontakt hast, wohlmeinende körperliche Berührungen erfährst, Hilfe annimmst oder Hilfe gibst. Schon ist klar, was Du tun kannst: Habe zu den Menschen, mit denen Du zu tun hast, bewussten Blickkontakt. Wenn Du eine Partnerin oder einen Partner hast, tauscht miteinander zärtliche und aufmerksame Berührungen aus. Hierüber kommst Du wieder ins Fühlen. Das Denken tritt in den Hintergrund. Denken verhindert das empfinden von Verbindung generell. Wenn Du bei irgendetwas Hilfe brauchst bitte um Hilfe und wenn Du helfen kannst, dann tue es. Es wird Dein Wohlgefühl steigern. In beiden Fällen.

Mitgefühl trainieren

Mit der folgenden Übung kannst Du leicht Dein Mitgefühl steigern. Das bringt Dich auch Dir selbst näher und Du kannst wieder Frieden mit der Welt herstellen. Die Übung ist sehr einfach und Du kannst sie überall durchführen, wo Menschen sind. Du kannst die Übung aus einiger Distanz machen. Es ist nicht nötig, dass derjenige etwas davon mitbekommt. Wähle einen Menschen aus und richte Deine Aufmerksamkeit auf ihn. Dann tue folgendes:

Mache dir klar, dass dieser Mensch, so wie Du, Zufriedenheit erreichen möchte.

Mache dir klar, dass dieser Mensch, so wie Du, seine eigenen Bedürfnisse erfüllen möchte.

Mache dir klar, dass dieser Mensch, so wie Du, durch Erfahrungen lernt.

Viel Freude dabei!

Mit herzlichem Gruß
Ulrich Heister

Praxis für Psychotherapie und Hypnosetherapie | ulrich-heister.de

Wir definieren uns größtenteils über andere. Wir vergleichen uns. Wer oder wie wärest Du ohne die anderen? Ich lade Dich zu einem Gedankenexperiment ein: „Wer bist du, wenn dich niemand wahrnimmt?“. Eine kleine Reise zu Dir selbst.

Wir brauchen andere Menschen

Ohne andere Menschen können wir nicht sein. Wir lernen von anderen und definieren uns selbst in Relation zu ihnen. Indem wir uns vergleichen orientieren wir uns, wir stellen fest, wo wir stehen und bilden unsere Werte. Der Mensch ist ein soziales Wesen. Doch diese Eigenschaft setzt uns oft auch unter Druck.

Unser soziales System bringt es mit sich, dass es hierarchisch ist. Jeder hat eine Rangliste in seinem Kopf, auf der er sich verortet. Wie viele Freunde habe ich? Was kann ich besonders gut? Wie viel Anerkennung bekomme ich? Welchen gesellschaftlichen Status habe ich? Wie groß ist mein Einfluss? Wieviel verdiene ich? Wie groß ist meine Macht? Und so weiter. Es ist normal, nach einer hohen Position in diesem System zu streben. Unser Ich ist so gestrickt. Und es kann zur Sucht werden.

Vergleichen macht Druck

Niemand möchte sich auf den unteren Rängen wiederfinden und hat daher einen Drang dazu, Bedeutung zu erlangen, jedenfalls solange er meint, dieses Spiel mitspielen zu müssen. Und das ist bei fast allen so, weltweit. Um unsere Position einschätzen zu können, vergleichen wir uns. Wir bewerten uns selbst und die anderen.

Diese Bewertungen nehmen oft ungesunde Züge an. Nicht wenige leiden darunter. „Ich bin nicht schön genug.“ „Ich bin nicht schlank genug.“ „Ich bin nicht fähig genug.“ „Ich bin nicht reich genug.“ Und so weiter. Ein riesiger Druck entsteht, der großes Leiden mit sich bringt und Zufriedenheit unmöglich macht. Nicht selten geschieht es, dass Menschen so den Kontakt zu sich selbst verlieren.

Oft ist zu beobachten, dass durch diese Haltung und die gesellschaftlichen Verwicklungen viele gar nicht mehr allein sein können oder wollen. Sie sind abhängig vom Bezug zu anderen, weil sie selbst gar nicht mehr wissen, wer sie eigentlich sind und was sie ausmacht. Aufgrund der Ausrichtung auf andere und einer vernachlässigten Selbstbezüglichkeit ist eine innere Leere entstanden. Die Persönlichkeit wurde eher aufgrund der Erwartungen von anderen und dem gesellschaftlichen Druck ausgebildet. Es wurde als wichtiger angesehen, eine Funktion zu erfüllen, als ein eigenes Leben aufgrund eigener Wünsche und Bedürfnisse zu gestalten.

Meditation: Rückbesinnung auf Dich selbst

Ich möchte Dich zu einer Meditation einladen. Setze Dich ungestört hin, entspanne Dich und richte Deine Aufmerksamkeit nach innen. Wenn Du zur Ruhe gekommen bist und dieser Zustand stabil ist, versetzte Dich in die folgende Situation. Was ich dir vorschlage, ist natürlich etwas extrem, aber es ist ja auch nur ein Gedankenexperiment. Versuche es trotzdem so realistisch wie möglich zu erfahren.

Stelle Dir vor, Du wärest der einzige Mensch auf der Welt. Es gibt niemand anderen, außer Dir. Du bist mit allem versorgt, was Du zum Leben brauchst. Lass diese Vorstellung so echt werden, wie es geht und stelle Dir dann die folgenden Fragen. Nimm Dir jeweils einige Zeit, sie zu untersuchen:

  • Empfindest Du es eher befreiend oder macht es Dir Angst, allein auf der Welt zu sein? Warum?
  • Was kannst Du nun an inneren Haltungen, Überzeugungen und Bewertungen aufgeben, weil sie überflüssig geworden sind?
  • Was hast Du von anderen übernommen, was Dir jetzt noch wichtig oder wertvoll ist?
  • Was hast Du von anderen übernommen, was Du jetzt aufgeben kannst?
  • Womit möchtest Du Deine Tage füllen?
  • Was möchtest Du erleben?
  • Wer bist du, wenn dich niemand wahrnimmt?

Mache Dir im Anschluss Notizen und überlege, was Du hiervon in Deinem normalen Leben umsetzen kannst und willst. Ich bin überzeugt davon, dass Dich das bereichern könnte und Dich näher zu Dir selbst bringt. Die letzte Frage hat einen anderen Charakter. Wie fühlt es sich für Dich an, sich auf sie einzulassen? Sie kann Dich sehr weit führen, wenn Du das zulässt.

Viel Freude dabei!

Mit herzlichem Gruß
Ulrich Heister

Praxis für Psychotherapie und Hypnosetherapie | ulrich-heister.de

In den Sitzungen mit meinen Klienten, aber auch in Gesprächen kommt immer wieder diese Frage auf: „Wie kann ich besser bei mir bleiben?“ In einem früheren Artikel habe ich schon beschrieben, dass es gar nicht so leicht ist, zu bestimmen, was dieses Ich eigentlich ist, bei dem wir bleiben wollen. In diesem Newsletter biete ich Dir eine Übung an, mit dem Du trainieren kannst, Deine Wahrnehmung zur Zentrierung zu nutzen.

Das Dilemma zeigt sich schon in der Fragestellung

Fällt Dir auch das Paradoxon auf, das sich in der Frage „Wie kann ich besser bei mir bleiben?“ liegt? Wer ist dieses „Ich“ und zu  wem gehört dieses „mir“? Hier zeigt sich bereits eine Spaltung, die sich in unseren Gedanken vollzieht. Tatsächlich ist da ein Körper mit einem Nervensystem. Dieses Nervensystem (genauer: unser präfrontaler Cortex) bringt die Abstraktion, die Vorstellung, eines Ich (Subjekt) hervor, welches bei sich (Objekt) bleiben möchte.

Wir werden ohne Identität geboren, doch nach einigen Lebensjahren sind wir voll mit diesem imaginären Ich identifiziert. Das ist wichtig, damit wir einen Bezugspunkt haben, von dem aus wir unsere Erfahrungen einordnen und unser Verhalten steuern können. Ohne unsere Ichs könnten wir nicht selbstbestimmt leben und unsere komplexe Gesellschaft würde nicht funktionieren.

Doch das Ich spaltet. Nach außen beispielsweise in Ich und Du. Aber auch nach innen. Es spaltet in Ich und „mich“ beziehungsweise „mein“, das heißt, es erschafft Objekte: „Mein Arm.“, der Arm wird zum Objekt. „Ich mag mich nicht sehr.“, „mich“ wird zum Objekt. Ein abgetrennter Teil schaut also auf sich selbst, als etwas anderes, und beurteilt sich. Eine empfundene Spaltung entsteht, obwohl die ursprüngliche Einheit (Körper mit Nervensystem) nie versehrt war. Das ist der Ursache vieler Probleme. Die Objekte entstehen nur als Vorstellung in unserem Kopf. Diese Vorstellungen beziehungsweise Abstraktionen lassen Fragen entstehen, wie: „Wie kann ich besser bei mir bleiben?“. Wir spalten einen imaginären Standpunkt von uns selbst ab. Es entsteht der Eindruck, wir seien nicht ganz bei uns. Was absolut richtig ist.

Dissoziation als krasse Form der Spaltung

Eine besonders starke Form dieser Spaltung ist die Dissoziation. Sie kann so weit gehen, dass der Mensch den Bezug zu sich selbst vollkommen verliert. Eine Erfahrung, die uns überfordert, kann eine Dissoziation auslösen. Zum Beispiel ein Unfall, eine Gewalterfahrung oder etwas, das wir nicht in unser Weltbild integrieren wollen oder können. Um den Schmerz, die Überforderung, die Hilflosigkeit, das Ausgeliefert sein, die Verletzung, den Kontrollverlust, die Scham, die Demütigung oder was auch immer, nicht spüren, fühlen oder wahrnehmen zu müssen, können wir uns mental von uns selbst völlig abtrennen.

Das ist ein uralter Schutzmechanismus, über den wir verfügen. Der Schockzustand soll uns helfen, insoweit funktionsfähig zu bleiben, um uns aus der Gefahrensituation zu entfernen oder in ihr kämpfen zu können. Und er sollte, nachdem wir das Ereignis überstanden haben, wieder verschwinden. Das tut er aber nicht immer. Dann sprechen wir von einem Trauma. Der Schockzustand wird chronisch. Er soll uns weiterhin vor den Gefühlen, Empfindungen und Erinnerungen beschützen.

Ein anderer Grund für eine Abspaltung kann sein, dass uns eine schmerzvolle Erfahrung gelehrt hat, dass es hilfreich sein kann, zu wissen was in anderen vor sich geht, um drohendes Unheil erkennen und vorzeitig reagieren zu können. So versetzen wir uns in die anderen und checken deren Zustand. Dabei fragen wir uns, was wohl als nächstes geschieht, wie der andere sich verhalten wird, wie wir uns verhalten sollten und was wohl von uns erwartet wird. Auch diese Abspaltung durch das Versetzen in andere dient dem Selbstschutz.

Die Abtrennung hat trotz des (begrenzten) Nutzen viele Nachteile: Wir nehmen uns selbst nicht mehr oder nicht mehr vollständig wahr.  Wir sind von den eigenen Gefühlen abgetrennt, können schlecht persönliche Verbindungen aufbauen, nehmen unsere Bedürfnisse nur eingeschränkt war oder unsere Wahrnehmung ist reduziert. Wir fühlen uns kaum lebendig, das Leben erscheint schal und bedrohlich, fühlen wenig Lebensfreude und meinen, neben uns selbst zu stehen.

