Praxis für Psychotherapie und Hypnosetherapie | ulrich-heister.de

Fühlen Sie sich auch öfter genervt von Leuten, die Ihnen ins Wort fallen? Oder passiert es Ihnen sogar umgekehrt, dass andere Sie auffordern, sie nicht zu unterbrechen? Es gibt Umstände, in denen es nicht leicht ist, ein geordnetes Gespräch zu führen. Warum ist das so? Und geht es auch anders? In diesem Newsletter möchte ich dieses Phänomen genauer beleuchten und einige Tipps für eine funktionierende Gesprächskultur in Beziehungen geben.

Die meisten Gespräche laufen eher unproblematisch ab. Jeder sagt, was er zu sagen hat, ohne Spannung und meist ohne oder nur mit geringer emotionaler Ladung. Manchmal wird das Rederecht auch durch Hierarchien bestimmt. Hier agieren die Gesprächspartner meist vernunftgesteuert innerhalb ihrer Rollen. Wenn gute Freunde in bester Laune miteinander sprechen, fallen sie sich häufig gegenseitig ins Wort und ergänzen einander die Sätze. Das ist dann völlig in Ordnung und hat eher eine verbindende Wirkung.

Bedürfnisse achten

Die Bitte oder Aufforderung nicht zu unterbrechen erfolgt meistens in Streitgesprächen. Menschen wollen vom Gegenüber mit ihren Bedürfnissen gehört werden. Redet der andere, bevor sie ihren Satz beendet haben, fühlen sich missachtet und nicht richtig wahrgenommen. Die Situation kann sich aufschaukeln. Möchten Sie deeskalierend wirken, können Sie dies mit den folgenden Tipps leicht tun. Voraussetzung ist natürlich, dass Ihnen es Ihr Gesprächspartner oder der Anlass wert ist. Sollte dies nicht so sein, können Sie sich getrost fragen, warum Sie überhaupt in der unerwünschten Gesprächssituation verharren.

Wenn Sie jedoch an einer Einigung oder gar, im größeren Zusammenhang, an einer vernünftigen Gesprächskultur in einer Beziehung interessiert sein, hier ein paar praktische Anregungen. Ich habe sie am Beispiel eines Gesprächs innerhalb einer Paar- oder Familienbeziehung entwickelt. Aber auch in beruflichen Zusammenhängen und Sachbeziehungen können einige der Hinweise nützlich sein.

Übertreiben Sie!

Ist das Gespräch emotional sehr geladen? Dann verabreden Sie doch einmal, es zunächst bewusst zu übertreiben. Schreien Sie sich absichtsvoll an und blaffen Sie alles heraus, was Sie zu sagen haben. Auch gleichzeitig. Hierzu ist natürlich vorteilhaft, eine Metaebene einnehmen zu können. Das heißt, sich währenddessen soweit aus der Identifikation mit dem Streit distanzieren zu können, dass Sie das größere Bild des Ereignisses überblicken. Je nachdem, wie vertraut sie miteinander sind und wie gut aufeinander eingespielt, können Sie auch Kraftausdrücke verwenden. Hierbei geht es darum, die eigenen Gefühle auszudrücken und auszuleben. Ist hiernach die Atmosphäre gereinigt, geht es mit einem Gespräch weiter, denn gelöst ist das ursprüngliche Problem bestimmt noch nicht.

Setzen Sie sich gemeinsam hin. Einigen Sie sich darauf, einen Konsens finden zu wollen, sonst lohnt sich der Aufwand nicht. Alle Gesprächspartner sollten daran interessiert sein, wohlwollend miteinander umzugehen. Eine gute Möglichkeit, dies zu signalisieren ist, den anderen in seinen Bedürfnissen wahrzunehmen und auf diese einzugehen. „Ja, ich habe verstanden, dass du dich ignoriert fühlst und mehr Zeit mit mir verbringen möchtest.“ Danach teilen Sie Ihr eigenes Bedürfnis mit.

Sollte es Probleme mit der Redezeit geben, hier zwei Vorschläge: Legen Sie einen Gegenstand in die Mitte. Dies kann ein einfacher Kieselstein oder ein Stück Holz sein. Wer reden möchte, nimmt den Gegenstand auf, er hat das Wort. Der andere schweigt und hört zu. Wer fertig ist, legt den Gegenstand zurück und ein anderer kann ihn nehmen, um zu sprechen. Die Zeit, die der Gegenstand behalten werden kann, kann in gemeinsamer Absprache begrenzt werden.

Eine andere Möglichkeit ist, dass Sie von vornherein die jeweilige Redezeit auf 10 oder 15 Minuten festlegen. Jedem steht diese Zeit abwechselnd zur Verfügung. Sie darf nicht verkürzt oder verlängert werden. Es muss nicht gesprochen werden. Ist alles vor Ablauf der Zeit gesagt, kann die Schweigephase sehr heilsam wirken. Jeder kommt gleich oft an die Reihe.

Meistens geht es nicht um das Thema, sondern um Kommunikation

Gerade innerhalb einer Beziehung liegt der eigentliche Grund des Streites oft nicht in dem Thema, um das es in dem Gespräch gerade geht. Meist liegt das Problem in der Kommunikation selbst. Fühlt sich der andere wahrgenommen und in seinen Bedürfnissen geachtet, entstehen meistens erst gar keine gravierenden Spannungen, welche die Beziehung gefährden oder konstruktive Gespräche nicht zulassen.

Übrigens: Dass es selbst in guten Beziehungen mit einer sehr achtsamen Gesprächskultur hin und wieder zu Streitigkeiten und Missverständnissen kommt, ist völlig in Ordnung. Seien Sie nicht zu streng mit sich selbst, wenn es auch einmal gründlich daneben geht, sondern nehmen Sie es am besten mit Humor!

Mit herzlichem Gruß
Ulrich Heister

Ulrich Heister

Ulrich Heister

Ich arbeite mit Menschen, die etwas verändern wollen: in ihrem eigenen Leben, in ihren Beziehungen oder im Beruf. Sie wollen gesünder, glücklicher und erfüllter leben. Mich begeistert die Aufgabe, für meine Klientinnen und Klienten einen Raum zu öffnen: einen liebevollen, wertschätzenden Freiraum, in dem sie sich entwickeln, sich selbst erfahren und ihr Leben mit Leichtigkeit und Freude in die Hand nehmen.

Seit 1995 bin ich in eigener Praxis tätig. Meine Schwerpunkte sind die Psychotherapie, die Hypnosetherapie und die Psychosomatik. In diesen mehr als 20 Jahren habe ich die Erfahrungen aus meiner Arbeit und zahlreichen Zusatzausbildungen zu einem sehr wirkungsvollen Ansatz weiterentwickelt. Ich begleite Klienten in Einzelsitzungen, bietet aber auch Kurse an. Darüber hinaus lehre ich an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und unterstütze Führungskräfte und Teams in Unternehmen mit Coaching sowie zielgerichteten Workshops.

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Herzliche Grüße
Ulrich Heister
Ulrich Heister