Zur Ganzheit zurückkehren

Wie stark die Spaltung auch immer ist, die Du erfährst und die Frage „Wie kann ich besser bei mir bleiben?“ aufkommen lässt, sie lässt sich heilen. Ich zeige Dir hier einen Weg, wie Du zu Deiner Ganzheit zurückfinden kannst. Ganz wichtig ist zu erkennen, dass die Gefahrensituation längst vorbei ist. Wahrscheinlich bist Du nun schon wesentlich älter und hättest jetzt ganz andere Möglichkeiten, mit dieser Situation umzugehen. Mache Dir klar, dass Du diesen chronischen Zustand eigentlich nicht mehr brauchst.

Dann stellst Du Deine Ganzheit wieder her. Da wir wissen, dass das Ich und unsere Identitäten kein verlässlicher Bezugspunkt sind, nutzen wir unsere unmittelbare Wahrnehmung, um uns zu integrieren. Du wirst bemerken, dass Du Dich dabei wieder als ein Ganzes empfindest und Verbindung spürst.
Anleitung

Setze Dich an einem ungestörten Ort in einen bequemen Sessel und entspanne Dich. Um die Entspannung einzuleiten, kann Dir dieses Video helfen. Nun lasse um Dich herum in Deiner Vorstellung Deinen Wohlfühlort entstehen. Das kann ein Ort sein, den Du kennst oder ein Fantasieort. Schau Dich dort um und lasse die Eindrücke klar und lebendig werden, so, als seiest Du tatsächlich dort.

Nun überprüfe, ob Du Dich dort von außen siehst oder ob Du aus Deinen eigenen Augen schaust. Solltest Du Dich von außen sehen, bist Du von Dir abgetrennt. Gehe mit Deiner Wahrnehmung absichtsvoll in Deinen Körper hinein. Achte im weiteren Verlauf darauf, aus Dir selbst heraus wahrzunehmen. Schaue Dich aus Deinen eigenen Augen an Deinem Wohlfühlort um. Höre auch die Geräusche, die zu Deinem Wohlfühlort gehören. Rieche, wie es dort riecht! Vielleicht gehört auch ein Geschmack dazu? Fühle, wie Du Dich dort fühlst! Sei ganz dort! Benutze alle Deine Sinne, um ganz dort zu sein! Fühle Dich wohl! Sei in Deinem Körper!

Wenn Du diesen Eindruck von Deinem Wohlfühlort klar spürst, lasse ihn noch stärker werden. Genieße ihn eine Zeit lang. Dann kehre mit diesem Gefühl der Ganzheit und Deinen aktivierten Sinnen in Deine Gegenwart zurück. Bewege Dich ein bisschen und öffne die Augen. Bleibe dabei in Deiner unmittelbaren Wahrnehmung. Nun fühle Dich in Deiner tatsächlichen Umgebung wohl und benutze Deine Sinne aus Dir selbst heraus, um das, was um Dich herum ist, wahrzunehmen. Gehe mit dieser Empfindung durch Deinen Alltag und sei in diesem Zustand mit anderen Menschen in Kontakt.

Trainiere dies immer wieder, damit diese Art, mit Dir in Verbindung zu sein, Dein normaler Zustand wird. Solltest Du Schwierigkeiten bei der Übung haben oder Dein Problem weiter bestehen, melde Dich bei mir. Gemeinsam bekommen wir es hin.

Mit herzlichem Gruß
Ulrich Heister

Praxis für Psychotherapie und Hypnosetherapie | ulrich-heister.de

Kennst Du das? Im Kopf rotieren die Gedanken. Ein Gedanke jagt den anderen. Es entstehen unendliche Gedankenketten. Den ganzen Tag lang ist Lärm im Kopf und Du bist mit Deiner Aufmerksamkeit in der Zukunft oder in der Vergangenheit. Selbst, wenn Du Ruhe haben könntest, geht der Krach im Kopf weiter. Wirkliche Entspannung scheint unerreichbar. Auch die Emotionen, die durch die Gedanken ausgelöst werden, verhindern eine innere Ausgeglichenheit. Hier erfährst Du, was Du tun kannst, um Ruhe zu finden.

Denken verhindert das Fühlen

Dieser oben beschriebene Zustand ist die Quelle fast aller Probleme, die wir haben. Das liegt daran, dass wir die gefühlte Verbindung zu uns selbst verlieren. Starke Identifikation mit dem Denken verhindert Fühlen. Das ist das Problem: Wir nehmen uns selbst und unsere Bedürfnisse nur noch schwach oder gar nicht mehr wahr. Wir arbeiten oder essen mehr, als es uns gut tut, bekommen von dem, was tatsächlich ist, nur noch wenig mit oder spüren kaum Verbindung zu anderen Menschen. Alles scheint irgendwie leer, fade und distanziert.

Hinzu kommt, dass es uns in diesem Zustand schwer fällt, Entscheidungen zu treffen, die uns zufrieden stellen. Denn wir können zu einer Entscheidung nur stehen, wenn wir sie als richtig wahrnehmen. Und dazu müssen wir sie fühlen können. Das Fühlen verhindert, dass wir uns zu etwas entscheiden, was falsch ist und nicht zu uns passt. Sicher ist es wichtig, vor einer Entscheidung die Fakten abzuwägen, doch Untersuchungen zeigen, dass unser Gefühl letztendlich mehr zur Entscheidung beiträgt, als der Verstand. Wer fühlen kann, entscheidet sich schneller und das Ergebnis führt zu größerer Zufriedenheit.

Denken macht Emotionen

Mache bitte folgenden Versuch: Denke an eine Situation, von der Du denkst, dass Du etwas falsch gemacht hast. Welche Gefühle stellen sich ein, wenn Du daran denkst? Es werden sicherlich keine angenehm sein. Jetzt denke bitte an einen sehr schönen Moment, beispielsweise in einem Urlaub. Na, wie ist das? Bestimmt wesentlich wohltuender, oder? Dieses kleine Experiment zeigt: Wie wir uns fühlen, hängt sehr stark davon ab, worauf wir unsere Aufmerksamkeit richten, sprich, woran wir denken.

Bei den meisten Menschen geschieht das Steuern der Aufmerksamkeit automatisch. Automatisch heißt, dass unsere Persönlichkeitsstrukturen festlegen, worauf wir unsere Aufmerksamkeit richten. Es geschieht nicht absichtsvoll und bewusst. Daher haben die Gedanken über uns Kontrolle und nicht umgekehrt, wie es eigentlich sinnvoll wäre. Daher kommt es auch, dass wir uns oft in Emotionen wiederfinden, die wie angeflogen erscheinen und die mit der gegenwärtigen Situation tatsächlich nichts zu tun haben. Plötzliche auftretende Ängste, Niedergeschlagenheit, Aufregung, Zweifel, Sorgen und so weiter. Diese gedankeninduzierten Emotionen können sehr belastend sein. Daher ist es sinnvoll, zu lernen, die Aufmerksamkeit bewusst zu steuern.

Emotionen und Fühlen

Hier ist es jetzt sinnvoll, klar zwischen Emotionen und Fühlen zu unterscheiden. Emotionen treten aufgrund von Gedanken oder Ereignissen auf. Beispielsweise Wut, Trauer, Freude, Glück, Dankbarkeit, Verzweiflung, Niedergeschlagenheit, Eifersucht und viele mehr. Wir denken daran, nicht so erfolgreich zu sein, wie wir es uns eigentlich wünschen und fühlen uns niedergeschlagen. Ein Freund kommt zu Besuch und wir freuen uns. Wir sehen einen Film und werden wütend, weil der Böse dem Protagonisten gerade schwer zusetzt.

Fühlen heißt andererseits wahrzunehmen, was gerade in und um uns herum ist. Fühlen bringt uns in Verbindung. Wir fühlen den Menschen gegenüber und spüren eine Verbindung. Wir fühlen unsere Umgebung und fühlen uns lebendig. Wir fühlen unsere Emotionen und nehmen sie wahr. Interessant ist, dass das Fühlen „negativer“ Emotionen diese auflöst und das Fühlen „positiver“ Gefühle diese verstärkt. Probiere es aus! Wichtig ist, die „negativen“ Gefühle möglichst widerstandfrei wahrzunehmen.

Absichtsvolles Fühlen lässt Denken zur Ruhe kommen

Du hast weiter oben erfahren, dass Denken das Fühlen behindert. Gleiches gilt umgekehrt. Fühlen verhindert das Denken. Das ist der einfachste und wirkungsvollste Trick, um Ruhe in den Kopf zu bringen und endlich inneren Frieden zu empfinden.

Zum Fühlen brauchen wir unsere Sinne. Ganz praktisch heißt das, dass wir unsere Aufmerksamkeit auf unsere Wahrnehmung, also auf unsere Sinne richten. Ich zeige Dir jetzt zwei einfache Übungen, mit denen Du das ganz leicht tun kannst.

Übung Eins: Lausche! Setze Dich einfach hin und höre die Geräusche Deiner Umgebung. Das ist alles. Mache NICHTS anderes. Denke nicht darüber nach, was Du hörst oder woher es kommt. Bewerte es nicht. Wenn Du bemerkst, dass Deine Aufmerksamkeit bei Deinen Gedanken ist, lenke sie zurück auf das Lauschen. Das geht natürlich umso leichter, je mehr uns gefällt, was wir hören. Deswegen gehe in die Natur und höre die Geräusche dort oder höre ganz bewusst Musik. Nimm Dir mindestens 15 Minuten Zeit dafür.

Übung Zwei: Taste! Setze Dich entspannt hin, schließe die Augen und lege nur die Fingerspitzen Deiner beiden Zeigefinger auf Deine Oberschenkel. Nun fühle zuerst die Kontaktstelle der einen Seite eine Weile, dann die Kontaktstelle auf der anderen Seite. Dann fühle beide Kontaktstellen gleichzeitig. Auch hier gilt wieder: Wird Deine Aufmerksamkeit abgelenkt, bringe sie zurück zu den Kontaktstellen. Vielleicht spürst Du in ihnen ein Pulsieren oder Kribbeln? Mache das mindestens 15 Minuten lang.

Wichtig ist das Tun

Es kann sein, dass Dir das anfangs schwer fällt. Vor allem, wenn Du ein „Kopfmensch“ bist. Übe immer wieder, mehrmals am Tag. Du wirst sehr davon profitieren. Verkürze die Dauer der Übung, wenn nötig, denn es ist wichtiger regelmäßig zu trainieren, als lange. Irgendwann wird Dir die Übung leicht fallen und es wird sich ein starkes Wohlgefühl in Dir ausbreiten. Sei auch im Alltag mit der Aufmerksamkeit bei Deinen Sinnen. Schaue, höre, taste, rieche und schmecke bewusst. Das geht fast immer. Solltest Du Schwierigkeiten dabei haben, melde Dich bei mir. Zusammen bekommen wir das hin.

Natürlich kannst Du nicht auf Dauer gedankenfrei sein. Das ist nicht das Ziel, denn das Denken hat ja auch einen Nutzen. Sobald Du die bewusste Steuerung der Aufmerksamkeit loslässt, werden sich wieder automatische Gedanken einstellen. Mit Hilfe dieses Trainings wird es jedoch stiller in Deinem Kopf werden, Du wirst weniger belastende Emotionen haben, Deinen Gedanken weniger Wichtigkeit geben, gelassener sein und klarer denken.

Mit herzlichem Gruß
Ulrich Heister

Praxis für Psychotherapie und Hypnosetherapie | ulrich-heister.de

Fühlst Du Dich gekränkt, allein gelassen oder hast Groll auf jemanden? Dann könnte Vergebung weiterhelfen. Vergebung wird, glaube ich, oft als uncool oder als Schwäche angesehen. Dabei ist der Vorgang der Vergebung äußerst heilsam. Warum das so ist und wie Vergebung funktioniert, liest Du hier.

Umgang mit Verletzungen

Spricht jemand darüber, dass sie oder er sich von jemand anderem verletzt oder sich ungerecht behandelt fühlt, kommen als Reaktion vom anderen oft Formulierungen wie „da musst du drüber stehen“ oder „vergiss es“. Manchmal auch krassere Formulierungen wie „das Schwein sollte ein paar in die Fresse kriegen“ oder „der gehört in den Knast“. Das mag eine notwendige juristische Folge sein, aber der oder dem Betroffenen nützt das eher weniger.

Wir meinen oft, dass eine Rache, Wiedergutmachung oder Bestrafung uns wieder den Frieden bringt. Doch das funktioniert nicht immer und ist manchmal vielleicht gar nicht möglich. Und dann blieben wir auf unseren schlechten Gefühlen sitzen. Denn die eigenen Gefühle aufgrund dessen, was man erleidet hat, werden durch diese Handlungen im Außen nicht geheilt.

Auch „darüber zu stehen“ nutzt nichts. Dabei versucht das Opfer sich als besser als der Täter zu definieren. Das mag zuerst beruhigen, da sich das Opfer aufwertet und sich als moralisch überlegen ansieht, doch auch hier wird die Verletzung selbst nicht geheilt.

„Vergiss es“ scheint ein guter Rat zu sein, denn das Geschehene als Vergangenheit zu erkennen und hinter sich zu lassen, klingt vordergründig plausibel. Das Problem ist nur, dass wir willentlich etwas nicht vergessen können. „Vergiss den rosaroten Elefanten“ klappt nicht. Dies geschähe nur auf Verstandeseben und die Gefühle bleiben unberücksichtigt.

Vergebung ist nicht Verdrängung

Es gibt das unbewusste Vergessen nach traumatischen Erlebnissen, das Verdrängung genannt wird. Hierbei werden die erlebten Gefühle und Erinnerungen abgespalten. Der Betroffene bekommt von diesem Vorgang in der Regel nichts mit. Es ist eine Schutzfunktion unseres Nervensystems, um die überfordernden oder gar vernichtenden Erfahrungen zu bewältigen und die neuronale Kohärenz wiederherzustellen. Das heißt, dass sich das Innere wieder beruhigt und der Mensch in die Lage versetzt wird, weiterleben zu können.

Der Nachteil ist, dass seelische Narben bleiben. Die ausgeblendeten „negativen“ Gefühle haben zur Folge, dass auch die „guten“ Gefühle abgeschwächt wahrgenommen werden. Die Lebendigkeit und die Fähigkeit zu fühlen wird eingeschränkt. Außerdem drängt das Trauma immer wieder an die Oberfläche, weil es geheilt werden will. Kleine Auslöser können üble innere Zustände aktivieren.  Zum Beispiel Ängste, Zwänge, Niedergeschlagenheit und so weiter, die plötzlich auftreten. Und es kann in diesem Moment kein Zusammenhang oder eine Erklärung dafür gefunden werden. In einem solchen Fall ist Vergebung sicherlich nützlich, doch sollte man sich auch professionelle Hilfe suchen, um das Erlebte gründlich aufzuarbeiten und zu heilen.

Selbstautorität wieder herstellen

Wer nicht vergibt, macht sich abhängig. Solltest Du Groll auf jemanden haben oder dich gekränkt fühlen und auf Wiedergutmachung warten, schadest Du Dir selbst. Du meinst, Dich erst wieder gut fühlen und die Sache hinter Dir lassen zu können, wenn der Peiniger seine Schuld eingesteht und diese wieder gut gemacht hat. Damit erschaffst Du in Dir eine Situation, deren Lösung vom Verhalten des anderen abhängt. Darauf kannst Du, unter Umständen, lange warten und musst solange diese Missempfindungen mit Dir herumtragen, bis dieses unwahrscheinliche Ereignis eintritt.

Möchtest Du das? Befreie Dich aus dieser Falle, indem Du vergibst. Mache Dich von demjenigen, der Dir das antat unabhängig. Wie Du Dich fühlst hängt ausschließ von Dir selbst ab. Darum geht es hier. Sollte die Tat strafrechtlich relevant sein, solltest Du natürlich auch entsprechende Schritte einleiten, wenn Du das für sinnvoll hältst oder andere schützen möchtest.

Wenn etwas aus Deiner Vergangenheit Dich belastet, liegt das daran, dass Gefühle von damals nicht auserlebt wurden. Sie sind in Deinem System geblieben und beeinträchtigen Dich seit dem. Werden sie befreit, bleibt Dir lediglich eine Erinnerung, aber die schmerzt nicht mehr.

So geht Vergebung

Was nun folgt, hilft Dir Deine toxischen Gedanken und Gefühle zu beseitigen, die Du in Dir trägst. Suche Dir einen ungestörten Ort und entspanne Dich so gut es geht. Schließe Deine Augen.

1. Übernimm die Verantwortung dafür, dass das Ereignis Teil Deines Lebens ist. Gleichgültig warum, wie oder durch wen das Ereignis auftrat, es ist Teil Deines Lebens. Akzeptiere diesen Fakt.

2. Verzichte auf Wiedergutmachung. Lass den anderen frei. Gibt jeden Anspruch auf Wiedergutmachung, Rache oder den Wunsch nach Bestrafung auf. Ihr seid getrennte Wesen. Der Andere hat keine Macht mehr über Dich. Mache Dir klar, dass Du Dich damit selbst befreist.

3. Lass das Ereignis los. Erschaffe vor Deinem inneren Auge ein Bild von dem Ereignis. Betrachte es eine Zeit lang genau. Entscheide Dich, es jetzt loszulassen. Nun lässt Du das Bild langsam immer heller werden, bis Du nur noch Weiß siehst.

4. Fühle die Gefühle. Richte Deine Aufmerksamkeit auf die Gefühle, die möglicherweise noch da sind und mit dem Ereignis zusammenhängen. Habe die Absicht, sie loszulassen. Du stellst fest, dass sie sich auflösen, wenn Du sie widerstandslos fühlst.

5. Fühle Dich wohl. Gehe in Gedanken an einen Ort, an dem Du Dich wohl fühlst. Das kann ein Ort sein, an dem Du bereits tatsächlich warst oder ein Phantasieort. Fühle das Wohlgefühl in Dir und lass es sich über Deinen ganzen Körper ausdehnen. Genieße den Zustand, solange Du möchtest.

Herzlichen Glückwunsch, Du hast die Verletzung hinter Dir gelassen. Wenn es weitere derartige Erlebnisse gibt, verfahre mit ihnen genauso.

Solltest Du hierzu Fragen haben oder alleine nicht weiter kommen, melde Dich bei mir!

Mit herzlichem Gruß
Ulrich Heister

Praxis für Psychotherapie und Hypnosetherapie | ulrich-heister.de

„Veränderte Ergebnisse entstehen nur durch verändertes Verhalten!“ sagen die Verhaltenstherapeuten. Darauf bauen auch oft die Tschacka-Motivationstrainer auf. Doch das ist nur der halbe Weg. Denn woher kommt das veränderte Verhalten? Eben. Darum geht es hier.

Außen gibt es nichts zu finden

Wer etwas erlebt, das ihm vermittelt, er brauche eine Motivationstraining oder ähnliches, und er macht sich auf die Suche danach, ist meiner Meinung nach schon auf dem falschen Weg. Denn der Gedanke „Erfolg entsteht im Kopf“ ist falsch. Er entsteht überall im Körper, jedenfalls für Menschen, die fühlen können. Natürlich kann man auch kopfgesteuerten Erfolg generieren, doch ich glaube nicht, dass dieser Weg dauerhaft zufriedenstellt, denn dabei muss ein Teil der Persönlichkeit ignoriert werden.

Mein Eindruck ist, dass bei vielen Erfolgs- und Motivationstrainern über die bestehende Persönlichkeit mit ihren eigentlichen Fähigkeit und Talenten hinweggegangen wird. Warum wurde der gewünschte Erfolg nicht erlebt? Weil Bewusstseinsstrukturen bestehen, die ihm widersprechen. Daher ist es wichtig, wenn Du wirklich Erfolg haben willst (was das für Dich auch immer heißt), diese Strukturen aufzulösen. Der Weg geht also nach innen.

Gehe nicht über Dich selbst hinweg

Die Tschacka-Haltung ist nicht unbedingt geeignet, Dich zu Dir selbst zu bringen. Es wird über bestehende Überzeugungsstrukturen hinwegkreiert. Das heißt, es wird eine von außen vorgegebene Identität der eigenen Person übergestülpt. Das kann bedingt funktionieren, doch irgendwann melden sich die übergangenen Persönlichkeitsanteile mit einem deutlichen Unbehagen.

Das kann sich trotz äußerem Erfolg als ein Empfinden von Unerfülltsein bemerkbar machen oder die Tätigkeit fühlt sich immer anstrengender an und macht immer weniger Freude. Manche fühlen sich, wenn man ihnen begegnet sehr künstlich an, weil sie nicht mit sich selbst in Verbindung sind. So jemandem bist Du bestimmt schon einmal begegnet.

Jemand, der etwas tut, was ihm nicht entspricht braucht Motivation. Darauf ist unsere erfolgsorientierte Gesellschaft ausgerichtet. „Mache etwas aus Dir! (Denn das, was Du bist ist nicht genug.)“ und wenn Du Dich dafür selbst als Mensch und Deine eigentlichen Bedürfnisse übergehen musst, dann tue es trotzdem. So beginnt es bereits in der Schule und heute auch schon vermehrt im Kindergarten. Kinder werden heute eher darin geschult es anderen recht zu machen, als ihr eigentliches Wesen zu entfalten.

Es ist bereits in Dir

Komme zu Dir selbst zurück. Wenn Du etwas erlebst, was Du nicht möchtest, hinterfrage Deine Bewusstseinsstrukturen und überprüfe, von wem sie eigentlich stammen und wozu Du sie angenommen hast. Dann trenne Dich von dem, was Dir nicht entspricht. Dann wirst Du selbst immer besser sichtbar.

Du kommst in Einklang mit Dir. Du findest Deine wahren Fähigkeiten und Talente wieder. Das, was Du tust, kommt aus Dir selbst. Es gibt kaum etwas Befriedigenderes. Wenn Du machst, was aus Dir selbst kommt, bist Du erfüllt. Die Menge des äußeren Erfolges ist dann nicht mehr wichtig, denn Du bist bereits vollständig und reich.

Mit herzlichem Gruß
Ulrich Heister

Praxis für Psychotherapie und Hypnosetherapie | ulrich-heister.de

Hast Du Dir zu einem Jahreswechsel schon einmal etwas vorgenommen, was im neuen Jahr anders werden soll? Hat es geklappt? Oft sind wir sehr motiviert und beginnen etwas Neues, doch oft schwächt sich die Begeisterung nach einer gewissen Zeit ab und die alte Routine ist wieder da. Woran liegt das? Warum scheitern Vorhaben so oft?

Um ganz klar zu machen, worum es geht, hole ich etwas weiter aus. Wir müssen wissen, was unsere erlebte Realität bestimmt, denn diese wollen wir ja ändern. Wenn wir das nicht wissen, können wir nur im Nebel stochern, uns sehr anstrengen und hoffen, dass irgendetwas funktioniert. Wissen wir jedoch, wie unsere Bewusstsein funktioniert, ändert sich das und wir können unsere Projekte ganz gezielt verwirklichen.

Wir machen fast alles automatisch

Der Schlüssel liegt in unseren Bewusstseinsmustern, das heißt, in unseren Überzeugungen, Haltungen oder Bewertungen. Sie steuern, wie wir uns selbst und die Welt wahrnehmen und wie wir auf sie reagieren. Sie legen also auch unsere Verhaltensprogramme fest. Diese laufen automatisch ab. Das ist auch gut so, denn sonst müssten wir immer wieder alles neu lernen. Doch schränken sie uns darin ein, unser Verhalten zu wählen. Beim Autofahren sind diese Automatismen hilfreich, jedoch nicht, wenn sie Dich beispielsweise daran hindern, in einer Beziehung Nähe zulassen zu können.

Wie wir mit anderen reden, wie wir auf Menschen reagieren, wie wir unsere Freizeit gestalten, wie wir uns bei Stress verhalten, was unsere Hobbies sind, was wir mögen und was nicht, die Wahl unseres Partners und unserer Freude, unser Erfolg oder Misserfolg, unsere Begabungen, Geschmack und Stil, die Berufswahl, unsere Gefühle und Empfindungen, unser gesamtes Leben, das alles läuft überwiegend automatisch ab. Unsere Bewusstseinsmuster steuern das alles.

Das stört uns nicht, solange unser Erleben mit unseren Bedürfnissen und Wünschen übereinstimmt. Dann „sagt“ unser Ego: „Ja, das habe ich gemacht, ich habe entschieden!“ Das Lustige ist: diese Inbesitznahme des Egos geschieht erst, nachdem unsere Muster automatisch agiert haben. Dadurch haben wir den Eindruck, wir hätten gewählt und bestimmt, aber das stimmt in der Regel nicht. Es waren unsere Bewusstseinsprogramme. Das gilt übrigens auch, wenn wir meinen, etwas falsch gemacht oder versagt zu haben.

Die Vergangenheit holt uns ein

Nun kann es natürlich auch geschehen, dass unsere Bewusstseinsprogramme, die in aller Regel aus der Vergangenheit stammen, nicht mehr mit unseren heutigen Absichten übereinstimmen. Dann haben wir den Eindruck, wir müssten etwas verändern. Und dann entstehen Vorsätze: „Ab nächster Woche treibe ich regelmäßig Sport“, „Im kommenden Jahr höre ich auf zu Rauchen.“, „Ich esse weniger Süßes.“, „Ich bin netter zu Menschen.“, „Ich unternehme mehr, weil ich mehr erleben möchte“, „Ab dem nächsten Jahr lebe ich meinen Traum.“ und so weiter.

Ich denke, wir alle haben schon öfter solche oder ähnliche Entschlüsse gefasst und dann versandeten sie irgendwann. Wie kommt das? Weil unser Verstand nur ein Teil unseres Selbstes ist. Es reicht nicht, in unserem Kopf einfach etwas anders zu denken. Das beeindruckt unsere Bewusstseinsprogramme ganz und gar nicht. Es muss auf neuronaler Ebene in unseren Synapsen eine Veränderung geschehen. Und das geht nicht ohne Gefühle oder ohne zu fühlen. Erst, wenn die mentale und emotionale Ebene zusammen arbeiten, verändert sich etwas. Folglich brauchen wir eine Methode, die beides leistet und in eine praktikable Form bringt, sodass alte Verhaltens-Bahnen im Gehirn abgebaut und neue aufgebaut werden können. Dann klappt es auch mit den Vorsätzen.

So wird was aus Deinen Plänen

Das zu vermitteln geht leider nicht in einem Artikel. Deswegen habe ich einen Online-Kurs entwickelt, der Dir eine solche Methode vermittelt. Sie ist äußerst kraftvoll. Es spielt keine Rolle, ob Du einen einzigen Vorsatz verwirklichen oder ob Du Dein ganzes Leben nach deinen Wünschen neu gestalten möchtest, die Methode funktioniert in beiden Fällen. Der Kurs ist in seiner Ausrichtung für eine neue Lebensausrichtung gestaltet. Du erfährst, wie Du Deine Ziele tatsächlich erreichst, wie die Methode anzuwenden ist und Du erhältst zusätzlich, auf Wunsch, jede Unterstützung von mir.

Möchtest Du etwas verändern? Dann zögere nicht und mache Dich ans Werk!

Hier erfährst Du mehr über den Online-Kurs.

Viel Spaß und viel Erfolg! Und: Alles Gute für das kommende Jahr!

Mit herzlichem Gruß
Ulrich Heister

Praxis für Psychotherapie und Hypnosetherapie | ulrich-heister.de

Regelmäßig zum Jahresende steigt bei vielen die Spannung. Christen und Kultur-Christen feiern auf ihre Weise Weihnachten. Dabei gibt es viel zu bedenken und vorzubereiten. Somit ist oft mit der Spannung auch Anspannung verbunden. Geschenke wollen überlegt und besorgt, die Termine müssen abgesprochen werden und die Erwartungen der Familie, der Verwandten und Freude sollen nicht enttäuscht werden.

So schön diese Zeit auch sein mag, irgendwie freuen sich doch alle darauf, kann sie doch sehr belastend empfunden werden. Die Vorbereitungen sind meist aufwendig und wenn es dann so weit ist, kommt das „System Familie“ oft noch zusätzlich unter Druck. Viele Erwartungen, Wünsche, Bedürfnisse und Ansprüche kommen zusammen. Sind die Geschenke, die richtigen? Fühlt sich niemand bei den Familientreffen benachteiligt? Gerade bei Patchwork-Familien, die heute nicht selten sind, kann die Koordination zu einer komplexen Aufgabe werden.

Was also tun, um das Ganze gelassener anzugehen?

Traditionen sind meistens mit Gewohnheiten und Verpflichtungen verbunden. Die können manchmal recht erdrückend sein. Wenn Du die Zeit genießen möchtest, fragen Dich zuerst, was Du tatsächlich willst. Setze Dich hin und überprüfe Deine eigenen Bedürfnisse. Was bedeutet diese Zeit für Dich? Was sind Deine Wünsche? Mit wem möchtest Du die Zeit tatsächlich verbringen? Und wie?

Erst, wenn Du darüber Klarheit hast, was Du willst, hast Du überhaupt die Chance genau das zu bekommen. Dein Ergebnis kann natürlich deutlich vom bisher Üblichen abweichen. Und das kann mit den Wünschen und Erwartungen der anderen kollidieren. Was also tun? Es beim Alten lassen und dem Widerstand aus dem Weg gehen oder das Neue wagen und dem Gegendruck entgegentreten?

Ich denke, die zweite Variante macht auf Dauer glücklicher. Es wird vielleicht zuerst etwas unbequem, die eigenen Bedürfnisse zu kommunizieren und durchzusetzen, doch das wird irgendwann akzeptiert werden, wenn – und das ist wichtig – Du selbst zu Deiner Entscheidung stehst. Teile Deine Wünsche wertschätzend und mitfühlend mit. Begründe sie, damit Dein Anliegen nachvollzogen werden kann. Doch bleibe bestimmt und konsequent.

Druck von innen

Es kann natürlich auch sein, dass es gar nicht die äußeren Gegebenheiten sind, die Dich stressen, sondern, dass Du es selbst tust. Dann hast Du es einfacher. Hinterfrage Deinen Stress und finde heraus, was genau los ist.

Sind es möglicherweise eingebildete Erwartungen, die Du erfüllen möchtest? Weil Du eine gute Mutter oder ein guter Vater sein möchtest? Weil Weihnachten schon immer so war und Du es jedes Mal genauso sein soll? Weil Du selbst spezielle Erwartungen hast? Weil Du meinst, einem bestimmten Bild entsprechen zu müssen? Weil nostalgische Ansichten Dich daran hindern, es anders zu machen?

In solchen Fällen kann es reichen, das eigene Muster zu erkennen und seine Sinnhaftigkeit gegebenenfalls neu zu bewerten, um den Stress deutlich zu vermindern.

Online-Kurs „Befreie Dich von Stress und Burnout“

Zusätzlich biete ich Dir meinen kostenlosen Online-Kurs „Befreie Dich von Stress und Burnout“ an. Er kann Dir helfen, auch über bestimmte saisonale Zuspitzungen hinaus, leichter mit Stress umzugehen. Sowohl im privaten, wie auch beruflichen Zusammenhang. Wenn Du Deinen Stress verminderst, kannst Du erst gar nicht in die Burnout-Falle tappen. Er vermittelt einiges Grundwissen und eine erstaunliche Methode, mit der Du innere Zustände sehr gut handhaben kannst. Der Kurs ist kostenfrei und steht Dir auch zur Wiederholung und Vertiefung zur Verfügung.

Interesse? Dann melde Dich jetzt an!

Mit herzlichem Gruß
Ulrich Heister

Praxis für Psychotherapie und Hypnosetherapie | ulrich-heister.de

In letzter Zeit begegnen mir vor allem im Internet immer wieder Anzeigen für Lebenshilfe- oder  Selbstoptimierungsseminare mit Slogans wie: „Du kannst alles erreichen!“, „Du bist großartig!“ oder „Du kannst schaffen, was Du willst.“

Unzufriedenheit ist kein guter Ratgeber

Wen werden diese Slogans wohl ansprechen? Genau, diejenigen, die unzufrieden sind mit sich oder ihrem Leben. In diesen Tagen Unzufriedenheit zu entwickeln, ist nicht schwer. Vergleiche mit anderen tragen vor allem dazu bei. Hier wirken gerade die sozialen Medien im Internet als Verstärker, da sich in ihnen die Menschen oft idealisiert darstellen. Jeder möchte seine guten Seiten zeigen, was ja auch einleuchtet. Da entsteht schnell der Eindruck, dass „die anderen“ viel besser sind und alles viel besser machen, als man selbst.

Zudem kommt ein gewisser gesellschaftlicher Druck.  Anerkennung und Status sind in unserer Leistungsgesellschaft wichtige Größen, die uns viel abverlangen. Nicht zu vergessen sind die  wirtschaftlichen Belastungen. Die Lebenshaltungskosten sind recht hoch und wollen erwirtschaftet sein. Auf diesen Berg  kommen dann auch noch unsere eigenen Ansprüche, Wünsche und Ideale. Das ist eine ganze Menge, was wir zu bewältigen haben.

Ich habe den Eindruck, unser Leben wird immer komplexer und stellt immer höhere Ansprüche. Irgendwo habe ich gelesen, dass die Menschen in der Bronzezeit durchschnittlich nur drei Tage in der Woche brauchten, um ihre Grundbedürfnisse zu decken. Die restliche Zeit diente sozialen Zwecken und der Muße.

Menschen, die von Depressionen oder Burnout betroffen sind, werden immer mehr. Was kannst Du also tun, um mit all dem leichter dem umzugehen? Ein Seminar zu besuchen, das verspricht, dass man alles erreichen kann, ist da sehr verlockend. Doch ich glaube, dass es wirkungsvoller ist, sich selbst zuerst die drei folgenden Fragen zu stellen:

1. Vergleiche ich mich mit anderen?

Eine der größten Herausforderungen ist sicherlich, mit dem Vergleichen aufzuhören und von sich selbst auszugehen. Mache Dir klar, dass Du jetzt im Moment bereits vollständig und vollkommen bist, auch wenn es Dir gar nicht so scheinen mag. Frage Dich: „Was fehlt mir jetzt in diesem Moment?“ und antworte nicht mit den üblichen Gedanken, wie „Ein liebevoller Partner.“, „Geld.“, „Sex.“, „Ein guter Job.“, „Aufträge.“ und so weiter. Nein, werde still im Kopf und sei im Moment. Nimm Deine Umgebung war. Fühle Dich. Wenn Dir das gelingt, stellst Du fest, dass Dir tatsächlich gegenwärtig nichts fehlt, auch wenn Du einige Baustellen in Deinem Leben hast. Sie dominieren Dich nicht mehr.

2. Woher kommt meine Motivation?

Es ist gut, einen Schritt zurückzugehen und sich nach seinen eigenen Motiven zu fragen. Woher stammt mein Wunsch ein bestimmtes Ziel zu erreichen oder etwas zu tun? Entspringt es Mangeldenken, Machtstreben oder einer Verletzung? Kommt dabei ein „Ja“ oder ein „Vielleicht“ heraus, solltest Du Dich vielleicht zuerst um diese Defizite kümmern, denn sie sind keine guten Ratgeber. Handelst Du aus ihnen heraus, bist Du fremdbestimmt. Komm zu Dir selbst zurück und entscheide aus Deiner Kraft und Integrität.

3. Warum kann ich damit nicht in Frieden sein?

Das ist die alles entscheidende Frage. Soviel sei vorweg genommen: Nein, es liegt nicht an den anderen oder den Umständen. Du trägst Muster in Dir herum, die Dich auf Situationen oder Menschen in einer bestimmten Weise reagieren lassen. Was uns im Außen nervt oder uns unwohl fühlen lässt, ist immer ein Spiegel unserer selbst. Kläre diese Muster und Du findest Frieden. Dazu musst Du nicht Deine Umgebung oder die Menschen zu ändern. Doch geschehen Änderungen nach einer gründlichen Klärung manchmal wie von Zauberhand.

Es ist gar nicht nötig, alles zu erreichen, was irgendwie geht. Wesentlich ist, für Deinen inneren Frieden zu sorgen und Werkzeuge zu haben, diesen zu bewahren. Das sollte das Kernziel sein. Was dann daraus entsteht, kann von Mensch zu Mensch höchst unterschiedlich sein. Der eine möchte einfach in Ruhe vor sich hin leben, dem anderen ist danach, ein Unternehmen zu gründen. Was es auch immer sein mag, es ist gut, wenn die Motive stimmen.

Mit herzlichem Gruß
Ulrich Heister

Praxis für Psychotherapie und Hypnosetherapie | ulrich-heister.de

Wir wünschen einander Glück und Glücksucher widmen ihm ihr Leben. Glück hat einen hohen Stellenwert in unserer Gesellschaft. Und wir alle wissen: Es ist vergänglich. Nach dem Glück ist vor dem Glück. So hoffen wir. Und was ist dazwischen? Also versuchen wir, einen glücklichen Moment nach der anderen zu erschaffen. Das ist anstrengend. Gibt es auch einen anderen Ansatz?

Die Natur ist hedonistisch

Von der Amöbe bis zum Menschen sind alle Lebewesen Schmerzvermeider und Genusssucher. Das leuchtet ja auch ein, denn etwas, das Unbehagen oder Schmerz bereitet, gefährdet das eigene Weiterbestehen und etwas, das Wohlgefühl oder Genuss verspricht, fördert es. So könnte man sagen, die gesamte Natur ist eigentlich hedonistisch.

Im Wesentlichen geht es ja um das Überleben und die Erhaltung der Art. Um das zu steuern, und dem Lebewesen die entsprechenden Impulse zu geben, braucht es bestimmte Verhaltensprogramme. Das Wesen braucht ja Erkennungsmuster für „gute“, das heißt lebensfördernde, und „böse“, das heißt lebensfeindliche, Gelegenheiten. Sonst ist es schneller aufgefressen, verhungert oder vergiftet, als es Piep sagen kann.

Unser Gehirn ist schuld

Es entstanden viele Arten, breiteten sich erfolgreich aus und entwickelten sich weiter. Andere starben aus. So ging es über Millionen Jahre und niemand fragte nach Glück. Es war kein Thema. Alle kümmerten sich um ihr Überleben und waren völlig eins mit dem Sein. Welche Alternative hätten sie auch gehabt?

Dann entstand bei einigen Wesen im Gehirn der präfrontale Cortex und es war aus mit dem Paradies. Unsere Vorfahren konnten plötzlich abstrahieren. Dinge bekamen Namen, Vorstellung entstand und es konnten Sachen gedacht werden, die gar nicht existierten!

So kam die Unzufriedenheit in die Welt, denn es wurden Ideale und Ziele vorgestellt, die (noch) nicht real oder erreicht waren. Unsere Spezies wurde immer besser darin, aus Gedanken oder Vorstellungen heraus etwas zu manifestieren, und machte riesige Fortschritte. Ab dem Moment, in dem ein Ideal Realität oder ein Ziel Wirklichkeit wurde, sprach man von Glück. Doch machte das Glück die Menschen glücklicher?

Ist Glück das ultimative Ziel?

Nein. Denn es ist flüchtig. Glück ist nett, aber bedingt und zeitlich begrenzt. Das hat jeder schon erfahren. Sind die glücklichen Umstände vorbei, geht es stimmungsmäßig erst einmal wieder bergab.

Gibt es nicht irgendetwas nachhaltigeres, drängt sich nun als Frage auf? Ja, gibt es und das gab es schon vor dem präfrontalen Cortex! Unsere Sinne.

Nimm einfach über Deine Sinne wahr und schalte alle Bewertungen, Vorstellungen und Abstraktionen (den präfrontale Cortex) ab. Fühle, wie Du Dich fühlst, sehe, was Du siehst, höre, was Du hörst. Mache sonst nichts. Einige nennen es Meditation, doch diese Abstraktion ist überflüssig. Du wirst unmittelbar feststellen, dass sich ein gutes Gefühl, eine Zufriedenheit einstellt. Manche würden es vielleicht als eine Verbindung mit dem bezeichnen, was ist. Dieses gute Gefühl, diese Verbindung, ist nicht von Bedingungen abhängig und ist schon seit Millionen von Jahren verfügbar!

Mit herzlichem Gruß
Ulrich Heister

Praxis für Psychotherapie und Hypnosetherapie | ulrich-heister.de

Geht Dir Deine Bewertungsmühle im Kopf auch manchmal ganz schön auf den Keks? Du schaust in den Spiegel oder siehst Dich beim Vorbeigehen im Schaufenster und schon aktiviert sich der innere Kritiker? Du kommst in einen Raum mit Menschen und fängst gleich an, sie in sympathisch und unsympathisch zu unterteilen? So ergeht es uns nicht nur mit Menschen, auch mit Dingen, Situationen und Empfindungen. Ständig bewerten wir und der Kopf kommt nicht zur Ruhe. Hier gibt es Abhilfe!

Du kannst Dein Gehirn besser nutzen

Nun, Bewertungen sind eine wichtige Funktion unseres Ichs, um uns zu schützen und um günstige Gelegenheiten zu erkennen. Doch können sie sich zu einer Angewohnheit entwickeln, die lästig, wenn nicht sogar belastend werden kann. Sie laufen automatisch ab und verbrauchen Gehirnkapazität, die Du besser nutzen könntest. Zudem reduzieren sie Deine Wahrnehmungsfähigkeit, denn die Bewertung wirkt wie ein Filter, der nur durchlässt, was ihm entspricht.

Unterscheidungsfähigkeit ist es eigentlich, was wir brauchen und nur in den Situationen, in denen wir sie wirklich brauchen. Mehr nicht. Sie reicht völlig aus, um uns entscheiden zu können und uns situationsgemäß zu verhalten. Wir brauchen nicht diesen nervenden Affen im Kopf, der ständig sagt was falsch oder richtig, schön oder hässlich, gut oder schlecht oder was auch immer ist. Und das ständig!

Ein Ausweg

Anfangs wirst Du ziemlich aufmerksam sein müssen. Du solltest üben, zu bemerken, wenn Du dabei bis zu bewerten. Das ist nicht leicht, vor allem, wenn sich das derartig automatisiert hat, wie bei den meisten von uns. Gleichzeitig verliert unser Ego dadurch ein wichtiges Instrument der Selbstaufwertung. Während wir andere abwerten, werten wir uns selbst auf. Frage Dich, ob Du das tatsächlich möchtest. Wärest Du bereit, das aufzugeben?

Letztendlich spiegelst Du Dich in Deinen Bewertungen selbst. Was Dich im Außen nervt, nervt Dich auf tieferer Ebene an Dir selbst. Was Du im Außen bewunderst, hättest Du gerne selbst. Das ist natürlich etwas vereinfacht, aber im Kern richtig. Mache Dir klar, an was es Dir mangelt, was Dein wahres Bedürfnis ist, und sorge dafür, dass es gestillt wird. Ganz bewusst und absichtsvoll. Diese Bewertungsspielchen werden dann schnell uninteressant.

Bewusstheit ist der Schlüssel

Wenn Du beobachtest, dass Du bewertest, egal ob Dich selbst oder andere oder irgendwas, mache bitte folgendes: Mache Dir klar, dass Du selbst es tust und Du Dich selbst dazu entscheiden hast, wenn auch möglicherweise unbewusst. Nun entscheide Dich dazu, es nicht zu tun. Betrachte das, was im Fokus Deiner Aufmerksamkeit ist, einfach als das, was es ist. Punkt. Sonst nichts. Eine Bewertung ist völlig unnötig. Du belastest Dich nur selbst damit. Dem anderen oder dem Ding ist Deine Bewertung sicherlich egal, weil er, sie oder es, das gar nicht mitbekommt.

Nutze Dein Unterscheidungsvermögen, falls es nötig ist, aber übe das Nicht-Bewerten. Mache es zu Deiner neuen Angewohnheit. Du wirst feststellen, es wird ruhiger in Deinem Kopf, Du entspannst Dich und die Welt macht Dir mehr Freude.

Mit herzlichem Gruß
Ulrich Heister

Praxis für Psychotherapie und Hypnosetherapie | ulrich-heister.de

Vor einiger Zeit hörte ich den Spruch: „Wenn du gegen die Realität kämpfst, verlierst du. Aber auch nur immer.“ Wer könnte dem nicht zustimmen? Und doch versuchen wir immer wieder zu ignorieren, was tatsächlich Sache ist. Was ist Realität eigentlich und wie entsteht sie? Dieser Newsletter befasst sich mit dieser Frage und zeigt, wie wir Frieden mit der Realität finden können.

Was ist Realität?

Habe Sie sich diese Frage schon einmal gestellt? Was ist Ihre Antwort? Meine ist: Das, was gerade ist. Und das ist subjektiv. Im Nervensystem (nicht nur im Kopf) eines jeden Einzelnen entsteht seine eigene individuelle Realität. Diese Realität wird gebildet aus den Sinneseindrücken, die wir haben, den körperlichen Empfindungen und unseren Gefühlen und Gedanken.

Der Himmel ist nicht blau. Das Fell der Katze ist nicht weich. Der Wind rauscht nicht im Baum. Das Bonbon ist nicht süß. Die Welt hat keine Farben, Luftdruckschwankungen haben keinen Klang, Oberflächen sind, wie sie sind und Substanzen haben keinen Geschmack. Es ist immer erst unser Nervensystem, das in uns ein Bild, einen Klang, einen Tastempfinden oder einen Geschmack entstehen lassen. Das ist unsere direkte Wahrnehmung. Es ist die Realität erster Ordnung ohne Bewertung.

Unsere Wahrnehmungen machen jedoch etwas mit uns. Wir bewerten sie oder entwickeln aus ihr Gefühle und Gedanken. Das ist der zweite Schritt und der bestimmt, wie wir uns fühlen, wie wir die wahrgenommene Realität empfinden und wie wir mit ihr umgehen. Das ist die Realität zweiter Ordnung, also unsere Reaktion auf unsere Wahrnehmung.

Gemeinsame Realität

Manchmal haben wir Glück und unsere Realität stimmt mit der eines Anderen überein. Wir haben einen Konsens. Bei der Realität erster Ordnung ist das meist noch recht leicht: „Heute ist es sommerlich warm.“ „Der Himmel ist blau.“ (Können wir das wirklich wissen? Ist es überprüfbar, dass jemand anderes Blau genauso wahrnimmt, wie wir selbst?) In der Realität zweiter Ordnung kann es mit dem Konsens jedoch schnell vorbei sein. „Ich genieße, die Hitze!“ oder „Wenn es so heiß ist, kann ich nur drinnen sitzen und nichts tun.“ Wir sehen also, unser Konsens kann äußerst fragil sein.

Da Menschen sehr unterschiedlich geprägt sind und Wertesysteme stark voneinander abweichen können, ist eine gemeinsame Realität tatsächlich ein Glücksfall. Mit anderen, mit denen wir eine große gemeinsame Schnittmenge an Realitäten haben, verstehen wir uns meistens gut. Wenn dies nicht der Fall ist, empfinden wir den anderen als fremd oder bedrohlich. Hier ist es sinnvoll, sich klar zu machen, dass der Unterscheid lediglich in der individuellen Reizverarbeitung liegt.

Anders ausgedrückt: Jeder hat sein eigenes Glaubenssystem und hat eine eigene Realität. Häufig ist es gar nicht notwendig, dass ein Konsens gefunden wird. Verschiedene Ansichten können einfach nebeneinander stehen. Lernen Sie die Ansicht der anderen zu genießen. Das sorgt für Entspannung. Es sind die Ansichten der anderen, Sie können sie nicht ändern und Sie haben nichts mit ihnen zu tun. Selbst, wenn es bei den anderen um Sie geht. Dafür können Sie Ihre eigenen Überzeugungen, genauso wie alle anderen, beliebig wählen.

Stress mit der Realität

Was aber, wenn ein Konflikt mit der eigenen Realität entsteht? Was, wenn Sie etwas wahrnehmen oder fühlen, was sie lieber nicht wahrnehmen oder fühlen wollen? Es kommt ein übler Brief, einer nahestehenden Person stößt etwas zu, das Unternehmen floriert nicht so richtig, unerwünschte Gefühle tauchen einfach so auf, die Beziehung stockt, oder, oder, oder …

Die Natur hat uns dazu drei Reflexe mitgegeben: Erstarren, kämpfen oder fliehen. Das Leben macht meiner Erfahrung nach eher Spaß, wenn man nicht reflexartig lebt, sondern selbstbestimmt wählt. Dann ändern sich die Optionen in: die Realität akzeptieren, die Realität verändern oder die Realität verlassen.

Die Realität ändern

Dies ist in der Regel der mühsamste Weg. Hier geht es darum, Einfluss auf Menschen zu nehmen oder die Bedingungen beziehungsweise die Umstände zu verändern. Hierbei geht es um Macht oder um Selbstwirksamkeit. Wer an der Macht ist, bestimmt die Regeln. Er hat die Möglichkeit, Änderungen in seinem Einflussbereich relativ leicht zu bewirken. Dies kann er auf freundliche oder unfreundliche Weise bewerkstelligen. Aber er ist machtlos gegenüber der Realität erster Ordnung. Ein Mensch kann nicht aus eigener Kraft fliegen. Aber er kann eine Maschine ersinnen, die ihn in die Luft trägt. Hier ist Selbstwirksamkeit gefragt. Hat er die Fähigkeit, sich Kompetenzen anzueignen und diese anzuwenden, ist es durchaus denkbar, dass er es hinbekommt, ein Fluggerät zu bauen.

Ein Beispiel: Tom findet die Menge an Kaffeebechern erschreckend, die jeden Tag in seiner Firma vom Kaffeeautomaten ausgespuckt und nach Gebrauch weggeworfen werden. Er konstruiert eine Maschine, die die Kaffeebecher häckselt, einschmilzt und zu Filamenten für 3D-Drucker extrudiert. Seine Maschine verkauft er überwiegend in Schwellenländer und trägt auch in anderen Anwendungsbereichen dazu bei, die Menge an Kunststoffabfällen zu reduzieren.

Die Realität verlassen

Ist eine Realität unerträglich, besteht meistens die Möglichkeit, diese zu verlassen. Das ist häufig relativ schnell umsetzbar, aber oft auch mit Verlusten verbunden. Wobei diese Lösung natürlich auch Chancen birgt.

Ein Beispiel: Sarah ist in ihrem Job immer unzufriedener. Sparmaßnahmen reduzierte die Zahl der Mitarbeiter und ihre Arbeitsbelastung steigt. Zudem ist ihr Vorgesetzter immer mehr unter Druck und das Arbeitsklima leidet sehr. Ihre Arbeit, die sie anfangs sehr mochte, wurde immer mehr zur Belastung und sie hat den Eindruck, dass ihre Ideen immer häufiger ins Leere laufen. Sie entschließt sich, eine neue Stelle zu suchen. Dabei muss sie liebgewonnene Kollegen zurücklassen und kann Teile ihres Knowhows nicht mehr nutzen.

Die Realität akzeptieren

Wenn wir Stress mit der Realität haben, liegt das an unserer eigenen Realität zweiter Ordnung. Die Art, wie wir eine Realität erleben, wird von unseren Überzeugungen, Ansichten oder Haltungen bestimmt. Hier liegt der Schlüssel: Ändern wir unsere Bewusstseinsmuster, ändert sich die erlebte Realität. Hierzu gibt es Methoden (wie diese), die man lernen kann oder man kann sich professionelle Hilfe holen. Wir passen die Realität zweiter Ordnung an die Realität erster Ordnung an. Das ist meistens der einfachste und dauerhaft wirksamste Weg.

Ein Beispiel: Marc entwickelt häufig eifersüchtige Gefühle in Bezug auf seine Frau. Sie ist oft auf Geschäftsreise und er weiß nicht wirklich, was währenddessen tatsächlich geschieht. Um mit der Situation umgehen zu können, entschließt er sich eine Sitzung zu nehmen, um das Thema zu klären. Dort erinnert er sich unter Anwendung der sogenannten Timeline-Methode an eine Situation: Er spielt als kleines Kind allein im Garten und wünscht sich, dass seine Mutter ihm Aufmerksamkeit gibt und Zeit mit ihm verbringt. Sie jedoch arbeitet im Haus und ist sehr beschäftigt. Er erinnert sich an weitere Situationen, die einen ähnlichen Charakter hatten und die das gleiche Gefühl in ihm erzeugten. Ihm wurde klar, dass er gegenwärtig unbewusst von seiner Frau erwartet, dass sie ihn vor dem Gefühl der Einsamkeit zu beschützt. Nach der Sitzung stellt sich das Gefühl der Eifersucht nicht mehr ein.

Sie haben die Wahl, wie Sie mit einer  Situation umgehen, die Ihnen nicht gefällt. In den meisten Fällen ist es sehr lohnend, zuerst bei sich selbst zu schauen und zu versuchen, den Konflikt in sich selbst zu lösen. Sehr oft liegt die Ursache für ein Problem oder einer Unzufriedenheit in uns selbst. Manchmal sind Aktivitäten im Außen notwendig. Aber auch hier kann Bewusstseinsarbeit extrem hilfreich sein, um die richtigen Ansätze zu finden und um Hemmnisse bei der Umsetzung auszuräumen.

Mit herzlichem Gruß
Ulrich Heister

Praxis für Psychotherapie und Hypnosetherapie | ulrich-heister.de

Wir alle haben Sehnsucht nach dem Außergewöhnlichen, dem Großartigen. Ich denke, es liegt daran, dass wir eine Grundtendenz haben, uns verbessern zu wollen. Oder daran, dass wir uns sicher fühlen und Kontrolle haben möchten. Vielleicht stellen wir uns ein Ideal vor, das wir anstreben. Wir wollen es richtig zu machen, edel zu sein und gut. Ist das ein Irrweg?

Wir versuchen besonders zu sein

Besonders oder wichtig wollen fast alle Menschen sein. Die üblichen Mittel dazu sind beeindruckendes Wissen, spezielle Fähigkeiten, eine tolle Karriere oder ein gehobener Status. Manche verwirklichen Ihre Außergewöhnlichkeit über das Scheitern. Man muss sich selbst nur irgendwie plausibel machen, dass der eigene Erfolg oder die eigene Erfolglosigkeit besonders sind. Schon geht es dem Ego besser.

Normalität wird als langweilig und fade empfunden. So suchen wir ständig nach Erfahrungen, die uns aufwerten oder uns einen Kick geben. Die gesamte Modebrache nutzt diese Tatsache aus. Ständig müssen neue Klamotten her, möglichst teuer und ausgefallen oder billig, damit man sie nach ein paar Mal Tragen wegwerfen kann und immer dem aktuellen Trend folgen kann. Das gleiche gilt für Smartphones, IT-Devices und Autos. Nach kurzer Zeit muss etwas Neues her, um en vogue und hipp zu sein. Die wachstumsgesteuerte Politik und Wirtschaft freut es.

Hauptsache super!

Kaum ein Film im Mainstream-Kino kommt ohne Superhelden, Superreiche oder globale Katastrophen aus. Die Szenarien sind völlig überzogen und haben nichts mit dem normalen Leben zu tun. Hier kann der Normalo Sachen erleben, die sein Leben so ohne weiteres nicht hergibt und er hat für eine kurze Zeit den Eindruck etwas ganz tolles erlebt zu haben. Die gleiche Funktion haben Erlebnisparks und Extremsportarten. Ich möchte das alles nicht abwerten, denn es kann Spaß machen. Doch man sollte sich klar machen, dass all dies Zeug ist, dass irgendwann immer mehr, immer extremer, immer maximaler sein muss und doch nicht glücklich macht. Die innere Leere, die gefüllt werden soll, dehnt sich trotzdem immer weiter aus.

Selbstfindung statt Karriere

Viele Menschen reiben sich in einer Karriere auf, um Anerkennung und Status zu erlangen, die irgendwann zum Selbstzweck wird. Der Status verschlingt immer mehr Mittel und die Verpflichtungen nehmen zu. Hauptsache, die Eltern sind stolz, die Privatleben ist vorbildlich und der Chef kommt bald mit der Beförderung. Und man will ja auch im Freundeskreis mithalten. Die Unruhe ist pausenlos und das Innehalten unmöglich. Das Hamsterrad dreht sich immer schneller, bis man sich selbst kaum noch wahrnimmt und der Burn-Out an die Tür klopft.

Dieser Trend scheint sich abzuschwächen, zugunsten eines anderen. Das Pendel scheint vom einen Extrem in das andere auszuschlagen. Zurzeit schwingt es Richtung Selbstoptimierung. Manche betreiben sie, um das Hamsterrad besser ertragen zu können, andere versuchen auszusteigen und entdecken die Spiritualität, das Slow-Living oder die Achtsamkeit für sich. Das ist natürlich auch alles nicht schlecht, doch auch hier lauert die Ich-bin-besonders-Falle und all das kann man auch übertreiben. Die Wahrscheinlichkeit dazu ist relativ hoch, zumal man ja vorher auch schon zu Extremen neigte. Neigungen verschwinden jedoch nicht durch Verhaltensänderungen, dazu müssen andere Ebenen angesprochen werden.

Das, was ist, ist das Wunder

Und was jetzt? Was kann man tun, um relativ leicht Zufriedenheit und Erfüllung zu erreichen? Sie wissen es bereits: Die Normalität, das Dasein an sich, ist das Wunder. Das, was unmittelbar ist, reicht völlig aus. Es sind unsere Gedanken, Bewertungen und persönlichen Muster, die es fade, langweilig oder selbstverständlich erscheinen lassen.

Machen Sie sich klar: Wir sitzen auf einem winzigen Staubkorn im Weltall, rasen mit ihm in irrwitziger Geschwindigkeit um das Zentrum der Milchstraße. Wenn verschiedene universale Konstanten nur minimalst anders wären, wäre das Weltall schon längst wieder kollabiert oder den Kältetod gestorben. Es wäre gar kein Leben entstanden. Wäre die Erde nur ein Stück näher an der Sonne oder weiter weg, gäbe es hier bestenfalls vielleicht ein paar komplexere Aminosäuren, aber sonst nichts. Hätten wir nicht unseren wirklich außergewöhnlichen Mond, der die Erde stabilisiert, würden wir immer noch in der Ursuppe dümpeln.

Ist es also nicht bereits ein ungeheures Wunder, dass es uns hochkomplexe, zur Selbsterkenntnis fähige Wesen, überhaupt gibt? Ok, das ist natürlich eine intellektuelle Ableitung, die mit Unmittelbarkeit nichts zu tun hat. Aber sie ändert vielleicht bereits ein wenig Ihre Perspektive. Es geht noch einfacher:

Was ist, ist alles, was ist

Alles, was nötig ist, ist sich mit dem zu verbinden, was gerade ist. Benutzen Sie einfach Ihre Sinne. Sehen Sie, hören Sie, tasten Sie. Sie werden feststellen, dass das Bewerten und das Denken ruhiger werden oder gar ganz aufhören. Nein, Sie brauchen nicht zu meditieren, können diese Übung aber gerne so bezeichnen, wenn Sie möchten. Das ist ein sehr simpler Reset, der immer möglich ist. Diesen Zustand werden Sie zuerst nicht lange, aber später immer länger aufrechterhalten können. Trainieren Sie es. Aus diesem Raum heraus können Sie dann gelassener und entspannter Ihr Leben entfalten.

Das, was ist, ist das Einzige, was Sie zur tatsächlichen Erfüllung brauchen. Es ist unabhängig davon, wo Sie sich befinden, was Sie tun oder was in Ihrer Umgebung gerade geschieht. Eine andere, dauerhaftere Erfüllung gibt es nicht. Sollten Sie anderer Ansicht sein, handelt es sich um eine Denkgewohnheit oder um ein automatisches, mentales Programm. Es ist das gleiche, welches Sie zu Höherem, Besseren oder zum Besonderen antreibt. Das ist in Ordnung, aber es ist auch gut zu wissen, dass es eigentlich ganz einfach sein kann.

Zufriedenheit und Gelassenheit zu finden ist nicht schwer. Besinnen Sie sich auf das, was gerade ist. Sollten Sie mit dieser Übung Probleme haben, wenden Sie sich jemanden, der sich damit auskennt. Es ist genauso sinnvoll wie einfach, sich von Persönlichkeitsmustern zu befreien, die zu Überforderung führen oder sonst wie schaden.

Mit herzlichem Gruß
Ulrich Heister

Praxis für Psychotherapie und Hypnosetherapie | ulrich-heister.de

Sich völlig öffnen

Wer sich völlig öffnet ist unverletzlich? Das klingt paradox. Doch es ist tatsächlich so. Hierbei geht es natürlich nicht um unsere körperliche Verletzlichkeit. Der Körper kann leicht beschädigt werden und brauch Schutz, das ist klar. Dieser Newsletter bezieht sich auf unsere mentale und emotionale, also innere Verletzlichkeit. Er zeigt auf, was uns verletzlicher macht und wie uns Durchlässigkeit schützt.

Je festgelegter Sie sind, desto verletzlicher sind Sie

Überlegen Sie kurz, wann Sie sich zuletzt verletzt gefühlt haben. Was war geschehen? Ich vermute, es lässt sich darauf reduzieren, dass jemand Ihre Erwartungen nicht erfüllt hat. Sehen Sie? Hier genau liegt der Grund für Verletzlichkeit. Es sind unsere eigenen Überzeugungen, Bewertungen und Ansichten, die jedweder Verletzung zu Grunde liegen. Je mehr wir davon haben und je festgefügter sie sind, desto angreifbarer und unflexibler sind wir und umso weniger glücklich.

Je sicherer jemand weiß, was richtig oder falsch, gut oder böse ist, desto mehr Probleme wird er haben. Je stärker sich jemand mit etwas identifiziert, desto schwerer wird er es haben, das andersartige anzunehmen. Wer genau weiß, wie sein Partner sein und wie er sich verhalten soll, wird leicht enttäuscht werden. Wer bestimmte Verhaltensweisen von seinen Freunden erwartet, könnte schnell eine böse Überraschungen erleben. Wer meint, andere kontrollieren zu müssen, damit sie alles richtig machen, muss nicht nur viel Energie aufwenden, sondern wird mit ihnen meistens unzufrieden sein. Wer kulturelle, religiöse oder sexuelle Res­sen­ti­ments hat, wird sich leicht angegriffen fühlen. Und so weiter.

Überzeugungen können ein Gefängnis sein

Unsere mentalen Strukturen bilden ein Gerüst, das uns einerseits stützt, das uns hilft unser Leben zu gestalten und das uns Orientierung gibt. Andererseits kann es aber auch ein Gefängnis sein. Erleben wir etwas, das nicht unseren Überzeugungen und Erwartungen entspricht, fühlen wir uns schnell unsicher, enttäuscht oder verletzt. Daher ist es sinnvoll, ein Glaubenssystem zu haben, das möglichst weit ist und engere Glaubenssysteme integrieren kann. Damit können wir andere leicht verstehen und sind von ihrem Verhalten nicht überrascht. Die Wahrscheinlichkeit, dass wir verletzt werden ist wesentlich geringer, da in uns kaum etwas ist, was diesen äußeren Ereignissen Widerstand entgegensetzt.

Wie Sie sich befreien

Beobachten Sie sich im Alltag, und stellen Sie fest, wo Sie mit Ihrem Verständnis an Grenzen stoßen oder sich enttäuscht oder verletzt fühlen. Fragen sie sich, welche Ihrer Überzeugungen diesem Erlebnis entgegengesetzt ist. Dann überprüfen Sie diese Überzeugung darauf, ob Sie sie tatsächlich brauchen und ob Sie Ihnen nutzt oder ob sie Sie einschränkt. Im zweiten Fall sollten Sie sie aufgeben, da Sie nicht zu Ihrer Freiheit und Lebendigkeit beiträgt.

Das Leben ist wild und unvorhersehbar. Wir können tatsächlich kaum etwas kontrollieren. Wenn wir das akzeptieren und möglichst offen und flexibel sind, nehmen die Lebensfreude und die Begeisterung mehr und mehr zu.

Mit herzlichem Gruß
Ulrich Heister

Praxis für Psychotherapie und Hypnosetherapie | ulrich-heister.de

Ich behaupte: Wenn alle Menschen über die tatsächliche Natur unseres Ichs Bescheid wüssten, wären die meisten persönlichen und globalen Probleme gelöst.

Wir nehmen ständig Bezug auf uns selbst als „Ich“: „Ich habe das gemacht“ „Ich fühle mich nicht so gut.“ „Das ist meine Schuld.“ „Das ist mein Bein.“ „Ich lebe.“ „Ich freue mich.“ „Du hast mich verletzt.“ Und so weiter. Dieses „Ich“ ist so selbstverständlich für uns, dass wir es nicht hinterfragen. Es stellt für uns eine felsenfeste Konstante dar. Wir erleben (fast) unser gesamtes Leben aus der Sicht des Ichs: Hier bin ich und dort sind die Umwelt sowie die anderen. Dabei wird in der Regel mit dem Ich das gemeint, was sich innerhalb unserer Haut befindet und dort empfunden wird.

Das Ich wird als solide Wesenheit betrachtet, die mit dem, was um es herum geschieht und mit anderen Menschen in Wechselwirkung steht. Aber wo ist dieses Ich? Ist es unser Körper? Hat es eine spezielle organische Repräsentation in unserem Nervensystem? Ist es unsere Seele? Ist es ein spirituelles Wesen?

Nein, all dies ist es nicht. Es ist gar kein Wesen, sondern eine Funktion unseres Nervensystems, die unser Überleben auf vielfältige Weise sicherstellen soll. Synchronisierte Gehirnbereiche mit verschiedenen Aufgaben lassen das Ich entstehen. Wird diese Kohärenz durch widersprüchliche Sinneseindrücke, psychogene Substanzen oder Müdigkeit gestört, desintegriert das Ich. Wir sind verwirrt, halluzinieren, schlafen ein oder werden bewusstlos.

Das Ich ermöglicht uns auf der einen Seite ein Selbstbild, ein Weltmodell, eine Vorstellung von Vergangenheit und Zukunft, Beziehungen, Empathie, soziale Strukturen, Kultur und die Planung und Kontrolle unseres Verhaltens. Auf der anderen Seite programmiert es uns. Es begrenzt uns in unserem Verhalten, trennt uns und legt unsere Bewertungen fest. Sein Schutzmechanismus wird oft nicht nur als Zweck, sondern als einzig richtige Verhaltens- und Denkweise interpretiert. Hier liegt die Ursache aller persönlichen, menschlichen und damit auch aller globalen Probleme.

Die grundlegende Aufgabe des Ichs ist die Abgrenzung, um für die eigene Bedürfniserfüllung sorgen zu können und so die eigene Existenz zu sichern. Kommt es bei der Stillung der eigenen Bedürfnisse zur Kollision mit denen der anderen, entfalten sich Konflikte. Das geschieht im Kleinen, in der Paarbeziehung, in der Familie, aber auch im größeren Rahmen, zwischen Kultur- und Glaubensgruppen, bis hin zu den Nationen. Alle Identifikationsmuster tragen das Potenzial in sich, Konflikt mit dem Andersartigen entstehen zu lassen.

Folgendes sollte jedem klar sein: Das Ich ist eine Illusion, ein Gedanke, eine Funktion, eine Vorspiegelung des Nervensystems, und es ist kein Wesen! Wenn Sie durch den Schleier der Selbstbegrenzung hindurchschauen, öffnen Sie sich für die Möglichkeit einer größeren und freieren Realität! Es geht nicht darum, das Ich zu verteufeln, sondern es zu verstehen und seine wahre Natur zu erkennen.

Was ist dann wirklicher als das Ich? Die Einheit. Das Ich kann mit dem Begriff „Einheit“ nur wenig anfangen, denn seine Natur ist die Abgrenzung, bestenfalls hat es eine vage Vorstellung davon. Doch es lässt sich – im positiven Sinne – überlisten. So können wir einen Eindruck dieser grundlegenden Ganzheit gewinnen. Das ist keine spirituelle Spinnerei, sondern unmittelbar und unzweifelhaft erfahrbar.

Das Ich ist immer in diese Ganzheit eingebettet. Wer Kontakt mit ihr hat, wird einen größeren Frieden in sich selbst finden und Abgrenzung, Konflikte und Hass zunehmend als lächerlich erkennen. Eine lebenslange Ich-Identifikation lässt sich nicht sofort aufweichen. Die Verschaltungen in unserem Gehirn sind fest verankert. Interessanterweise steigt das Empfinden von Einheit, je mehr Neuronen in unserem Gehirn mit einer Frequenz von 40 Hz synchron schwingen. Auch hierfür gibt es also eine neuronale Entsprechung.  In diesem Artikel habe ich einen Weg beschrieben, sich der Ganzheit anzunähern.

Mit herzlichem Gruß
Ulrich Heister

Praxis für Psychotherapie und Hypnosetherapie | ulrich-heister.de

Freude ist dem Dasein immanent. Dabei ist diese Freude nicht persönlich. Sie offenbart sich, wenn das Ich in den Hintergrund tritt und die Gedanken stiller werden. Von allen Wesen auf der Erde sind wir Menschen die einzigen, die sich (scheinbar) vom Dasein trennen können.

Wie geschieht das? Wir entwickeln ein Ich. Das Ich ist für den Menschen wichtig, um Autonomie und Unterscheidungsfähigkeit auszubilden und uns selbst schützen zu können. Andererseits wirft uns die Identifikation mit dem Ich aus dem paradiesischen Zustand, in dem wir als Säugling leben. Um ein Ich zu haben und sich damit zu identifizieren, bedarf es eines gewissen Abstraktionsvermögens. Dieses entwickelt sich erst, wenn die neuronalen Verknüpfungen in unserem Gehirn komplex genug sind. Wir abstrahieren ein Ich und glauben dann immer mehr daran, es zu sein. Das ist ein unwillkürlicher Prozess, der willentlich nicht umzukehren ist.

An dieses Ich werden Körperempfindungen geknüpft. Plötzlich ist da nicht mehr nur eine unmittelbare Wahrnehmung, sondern das Ich nimmt wahr und koppelt oft Reaktionen an bestimmte Wahrnehmungen. Eine selbstverstärkende Spirale der Selbstidentifikation lässt das Ich so selbstverständlich werden, als wäre es tatsächlich da. Wir glauben ihm uneingeschränkt und akzeptieren als wahr, was es denkt. Das ist die Grundlage für fast alle Probleme, die wir im Leben haben.

Versuchen Sie doch einmal folgendes: Setzen Sie sich irgendwo hin, wo es schön ist. In einen Park, an ein Fenster mit schöner Aussicht oder an einen Strand. Geben Sie ausschließlich Ihrer Wahrnehmung Ihre Aufmerksamkeit. Sie werden feststellen, dass Ihre Gedanken stiller werden. Bewerten Sie nicht, weder positiv, noch negativ. Nehmen Sie einfach nur wahr.

Wenn Sie dies häufiger tun, werden Sie irgendwann merken, dass nicht Sie selbst aktiv wahrnehmen, sondern dass da nur Wahrnehmung ist. Da ist Sehen, da ist Hören, da ist Riechen, da ist eine Empfindung von Sitzen auf etwas. Aber das Ich ist nicht mehr derjenige, der es tut. Da ist niemand, der sieht, hört, riecht oder empfindet. Und dann ist da eine Freude am Dasein. Grundlos, unpersönlich.

Das Ich wird dadurch nicht verschwinden. Doch wenn wir erkannt haben, dass es seiner Natur nach imaginär ist, kann sich die Identifikation mit ihm abschwächen. Auf diese Weise können sich viele Probleme und Schwierigkeiten einfach auflösen. Dieser Prozess kann natürlich auch therapeutisch unterstützt werden.

Mit herzlichem Gruß
Ulrich Heister

Praxis für Psychotherapie und Hypnosetherapie | ulrich-heister.de

„Was findest du vor, wenn du in dich gehst?“ – „Mich selbst, natürlich!“, werden wohl die meisten Menschen antworten. Wir sind gewohnt, alles was innerhalb unserer Haut liegt, als „Ich“ oder „meins“ zu bezeichnen. Doch ist das tatsächlich so? Was ist das Ich oder das Selbst? Wo ist es und woraus besteht es?

Für mich ist das Ich eine Abstraktion: die Summe der Gedanken, die das Nervensystem hervorbringt. Die Reize, die unser Nervensystem aufnimmt, haben wir schon als Kind gelernt, als unsere zu empfinden. ICH sehe, ICH höre, ICH taste, ICH schmecke, ICH rieche, ICH denke, ICH empfinde.

Descartes sagte: „Ich denke, also bin ich.“ Folglich: Wenn ich nicht denke, dann bin ich nicht. Nicht-Denken ist durchaus möglich. Vielleicht haben Sie das sogar selbst in einer Meditation schon erlebt. Es gibt aber auch einfachere Wege, Gedankenlosigkeit zu erfahren. Wenn Sie nicht denken: „Ich sehe einen Baum.“, sondern einfach nur schauen, dann ist da niemand mehr, der einen Baum sieht. Das Sehen geschieht einfach. Objekt und Subjekt, Baum und Sehender werden eins, innerhalb einer Ganzheit.

Für viele ist es schwer vorstellbar oder gar bedrohlich zu erkennen, dass das Ich seiner Natur nach imaginär ist. Doch sich darauf einzulassen, eröffnet viele Möglichkeiten. Denn wie wir uns selbst und unsere Umwelt erleben, hängt von unseren Überzeugungen, Meinungen und Bewertungen ab. Ändern wir diese, ändert sich auch die Realität, die wir erleben. Das Ich ist also wandelbar, wenn es sich nicht mehr als festgelegt erfährt. Denn dann ist das Ich wandelbar. Es kann seine eingefahrenen Bewusstseinsmuster verlassen, sich ändern und sich neu erfahren.

Mit herzlichem Gruß
Ulrich Heister

Praxis für Psychotherapie und Hypnosetherapie | ulrich-heister.de

Das Upload-Magazin hat mich interviewt: „Wir sprechen in unserem Monatsschwerpunkt viel über Effizienz, aber was macht das eigentlich mit den Menschen? Wir haben uns dazu mit dem Heilpraktiker Ulrich Heister unterhalten. Effizienz sei kein grundlegendes menschliches Bedürfnis, erklärt er im Interview mit uns. Selbstoptimierung könne sogar schaden, wenn sie übertrieben wird oder wenn falsche Ziele verfolgt werden. Was stattdessen wichtig ist und wie man das Gefühl des Burnout vermeidet, erklärt er hier.“
Lesen Sie das ganze Interview!

Mit herzlichem Gruß
Ulrich Heister

Praxis für Psychotherapie und Hypnosetherapie | ulrich-heister.de

Wann hat Sie zuletzt jemand beleidigt? Ich hoffe, es ist lange her! Ist Ihnen aufgefallen, dass uns Menschen, die uns nahestehen, oft am leichtesten beleidigen können? Das liegt sicherlich daran, dass das, was sie sagen, für uns eine besonders große Bedeutung hat. Uns ist ihre Meinung wichtig. Daher treffen uns abfällige Bemerkungen von ihnen leichter. Machen Sie sich aber klar: Sie selbst haben die Entscheidungshoheit über Ihre Gefühle und Reaktionen. Nur weil jemand etwas Abwertendes sagt, müssen Sie sich nicht abgewertet fühlen. Bleiben Sie bei sich selbst und bei dem, was oder wer Sie sind. Selbstsicherheit ist der Schlüssel, nicht bei jeder Kleinigkeit oder bei Angriffen eingeschnappt zu sein.

Haben sie auch schon beobachtet, dass gerade Menschen mit geringem Selbstwert schnell beleidigt sind? Sie fühlen sich leicht angegriffen, weil ihr Selbstbild nicht stabil ist und sie es sofort verteidigen müssen. Jemand, der sich durch negative Äußerungen über seine Weltanschauung beleidigt fühlt, hat vielleicht insgeheim selbst Zweifel an seiner Einstellung. Jemand, der sich durch Kritik an seinem Äußeren beleidigt fühlt, ist in diesem Bereich wohl etwas zwiegespalten. Wer in sich ruht und sich seiner eigenen Überzeugungen sicher ist, lässt sich nicht so einfach beleidigen. Beleidigt zu sein heißt, in einem Lebensbereich keine eigene Klarheit zu haben. Dieses Gefühl ist ein zuverlässiger Indikator.

Es gibt auch solche Menschen, die regelrecht dankbar alles aufnehmen, was sich irgendwie als Beleidigung interpretieren lässt. Damit haben sie eine Rechtfertigung, ihrem schon lange im Inneren brodelnden Frust Luft zu machen. Oder sie können so richtig schön demonstrieren, dass sie sich im Recht fühlen und eine „gute Sache“ vertreten, den anderen also moralisch überlegen sind.

Dabei sagt derjenige, der versucht, jemand anderen zu beleidigen, damit tatsächlich viel mehr über sich selbst als über den vermeintlich Beleidigten aus. Es gelingt nur, Sie zu beleidigen, wenn Sie diese Aussage annehmen. Tun Sie das nicht. Stehen Sie zu sich selbst! Sollten Sie das nicht können oder sollten Sie einen empfindlichen Bereich haben, bei dem Sie schnell einschnappen, schauen Sie sich das zugrundeliegende Muster an. Mit dieser Methode zum Beispiel können Sie es auflösen. Machen Sie sich frei von solchen automatischen Reaktionen.

Mit herzlichem Gruß
Ulrich Heister

Praxis für Psychotherapie und Hypnosetherapie | ulrich-heister.de

Facebook hat derzeit etwa 1,65 Milliarden Mitglieder, die mindestens einmal im Monat online gehen. Das ist eine gewaltige Zahl. Was macht Facebook so attraktiv für Menschen? Wie kann es uns so lange binden, häufig länger, als wir wollten? Welche Bedürfnisse deckt es? Kann es süchtig machen? Wie lässt es sich sinnvoll nutzen?

Das Upload-Magazin hat mich zu diesen Fragen interviewt. Hier geht es zu dem Artikel.

Mit herzlichem Gruß
Ulrich Heister